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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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Am Feierabende des 6. Mai.

Fr. Wozu soll uns dieser Gedanke ermuntern?

Anttv. Zum kindlichen Vertrauen aufMariens Schutzund Hilfe.

Belehrung. Wie ein Kind mit Liebe und Vertrauenzur Mutter eilt, so dürfen auch wir zu Maria unsere Zu-flucht nehmen (sieh das vorhergehende Bild!); sie ist jaunsere Mutter. „ O seliges Vertrauen, o sichere Zuflucht!"ruft wiederum der heilige An s c lm aus; „die Mutter meinesGottes ist auch zugleich meine Mutter. Mit welcher Gewißheitkönnen wir also unsere Seligkeit hoffen, da dieselbe von derEntscheidung unsers guten Bruders und unserer mitleidigenMutter abhängt!" Und der heilige Bernhard fügt bei:„Eva war für uns eine grausame Stiefmutter; denn durchsie hat die höllische Schlange den ersten Menschen mit seinemtodtenden Gifte angehaucht; aber Maria ist uns eine wahreMutter, weil sie uns Allen ein Gegengift zum Heile berei-tet hat. Jene war das Werkzeug der Verführung, diese dasWerkzeug der Aussöhnung. Warum soll der gebrechlicheMensch fürchten, sich Maria zu nähern? Sie hat nichts Her-bes, nichts Abschreckendes; sie ist voll der Milde und Barm-herzigkeit. Durchblättere die ganze evangelische Geschichte;und findest du an ihr nur den mindesten Schein einer Hart-herzigkeit, nur das mindeste Zeichen des Unwillens oder derStrenge, so mag sie dir verdächtig sein, und durch ihre Ge-genwart Scheu erwecken! Triffst du aber im Gegentheilebei ihr ein Mutterherz an, das voll des Mitleidens, derGüte und der Barmherzigkeit ist, wie du es gewiß findenwirst, so sage Jenem Dank, der dir aus so großer Güteeine Mittlerin gab, an welcher nichts Strenges, nichts Ab-schreckendes ist!" — Nimm also zu Maria voll kindlichenVertrauens deine Zuflucht; sei überzeugt, sie wird sich dei-ner annehmen wie eine Mutter ihres Kindes.

Beispiel und Anwendung. Wir sehen dieß aus derLebensgeschichte der heiligen Theresia. Als diese ihreleibliche Mutter sterben sah, warf sie sich in Gegenwart vie-ler Personen auf die Kniee nieder, und beschwor Mariassie möchte von nun an ihre Mutter sein. „Es ist des himm-lischen Vaters anbetungswürdiger Wille," rief sie aus, „daßich meine liebe, theuere irdische Mutter verlieren soll. Ma-ria! sieh nun du herab auf dein schwaches Kind und nimmdich meiner an in Liebe und Sorgfalt! Sei mir eine guteMutter und führe mich zu dir und deinem Sohne, zu mei-nem göttlichen Bruder Christus Jesus! Als folgsames Kindwill ich deinem mütterlichen Rufe folgen." So sprach diezarte Theresia; und was sie hier gelobte, das erfüllte sieauch treulich im Leben. Sie war eine gehorsame TochterMariens, und Maria war ihr eine zärtliche und sorgsameMutter — mehr, als es je eine irdische Mutter sein kann.

Sichtbar waltete Mariens Schutz über allen Unternehmungender heiligen Theresia. Aus Dankbarkeit und kindlicher Liebewählte sie deßhalb Mariam auch als Beschützerin und Leiterinfür alle von ihr gestifteten Klöster. — Ja, glaube es, meinChrist! wer ein Irenes Kind der göttlichen GnadenmuttcrMaria ist, und ein eifriger Nachahmer ihrer Tugenden, derwird durch sein ganzes Leben die tröstliche Wahrheit bestätigtfinden, daß Maria auch unsere Mutter sei.

Fr. Wozu soll uns die Wahrheit, daß Maria un-sere Mutter ist, noch ferner ermuntern?

Antw. Zur innigen Gegenliebe.

Belehrung und Beispiel. Nur aus Liebe ist Ma-ria unsere Mutter geworden. „Durch die Worte Christi:Sieh da deine Mutter! ward Maria um der gro-ßen Liebe willen, die sie zu uns trug, nicht nurdie Mutter des heiligen Johannes, sondern auch die Mut-ter aller Menschen," also schreibt der heilige Bern-hardin von Siena. Mit mütterlicher Liebe umfaßt sicalle ihre Kinder. Es ist daher nicht mehr als billig, daßauch wir sie entgegenlieben zärtlich und innig, wie je eingutes Kind seine gute Mutter lieben kann; wir sollen sielieben, wie der heilige Stanislaus Kostka. Wenn die-ser nur Maria nennen hörte, so erglühte sein Herz und seinAngesicht schon vom Feuer heiliger Liebe. Als er eines Ta-ges mit einem Priester aus der Gesellschaft Jesu ein Bild-niß der Mutter Gottes besuchte, fragte ihn dieser, wie sehrer denn Mariam liebe? „O mein Pater!" antwortete derJüngling, „was kann ich Ihnen hierauf anderes antworten,als: Sie ist meine Mutter!" — O warum sollten wirMariam nicht lieben, mein Christ? Ist sie ja eine so liebe-volle Mutter, wie keine andere Mutter auf Erden!

Legende: Der heil. Johannes Damascennö,Kirchenlehrer, (f 780.)

Wie ein guter Sohn seine Mutter liebt, so liebteund verehrte auch der heilige Johannes Damasce-nus, dessen Fest ans den heutigen Tag fällt, die gött-liche Gnadenmntter Maria; denn mit aller Schärfedes Geistes trat er gegen jene Bilderstürmer seiner Zeitauf, welche die Bilder Christi, Mariens und andererHeiligen in ihrem gottlosen und boshaften Sinne zer-störten. — Johannes stammte ans Damaskus von edlenund frommen Eltern, aus einer alten, adeligen Familie.Schon frühzeitig verachtete er die Welt und ihre Ehrenund Freuden; daher schlug er alle Ehrenstellen aus undbegab sich in die Einsamkeit, um sich ganz der christlichenVollkommenheit widmen zu können. Hier nun entwickelteer seine Talente zum Beßten der Kirche und erwarb sichdurch seine vortrefflichen Schriften, die er besonders ge-gen die Bilderstürmer seiner Zeit verfaßte, den Namen