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Zweites Hauptstück. Ma
mindeste Veränderung in seinen bisher gewohnten An-dachts- und Tugendübungen hervorzubringen. Durchdiese seine Tugend und Frömmigkeit verdiente er es voll-kommen, daß er im Jahre 1566 auf den päpstlichenStuhl erhoben wurde. Seine Sparsamkeit setzte ihn inden Stand, daß er Arme und Kranke unterstützen undfromme Stiftungen zum Beßten des Jugendunterrichtesmachen konnte. Nach vielen großen und edlen Thatennahm ihn der Herr zu sich in die ewige Glorie des Him-mels 1572.
Gebet. O mächtige Jungfrau Maria! Du bistMutter Gottes und vermagst Alles bei Gott; bitte alsofür uns, damit auch wir, wie der heilige Papst Pius V.,unsere Lebenswege mit frommen und edlen Thaten be-zeichnen und einst ausgenommen werden mögen in dieGlorie des Himmels durch Christum, unfern Herrn. Amen.
Hmidertsechsundzwanzigstes Lesestück.
Am Feierabende des 6. Mai.
Maria ist auch unsere Mutter.
Fr. Welch' tröstliche Wahrheit fließt für uns ausder Lehre, daß Maria Mutter Gottes oder dieMutter Christi ist?
Antw. Es fließt für uns hieraus die tröstliche Wahr-heit, daß Maria auch unsre Mutter sei; denn daChristus unser Bruder werden wollte, so hat erseine Mutter auch zu unsrer Mutter gemacht.
Belehrung. Mit vollem Rechte dürfen wir Mariaauch unsre Mutter nennen; denn 1) Christus ist unserBruder, also ist seine Mutter auch unsere Mut-ter. „O Herrin!" ruft der heilige Anselm aus, „wennder Sohn Gottes durch dich unser Bruder ward, bist du nichtdurch ihn unsere Mutter geworden?" Und der heilige Au-gustin lehrt, daß Maria als die Mutter Christi dadurchschon auch zugleich die Mutter seiner Glieder sei, dieihm als ihrem Haupte innig verbunden sind. 2) Mariaist unsere Mutter, weil sie uns, wenn wir siefromm verehren, das Leben der Gnade erwirkt.Daher schreibt gar schön der ehrwürdige Scaramelli:„Es gebührt Maria mehr, als Eva, der Name einerMutter der Lebendigen; denn wenn unsrer ersten un-glücklichen Mutter ein so schöner Titel gegeben wurde, weilwir durch sie dieses gebrechliche Leben ererbt haben, so ge-bührt dieser herrliche Name noch mehr Maria, der neuen
ist auch unsere Mutter.
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Eva, unserer glücklichsten Mutter, die ihren Verehrern das
vornehmste Leben der Gnade, das glücklichste Leben der Glorieerwirkt und für sie ein sicheres Unterpfand ihrer Vorherbe-stimmung zur ewigen Glückseligkeit ist."
Beispiele und Anwendung. Der heilige AlphonsMaria von Liguori, den wir schon mehrfach als eineninnigen Verehrer Mariens bezeichnet haben, nannte die seligeJungfrau nie anders, als seine Mutter. Er stellt uns aberauch die Wahrheit, daß Maria wirklich unsere Mut-ter sei, in seinen Schriften auf folgende, geistreiche Weisedar: „Bei der Erzählung von der Geburt Jesu Christi be-dient sich der heilige Lukas des Ausdruckes, Maria habe ih-ren Erstgebornen zur Welt gebracht: Und sie gebar ih-ren erstgebornen Sohn. Wenn der Evangelist sagt, sie habeihren erstgebornen Sohn geboren, so muß sie nothwendigerWeise noch andere Söhne gehabt haben; — nun ist es abereine Glaubenswahrheit, daß Maria keine andern leiblichenSöhne außer Jesus hatte; sie muß also geistlicher Weise nochKinder haben, und diese sind wir." —- Dasselbe offen-barte der Herr auch der heiligen Gertrud; denn als dieseeines Tages die angeführte Stelle beim Evangelisten Lukaslas, ward sie ganz verwirrt, weil sie nicht begreifen konnte,wie man Jesus den Erstgebornen Mariä nennen könne, daMaria doch nur Jesum Christum zum Sohne gehabt habe.Da erklärte ihr Gott, daß Jesus leiblicher Weise ihr erst-geborner Sohn gewesen sei, daß aber alle Menschengeistiger Weise die später gebornen Söhne Ma-riens seien. — O süßer Gedanke: „Maria ist un-sere Mutter!"