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Zweites Hanptstiick.
Mensch zugleich ist, und Den alle Engel und Heiligenanbeten. (Sieh das obige Bild!)
Belehrung. Maria ist im wahren und eigentlichenSinne des Wortes „Mutter Gottes." Zwar gebar siedie Gottheit nicht, aber sie gebar cincnSohn, derGott ist; sie gebar einen Leib, mit dessen Fleisch und Blut,so aus Maria genommen ward, ein Gott persönlich, un-zertrennlich und geheimnißvoll vereiniget war. Darum sprachschon der Engel zu Maria: „Das Heilige, das ausdir wird geboren werden, wird Gottes Sohngenannt werden." Und der heilige Johannes Da-mascenus schreibt zu dieser Stelle: „Aus Maria also istgeboren der Sohn Gottes und der mcnschgewordene Gott,nicht ein Mensch, der Gott nur trug, sondern Gott imFleische; nicht durch eine Veränderung der Natur, sonderndurch die Einigung n'ach der Persönlichkeit. — Wie? sollalso Die, welche aus sich den menschgcwordenen Gott geborenhat, nicht die Gottesgebärerin sein? Sie ist eigentlich undwahrhaft die Mutter Gottes." — Diese wichtige Lehre hatdie Kirche Gottes stets unerschütterlich festgehalten und inmehreren Kircheuversammlungen gegen Jrrlehrer auf's Leb-hafteste vcrthcidigt. So wurde die gottlose Irrlehre des Pa-triarchen Nestorins, welcher der göttlichen GnadenmuttcrMaria den Titel: „Gottesgebärcrin" und „Gottes
Maria ist Gottes Mutter.
Mutter" rauben wollte, vom Concilium zu Ephesusverdammt, und als sich i. I. 451 die Väter auf dem Con-cilium zu Chalcedon in Bithymen versammelten, wurde aus'sNeue über eben diese Irrlehre das Verdammungsurtheilausgesprochen, und die versammelten Väter schrieen, wie mitEiner Stimme: „Man schreibe: Die heilige Jungfrauist Mutter Gottes — die Jungfrau Maria istMutter Gottes! — Maria ist Mutter Gottes!Christus ist Gott! Maria ist seine Mutter!" —Wahrlich, nur Unglaube und Bosheit können der seligstenJungfrau Maria die hohe Würde und den erhabenen Titeleiner Mutter Gottes und Gottesgebärerin streitig machen.
Beispiel und Anwendung. Unter jene ungläubigenund boshaften Thoren, die sich darin gefielen, der seligstenJungfrau jede himmlische Würde, sowie den Titel einer Got-tesmutter abzusprechen, gehörte ganz besonders der griechischeKaiser Constantinus Copronymus. Der lächerlicheBeweis aber, den er dafür sich ausgedacht, bestand darin,daß er eine mit Gold gefüllte Börse emporhielt, und dieLeute, die er belehren wollte, um den Werth derselben fragte.Hatten sie nach dem Augenmaß ihr Urtheil abgegeben, soschüttete er das Gold heraus und fragte neuerdings, was dieBörse nunmehr für einen Werth habe? Die Anwendung, dieer dann von diesem rohen Gleichnisse machte, war die, daßes mit der Gottesgebärerin, der Mutter Christi,ähnlich sich verhalte. Solange sie den Erlöser der Welt nochunter ihrem Herzen getragen, sei sie die Gesegnete unter denWeibern und zu jener Zeit der höchsten Verehrung würdiggewesen; nachdem sie ihn aber an's Licht dieser Welt gebo-ren, habe dieser ihr Vorzug aufgehört. Wer erkennt an die-sem geistlosen Ansspruche nicht sogleich die unsittliche Gemein-heit, welche die zarten und heiligen Vorrechte der Mutter-würde mit Füßen tritt? Könnte nicht einer so niedrigen Sin-nesart gemäß, jeder Sohn zu seiner Mutter sagen: „Einst,als du noch mit deinem Herzblut mich ernährt, bist du meineMutter gewesen; jetzt aber, seit ich zur Reife gediehen, hastdu cs zu sein aufgehört, und bist mir fremd geworden?" —Wie tief und geistvoll war hingegegen die Erkenntniß jenesWeibes, das von Begeisterung hingerissen, mitten aus dengedrängten Schaaren des Volkes ihre Stimme erhob undausrief: „Selig ist der Leib, der dich getragen hat!" Siesagte keineswegs im Sinne des griechischen Kaisers: „Seligwar.der Leib, der dich getragen, und so lange er dich ge-tragen;" sondern ihr freudiger Zuruf war der Art, daß ereben sowohl auf die ganze endlose Zukunft, als auf das Ver-gangene sich bezog. Sie pries die Mutter selig, deren wun-derbaren Sohn sie vor Augen sah, dessen Worte sie ver-nahm; und darum ist auch ihr Zuruf der Kirche Werth undtheuer geblieben; darum läßt sie auch ihre Kinder fortan imAve Maria beten: „Heilige Maria, Mutter Gottes!"
Fr. Wozu sind wir also als treue Katholiken ver-pflichtet?