Druckschrift 
Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
Entstehung
Seite
289
Einzelbild herunterladen
 

289

Am Feierabende des 5. Mai.

er fahrt fort: „Du bist voll der Gnaden!" Die Zu-dringlichkeit des bösen Feindes wird noch heftiger. Er beteteweiter: „Der Herr ist mit dir!" Die Gefahr weichtnickt. „Du bist gebenedeit unter den Weibern!"Die Versuchung bleibt dieselbe. Als er aber endlich zu denWorten kommt: „Und gebenedeit ist die Frucht dei-nes Leibes, Jesus Christus," und wie er die beidenhochheiligen Namen Jesus Christus ausspricht, da legtsich auf einmal der furchtbare Sturm in seiner Seele, esverschwinden alle unlauteren Bilder, und Thomas fühlteinen heiligen Frieden und eine namenlose Ruhe in seinemHerzen. Als Sieger geht er aus der Schlacht und feierteinen Triumph in seiner Seele. — Könntest du, mein Christ!nicht auch gar häufig durch dasselbe Mittel und auf dieselbeWeise siegen, wie Thomas von Kempen? Gehe darumhin und thue desgleichen!

Legende: Die heilige Monika, Wittwe.

(t 387.)

MW

MM

Zu Jesus, der gebenedeiten Frucht Ma-riens, nahm auch gar oft ihre Zuflucht die heiligeMonika, deren Fest heute in der Kirche gefeiert wird.Sie war die Mutter des heiligen Augustin und wurdeim Jahre 332 von christlichen Eltern in Afrika geboren.Schon frühzeitig wurde sie an Ordnung und an Beherrsch-ung der Leidenschaften gewöhnt. Wie sie ein Musterfür die Jungfrauen gewesen war, so wurde sie ein sol-ches auch für die Frauen in ihrer Ehe. Ihren Mann,der noch Heide und von zorniger, wilder Gemüthsartwar, wußte sie mit solcher Sanftmnth, Geduld und Ver-ständigkeit zu ertragen, daß nie ein Streit zwischen die-sen Eheleuten entstand. Sie hatte auch das Glück undden Trost, durch ihren reinen Wandel, ihre selteneSanftmnth und ihr inniges Gebet ihren ungläubigenMann gegen das Ende seines Lebens für Jesnm Chri-

Mehler, Hausbuch.

stum zu gewinnen. Ihr älterer Sohn, Augustinus,verursachte ihr Sorgen und Kummer, weil er nämlicheinen leichtfertigen Wandel führte, und sich sogar scham-losen Ketzern anschloß. Sie flehte bei Tag und bei Nachtfür ihn zum Vater des Lichtes und der Gnade, und er-mahnte ihn unter vielen heißen Thränen. Als sie einesTages tief bekümmert für den Verirrten betete, sagteein heiliger Bischof zu ihr: „So wahr du lebst, unmöglichkann ein Sohn solcher Thränen zu Grunde gehen!"Und er ging auch nicht zu Grunde. Augustinus be-kehrte sich zu Mailand, wohin ihm seine Mutter nach-gereist war, und trat mit ihr die Rückreise in das Va-terland an. In einem gottseligen Gespräche sagte siezu ihrem Sohne: „Was mich betrifft, so hat Nichts mehrReiz für mich in diesem Leben. Nur Eines war es,weßhalbich noch einige Zeit in diesem Leben zu weilen verlangte,daß ich dich als einen katholischen Christen sähe, ehedennich sterben würde." Sie starb in ihrem 66sten Lebens-jahre, nachdem sie die Ihrigen noch anfgefordert hatte,ihrer am Altäre des Herrn zu gedenken.

Gebet. Heilige Mutter Monika, die du durchdeine mütterliche Fürbitte die Bekehrung deines Sohneserwirket hast, bitte auch für uns, damit wir uns wahr-haft zu Gott bekehren und einst ewig selig seien imGenüße der gebenedeiten Frucht Mariens, dieda ist Jesus Christus, hochgelobt in Ewigkeit. Amen.

Himdertsünfilndzwanzigstes Lesestiick.

Am Feierabende des 5. Mai.

„Heilige Maria, Mutter Gottes!"

Maria ist Gottes Mutter.

Fr. Warum hat die katholische Kirche dem engli-schen Gruße die Worte beigefügt: „Heilige Maria, Mut-ter Gottes! bitt für uns arme Sünder jetzt und in derStunde unsers Absterbens. Amen!"?

Antw. Um uns dadurch zu lehren: 1) was wirvon Maria glauben, 2) was wir vonMaria hof-fen sollen. —> Wir sollen nämlich von Mariaglauben, daß sie Mutter Gottes sei und deßhalb un-sere besondere Verehrung verdiene; wir sollen vonMaria hoffen Hilfe im Leben und im Sterben, jetztund in der Stunde unsers Absterbens.

Fr. Ist Maria in Wahrheit „Mutter G ottes"?

Antw. Ja, Maria ist in Wahrheit „MutterGottes"; denn sie hat nicht einen bloßen Menschengeboren, sondern Jesnm Christum, der Gott und