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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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288
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288 Zweites Hanptstück. Jesus, der Hochgebenedeite im Himmel und auf Erden, die Frucht Mariens.

den, wenn sie nicht eine so gesegnete Frucht hervorgebrachthätte, die da ist Jesus Christus, Gott vom wahren Gott,hochgepriesen in Ewigkeit! — Eva nahm die Frucht undbrachte uns den Tod— Maria gab die Frucht und brachteuns das Leben. Sollen wir da nicht freudetrunken mitElisabeth ausrufen: „Gebenedeit ist die Frucht dei-nes Leibes?!" -Noch einen andern Umstand müs-

sen wir hier betrachten. Christus wird nicht der Ge-benedeite unter den Männern, wie Maria die Gebenedeiteunter den Weibern genannt; er heißt allgemeinhin und ohnealle Beschränkung „der Gebenedeite," um dadurchanzudeuten, daß er in jeder Hinsicht hochgelobt und gepriesensei im Himmel und auf Erden, und daß keine VergleichungStatt finde — vom Schöpfer zum Geschöpfe. Mit Rechtrief daher alles Volk, als der göttliche Heiland seinen Ein-zug in Jerusalem hielt, an welche Begebenheit uns die Kircheam Palmsonntag erinnert: „Gebenedeit sei,der da kommt im Namen des Herrn!" (Siehdas obige Bild!)

Beispiele und Anwendung. Der heilige Bern-hard machte gar häufig die Worte der heiligen Eli sab eth:„Gebenedeit ist die Frucht deines Leibes!" zumGegenstände seiner frommen Betrachtungen. In heilige An-dacht vertieft — rief er dann aus: „O Maria, du gnaden-reicher Baum im neuen Paradiese! O Jesu, du kostbareFrucht an diesem Baume des Lebens! Wie mächtig, wiestärkend, wie heilsam ist die Kraft dieser himmlischen Frucht!Dem Gerechten bringt sie Gnade, demSünder Verzeihung. Ihr Gerechten der Erde!könnet ihr noch länger zögern, zu Maria hinzueilen, um vonder Frucht ihres Leibes zu genießen? Ihr Sünder in diesemThränenthale! könnet ihr noch länger die Frucht verschmä-hen, die eure wunden Seelen heilt, eure Schmerzen hebt, eureGewissensbisse stillt, eure Seelenruhe wieder gibt, eure Ge-nesung befördert, und euch Stärkung gewährt zur Rückkehr

in's Vaterhaus?!" — O wer sollte diesen tröstlichen Zurufdes heiligen Bernhard nicht mit Freuden vernehmen!

Fr. Wozu soll uns dieses ermuntern?

Antw. Dazu, daß wir Alle, wir mögen Ge-rechte oder Sünder sein, uns in der Stunde derGefahr und der Versuchung zu Maria flüchten, unterihrem mütterlichen Schutzmantel, wie unter einem schat-tigen Baume, Schirm und Hilfe suchen und uns sät-tigen an der gebenedeiten Frucht ihres Leibes.

Belehrung. Maria selbst ladet uns Alle ein, daßwir zu ihr unsere Zuflucht nehmen und uns an ihrer Fruchterquicken sollen, indem sie uns mit dem weisen Sir ach(24, 26.) zuruft: „Kommet Alle zu mir, die ihr meinbegehret, und sättigt euch an der gebenedeiten Frucht meinesgesegneten Leibes!" Wer sollte dieser liebevollen Einladungnicht folgen? Fliehe zu Maria, meine Seele! in der Stundeder Gefahr und der Versuchung; Maria ist ja einmächtiger Baum, der seine Neste, wie St. Bona-Ventura sagt, weit und hoch ausbreitet, weit zu den Men-schen, weit zu den Engeln, ja sogar weit und hoch emporzu Gott, dem Allerhöchsten. Unter diesem Baume wirst duSchutz und Hilfe finden. Und Jesus ist die Fruchtdieses Baumes; durch sie wirst du erquickt und ge-stärkt in der Hitze des Kampfes, auf daß du den Sieg er-ringest und die Krone des Lebens^ Gar viele Heilige habenes schon erfahren, wie vortheilhaft es sei, Jesum und Mariavoll kindlichen Vertrauens mit den Worten der heiligen Elisa-beth zu preisen und zu ehren: „Gebenedeit ist dieFrucht deines Leibes, Jesus." Zur Ermunter-ung und Erbauung will ich dir, mein christlicher Leser! nurein Beispiel erzählen.

Beispiel und Anwendung. Der heilige Thomasvon Kempen erzählt von sich selbst, daß er einmal, nach-dem er sowohl seine geistlichen als leiblichen Hebungen vol-lendet hatte, sich zur Ruhe begab. Kaum hatte er aber ein-geschlafen , so bemächtigten sich seiner die furchtbarsten undabscheulichsten Bilder, die ihm endlich so zusetzten, daß er dar-über erwachte. Allein auch im wachenden Zustande verlorsich die gewaltige Versuchung nicht; der böse Feind vielmehrsuchte alle Kräfte aufzubieten, um den treuen Diener Gottes indie Falle zu bringen. Da konnte sich Thomas nicht mehranders helfen; er nahm, wie sonst gewöhnlich bei allen Ver-suchungen, seine Zuflucht zur seligsten Jungfrau, und hoban, sie mit dem englischen Gruße zu verehren. Er betetevoll Sammlung des Geistes: „Gegrüßt feist du, Ma-ria!" — Allein die Versuchung verlor sich nicht; sie schienvielmehr zuzunehmen, sobald er den Mund zum Gebete ge-öffnet hatte. Thomas läßt sich indessen nicht irre machen;