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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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285
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Am Feierabende des 2. Mai.

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Antw. Dadurch, daß auch sie stets mit dem Herrnwar, d. h. in Tugend und Heiligkeit vor Gott demHerrn wandelte.

Belehrung. Maria hat sich nie durch die Sünde vonGott getrennt; vielmehr hat sich Niemand tiefer in Gottversenkt, Niemand enger an ihn angeschlossen, als Maria.Der Herr war mit Maria und Maria mit dem Herrn, undin dieser seligen Vereinigung nur war es möglich, daß siezu einem so hohen Grade von Heiligkeit und Vollkommenheitund dadurch zur höchsten Würde einer Gottesmutter undHimmelskönigin gelangen konnte. Siehe! soviel^ vermag dieVereinigung einer Seele mit Gott, soviel die vollkommeneHingabe an den Ewigen und Unwandelbaren! Maria hates gefühlt und mit ihr alle Heiligen, wie süß es sei, mitGott vereint zu sein.

Beispiele und Anwendung. Wenn wir die Lebens-geschichte frommer und gottesfürchtiger Seelen durchlesen, sozeigt sich uns, welche namenlose Seligkeit dieselben in derinnigsten Vereinigung mit Gott gefunden haben. Gott be-sitzen war ihnen ein weit größerer Schatz, als alle Güterund Reichthümer der Erde. — Wenn sich der heil. Fran-ziskus von Assisi so ganz mit seinem Gott und Herrnvereiniget hatte, so fand er vor lauter himmlischer Wonnekeinen Ausdruck für jene Seligkeit, die er in seinem Herzensuhlte. Alles, was er Hervorbringen konnte, bestand in demeinzigen Ausrufe: „Mein Gott und mein Alles!"Hundertmal wohl wiederholte er diese Worte mit einer Glutheiliger Liebe und mit einem Ausdruck' von Freude, die ihnmehr als einen Engel, denn als einen Menschen erscheinenließ. — Der heilige Ordensstifter Ignatius konnte inWahrheit von sich sagen: „Ich bin mit Gott, und

Gott ist mit mir;" denn er lebte und schwebte nur inGott. Er hätte aber auch diese selige Verbindung um kei-nen Preis der Welt aufgegeben; er empfand es nur zu gut,was es heiße, Gott besitzen und mit Gott sein. Darum

rief er oft sich selbst und seinen Ordensgeistlichen zu: „Wennich Gold und Silber habe, was habe ich? und wie langewerde ich's besitzen? Wenn ich aber Gott besitze,wenn Gott mit mir ist, und ich mit ihm, was habe

ich da?" Und er antwortete sich selbst: „Rosen ohne

Dornen — Feuer ohne Rauch — einen Besitzohne Ende!" -— In gleichem Sinne spricht sich auch dergeistreiche Verfasser der Nachfolge Christi aus. „Ohne Je-sus sein," schreibt er, „ist qualvolle Hölle; bei Jesus sein,ist ein süßes Paradies. Ist Jesus bei dir, dann kann dirkein Feind schaden. Wer Jesum gefunden hat, der hat ei-nen großen Schatz gefunden, ja! ein Gut, höher als alleGüter. Wer Jesum verliert, der verliert zuviel und mehrals die ganze Welt. Wer ohne Jesus lebt, der ist derAermste bei allem Reichthume; wer aber mit ihm vereinigetist, der ist der Reichste bei aller Armuth." (2. Buch. 8. Cap.)— So überglücklich fühlten sich die Heiligen Gottes im Be-

sitze des Herrn! Um wieviel seliger mußte nun nicht Mariasein, da im vollkommensten Sinne des Wortes der Herr mitihr, und sie mit dem Herrn war! — Ach, und wir strebenso wenig nach dieser seligen Vereinigung mit Gott!! Zwargibt es Viele, die es gerne mit Gott halten möchten; alleinauf der andern Seite möchten sie es auch mit der Welt nichtverderben. Das ist ein Zwitlerding; und wehe Jenen, dieihr Herz so schonungslos theilen zwischen Gott und der Welt!Gott dem Herrn allein soll unser Herz angehören, und wirdürfen alsdann sicher hoffen, daß der Herr auch stets mituns sei, wie mit Maria.

Legende: Der heilige Athanasius, Bischof,(i 373.)

Vom heiligen Athanasius, dessen Fest heute inder Kirche gefeiert wird, kann man gleichfalls mit Rechtsagen, daß der Herr stets mit ihm war, weil er selbststets mit dem Herrn war, d. h. in Tugend und Heilig-keit vor Gott wandelte. Athanasius war zu Alex-andrien in Aegypten geboren, und im Christeuthume sehrsorgfältig erzogen. Er widmete sich frühe schon der Er-forschung der heiligen Schriften und der vollkommenenErkenntniß der Lehre des Heiles. Der Bischof Alexan-der schätzte ihn sehr hoch, und bat auf seinem Sterbe-bette seine Geistlichkeit und die Gemeinde, ihm keinenandern, als seinen geliebten Athanasius zum Nachfolgerzu wählen. Groß war der Segen, den Athanasius über-all, wo er hinkam, als Lehrer, als Tröster, als Frie-densstifter und als vollkommenes Muster der Gottselig-keit verbreitete; und nicht weniger groß die Hochschätzung,das Vertrauen und die Liebe, die er sich dadurch beiallen Rechtgläubigen erwarb. Dabei hatte er aber Vie-les zu leiden von den damaligen Feinden der Kirche, vonden Arianern, die es bei dem Kaiser Konstantin dahinbrachten, daß dieser ihn im Jahre 336 nach Trier ver-