284 Zweites Hauptstück. Von der innigen Vereinigung Gottes mit Maria und Mariens mit dem Herrn.
der betete, wurde mit einer Walkerkeule so heftig ge-schlagen, daß er todt zur Erde siel. Dieß geschah imJahre 62, im 96sten Jahre seines Alters.
Gebet. Maria, du Spenderin der Gnaden! zudir nehmen wir unsere Zuflucht und bitten dich, duwollest den Gerechten die Vermehrung der heiligmachen-den Gnade, uns armen Sündern aber die Wiedererlang-ung der verlornen Gnade erbitten bei Jesus Christus,deinem Sohne, der mit Gott dem Vater und dem hei-ligen Geiste lebt und regirt in alle Ewigkeit. Amen.
Hund ertzw einndzwanzigstes Lesestück.
Am Feierabende des 2. Mai.
„Der Herr ist mit Dir!"
Bon der innigen Vereinigung Gottes mit Maria nnd Mariensmit dem Herrn.
Fr. Was sagen die Worte: „Der Herr ist mitDir"?
Antw. Diese Worte sagen, daß Gott auf eine ganzausgezeichnete Weise mit der seligsten Jungfrau ist, weilsie die geliebteste Tochter des himmlischen Vaters, diewahrhafte Mutter des göttlichen Sohnes und die aller-reinste Braut des heiligen Geistes ist. (Sieh das obigeBild!)
Belehrung. Die Vereinigung Gottes mit Maria isteine dreifache: 1) durch die Fülle der Gnaden, 2) durch dieMenschwerdung des Sohnes Gottes, und 3) durch die himm-lische Herrlichkeit, wodurch sie jetzt mit Gott auf die voll-kommenste Weise vereinigt ist. Mit Recht konnte darum derErzengel Gabriel zu Maria sagen: „Der Herr ist mit Dir!"— Ja, der Herr, d. i. Gott, der Dreieinige, ist mit Ma-ria; denn sie ist die geliebteste Tochter des himmlischen Va-ters, die wahrhafte Mutter des göttlichen Sohnes und dieallerreinste Braut des heiligen Geistes. Johannes Car-thagena spricht sich hierüber also aus: „Der Herr ist mitDir,Maria; denn mit Dir ist die Allmacht desVaters,der Dich fruchtbar gemacht hat. Mit Dir ist die Weis-heit des Sohnes, der Dich bereitet hat, seine würdigeMutter zu werden. Mit Dir ist die Rciuigkeit des heiligenGeistes, der Dich bei der Empfängniß und Geburt als diereinste und unbefleckte Jungfrau erhalten hat. Mit Dir istder Vater, der Dich von Ewigkeit her zur Mutter des Le-bens erwählet hat. Mit Dir ist der Sohn, der neun Mo-nate lang in Deinem jungfräulichen Leibe wohnen wollte.
Mit Dir ist der heilige Geist, der Dich mit allen himm-lischen Gnaden erfüllen und solche durch Dich der ganzenWelt mittheilen wollte."
Beispiele und Anwendung. Durch die ganze Le-bensgeschichte der seligsten Jungfrau finden wir es bestätigt,daß der Herr mit ihr war; sie trug ihn ja in ihremLeibe und in ihrem Geiste; bei allen wichtigen Geheimnissender Erlösung finden wir Jesum bei Maria. „Der Herrist mit dir, o Jungfrau!" ruft ein frommer Lehrer derKirche aus, „da ihn die Hirten aufsuchen, und die Magieranbeten; denn sie fanden das Kind mit Maria, sei-ner Mutter. Der Herr ist mit dir, da du nachAegypten entfliehest, und dort verweilest. Der Herr istmit dir, da du ihn im Tempel aufopferst, und Simon undAnna ihn anbetcn. Der Herr ist mit dir, da du ihnals zwölfjährigen Knaben in den Tempel hinaufführst, und,obschon du ihn verloren hattest, ihn doch selbst hier in dei-nem Herzen trugst. Der Herr ist mit dir, da er daserste Wunder wirkt, und das Wasser in Wein verwandelt,da er die Ehe heiliget zum Zeichen, daß alle Eheleute Jesumund Mariam zur Hochzeit laden und sich ihren Segen erbittensollen. Der Herr ist endlich mit dir, da er gekreu-zigt wird, da er stirbt und wieder aufersteht, wobei er dirsagen konnte: „Ich bin auferstanden und bin nun bei dirund will nun bei dir bleiben, auf ewig vereint durch dieGlorie des Himmels!" — So war also der Herr stets mitMaria; wer konnte da wider sie sein? Nichts vermochtengegen sie die Angriffe der Welt, des Fleisches und des bö-sen Feindes.
Fr. Wodurch hat denn die seligste Jungfrau Mariadiese so große Gnade verdient, daß der Herr stets mitihr war?