Am Feierabende
Legende: Der heilige Petrus, Märtyrer.
Geboren zu Ve-rona i. I. 1205,gab dieser Heiligeschon in seiner zar-testen Jugend daslauteste Zeugnißfür seinen heiligenGlauben. Kaum20 Jahre alt, trater in den Predi-gerorden, in denOrden des heiligenDominikus, undführte durch seineReden viele Ir-rende ans den rech-ten Weg zurück.Bosheit und Ver-leumdung suchteseine Sittenrein-heit zu verdunkeln;aber gar bald wur-de seiue Unschuldanerkannt, und nunverdoppelte derHei-lige seinen Eifer u.predigte mit Machtund Unerschrockenheit gegen die Jrrlehrer, von denener endlich ermordet wurde i. I. 1252. Sterbend be-tete er noch das apostolische Glaubensbekenntnis; undgab seinen Geist auf, um hinüberznwallen in jenes ewigeLeben, welches er so oft im letzten Artikel des aposto-lischen Glaubensbekenntnisses bekannt hatte.
Gebet. Heilige Jungfrau und GnadenmutterMaria! wir rufen deinen heiligen und mächtigen Na-men an und bitten dich um deine mütterliche Fürsprachebei Jesus, deinem Sohne, damit anch wir unfern hei-ligen Glauben stets so frei und unerschrocken bekennen,wie St. Petrus von Verona, und für denselben Blutund Leben opfern mögen. Amen.
HuiidertuildMlizigstcs Lesestück.
Am Feierabende des 30. April.
„Du bist voll der Gnaden!"
Maria — ein Gefäß der Gnaden.
Fr. Warum nennen wir Maria „voll de rGnaden" ?
Antw. Weil Maria 1 ) ein Gefäß der Gna-den und 2 ) eine Spenderin der Gnaden ist.
des 30. April. 279
Fr. Inwiefern ist Maria ein Gefäß voll derGnaden?
Antw. Maria ist ein Gefäß voll der Gnaden:1) weil sie schon vor ihrer Geburt mit Gnaden erfülltwar, 2 ) weil sie an Gnaden stets zugeuommen, und3) weil sie den Urheber der Gnaden geboren hat.
Fr. Mit welchen Gnaden war Maria schon vorihrer Geburt erfüllt?
Antw. Sie ward unbefleckt, ohne Sündeempfangen; sie allein blieb unter allen Geschöpfender Erde vom Gifthauche der Erbsünde, sowie von je-der andern Sünde frei.
Belehrung. Schon im Augenblicke ihrer Empfängnis;erscheint uns Maria als die Gnadenvolle; denn vom er-sten Augenblicke ihrer Empfängnis; an ist sie die Lilie (siehdas nachfolgende Bild!) ohne Dornen gewesen, d. h. siewurde unbefleckt — ohne Sünde empfangen.(Siehe oben S. 76 — 77.) Daher sagt der selige Fran-ziskus Suarez: „Maria hat im ersten Augenblicke ihrerEmpfängniß mehr Vorzüge und Gnaden erhalten, als alleSeelen der Heiligen, ja sogar als alle Chöre der Engel, weilsie von Gott auch mehr geliebt wurde, als alle Heiligen undenglischen Geister." — Diese Lehre von der unbeflecktenEmpfängnißMariens ist begründet in der heiligen Schrift,in der Erblehre und im Glauben der heiligen katholischen Kirche.Oder hätte Diejenige, welche der Schlange (d. i. dem Teufel)den Kopf zertreten sollte, hätte Jene, die zu Gott sagen konnte:„Du bist mein Sohn!" auch nur einen Augenblick im Zustandeder Sünde, also in der Gewalt des bösen Feindes sich befin-den können? Ziemte es sich Wohl, sagen die heiligen Lehrer,daß Jene, die bestimmt war, der Welt Denjenigen zu geben,welcher durch seinen Tod das Reich der Sünde zerstören sollte,mit Sünden befleckt war? Unmöglich. — Maria ist alsoohne Sünde empfangen; dieß muß schon die gesundeVernunft anerkennen, und so ist wahr, was wir oben gesagthaben: Maria ist voll der Gnaden, weil sie schonvor ihrer Geburt mit Gnaden erfüllt war.
Beispiel und Anwendung. Als am 8 . Dezember1854 der Glaubenssatz von der unbefleckten Em-pfängniß Mariens feierlich ausgesprochen worden war,da erfreuten sich alle Herzen der frommen und wahren Ver-ehrer Mariens, und ein allgemeiner Jubel herrschte in derganzen katholischen Kirche. Jndeß fehlte es, wie dieses beidem Unglauben unserer Zeit nicht anders zu erwarten stand,auch nicht an Spöttern, die sich über diese so tröstliche Glau-benslehre, wie überhaupt über alles Religiöse und Göttlichelustig machten. Unter allen Frevlern (so wird in mehreren
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