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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
Entstehung
Seite
230
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Zweites Hauptstück.

Legende: Der heilige Abt Wilhelm, (f 1203.)

> Keinen Tag er-wachte der hl. AbtWilhelm, dessenName uns heute inder Legende begeg-net, ohne sogleichGott dem Herrnin einem andächti-gen Morgeng e-bete den Tributseines Dankes undseiner Liebe darzu-bringen. Ueber-haupt zeichnete sichdieser Heilige durcheine besondere Be-harrlichkeit im Ge-bete, sowie durchL>anstmuth, Be-scheidenheit u. durchLiebe zur Einsam-keit und Abtödtnng ans. Wilhelm wurde geboren zuParis im Jahre 1105 und erzogen in einem Kloster, inwelchem sein Bruder Hug o Abt war. Nach Vollendungseiner Studien nahm er das Snbdiakonat und wurdeKanoniker von St. Genovefa in Paris, dann Abt zuEschil in Dänemark. Daselbst lebte der Heilige in be-ständiger Hebung des Gebetes und der strengsten Abtödtnn-gen. Doch mußte er viel leiden von Seite einigerMächtigen, die ihn verfolgten, und es fehlte nicht anschweren innern Prüfungen; allein durch seine Geduldund Sanftmuth trug er immer den Sieg davon, bis end-lich Gott seine Verdienste in der Ewigkeit krönte i. I. 1203.

Gebet. Verleihe uns, o Gott! auf die Fürbittedeines heiligen Dieners Wilhelm, daß wir Dir nichtnur jeden Morgen, sondern auch alle Tage unsers Lebensweihen, so daß wir nur Dir leben und sterben, durchChristum unfern Herrn. Amen.

Siebenundneunzigstes Lesestück.

Am Feierabende des 7. April.

Das Tischgebet.

Fr. Warum sollen wir vor und nach dem Essen beten?

Antw. Weil Gott der Geber alles Guten ist, denwir um seine Gaben bitten, und dem wir für die erhal-tenen Wohlthaten danken müssen.

Belehrung. Jede gute Gabe kommt von Oben undbedarf des Segens Gottes; auch die Speisen, die wir genießen,

Das Tischgebet.

kommen von Gott, werden uns von Gott bescheert; darumist es auch höchst billig, daß wir ein Bitt- und Dankgebetvor und nach jeder Mahlzeit zu ihm emporsenden. Würdeman es nicht für eine Rohheit halten, wenn ein Fremder sichohne weiters an unfern Tisch setzen, und davon aufstehenwürde, ohne uns die gebührende Höflichkeit zu bezeigen? Schämedich also nicht, das zu thun, was dein Heiland selbst gethan,welcher, so oft er sich selbst oder Andere gespeist, jedesmalden Segen und Dank darüber gesprochen. An diese Pflichtdes Tischgebetes erinnert uns auch der heilige Paulus, indemer (1. Cor. 10.) schreibt:Ihr möget essen oder trinkenoder sonst Etwas thun, so thut Alles zur Ehre Gottes!"Fürwahr, wenn uns Gott den Tisch nicht deckt mit seinemSegen, so werden wir verhungern müssen; Ursache genug,warum wir zu ihm vor und nach dem Essen beten sollen.Wir sehen dieß aus nachfolgender Erzählung.

Beispiel und Anwendung Der 6. Juli 1846 warein Tag des Unglücks und Schreckens für einen weiten undgroßen Bezirk der oberen Pfalz. Abends gegen 6 Uhr er-hob sich ein furchtbar düsteres Gewölle am Himmel, unheil-schwanger und Verderben drohend den herrlichen und reichenFeldfrüchten, die besonders in diesem Jahre so üppig dastan-den und den reichlichsten Segen versprachen. Wirklich entludsich ein furchtbares Hagelwetter; alles Händeringen, allesKlagen und Weinen, alles Beten und Flehen half Nichts; in10 Minuten war aller reiche Segen, auf dessen Einbringungman schon täglich und stündlich gerechnet hatte, vernichtet.Es lebte auch in diesem Bezirke ein gottesfürchtiger Haus-vater, der viele Kinder hatte und unter ihnen auch zwei schonziemlich erwachsene Söhne, die ihm nicht gerne mehr gehor-chen wollten. Besonders suchten sie sich gewöhnlich vom Tisch-gebete wegzuschrauben; gerade da wurden es um sie äußerst not-wendig; sie hatten noch schnell im Stalle oder in der Werk-stätte oder sonst wo Etwas zu thun. Als aber an diesem Un-glückstage die brave Hausmutter das spärliche Abendessen auf-trug, da fand sich Alles fleißig zum Tischgebete ein; man sahnur trübe Mienen und nasse Augen. Der vernünftige Haus-vater benützte diese traurige Gelegenheit zu einer ernsten Lehreund sprach:Habet ihr's heute gesehen, wie nothwendig esist, daß wir Gott vor und nach dem Essen um seinen väter-lichen Segen bitten und ihm für das tägliche Brod danken?Ach! wenn Er seine Hand von uns abzieht, womit will icheuch nähren? Er muß den Tisch decken; Er muß uns dieSpeisen schenken; sonst sterben wir alle des Hungers. Mer-ket euch das, und so oft ihr künftighin eine Gabe Gottes,'und sei es auch nur ein Stücklein Brod, genießet, so erhebetzuvor dankbar euer Auge und Herz zum Himmel! Denn ichglaube sicherlich, daß uns der liebe Gott das heutige Unglücknur deßhalb zugeschickt hat, weil so viele Menschen die großenGaben und Wohlthaten des Himmels nicht mehr schätzen, undden Vater dort oben weder bitten, noch ihm danken; sie gehenzum Tische, wie das Schwein zum Troge." Gar sehrmerkten sich die Kinder diese nützliche Ermahnung des Vaters;