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Am Feierabende des 6. April.
wendet er alles Mögliche an, um uns von dieser heilsamenAndacht abzuziehen, oder doch wenigstens darin zu stören.Entweder hält er uns im Bette zurück, so lange bis uns keineZeit mehr zum Gebete übrig bleibt, oder er stellt uns schongleich beim Aufstehen die vielen nothwendigen und dringendenGeschäfte, die auf uns warten, vor Augen, damit wir sogleichan die Arbeit eilen und uns keine Zeit zum Morgengebetmehr nehmen. O! der böse Feind ist schlau; er will nichthaben, daß der Mensch den Tag gleich mit Gott anfange,weil er weiß, daß ihm dadurch sein Geschäft, Menschenseelenfür die Hölle zu gewinnen, um Vieles erschwert wird. Darumbietet er hier alle seine Kunstgriffe auf, und nicht selten ge-winnt er. O lasse dich nicht fangen durch seine Fallstricke!Wenn deine Arbeit noch so dringend ist, rede erst mit deinemGott! Je nothwendiger, je dringender sie ist, desto mehrbrauchst du ja Gottes Gnade und Segen dazu; und die etli-chen Augenblicke, welche du mit dem Morgengebete verlierest,werden für dich gewiß nicht verloren sein, sondern dir Segenund Nutzen bringen.
Beispiel und Anwendung. Der berühmte PredigerHun olt erzählt unS eine Geschichte, die es uns beweist, wiegeschäftig der böse Feind ist, um uns von unserer Morgen-andacht abwendig zu machen. — Ein frommer, ehrwürdigerMann aus der Reihe jener alten Einsiedler der Wüste, welchedes Morgens frühe gemeinschaftlich ihre Betstunde mit ein-ander hielten, darnach aber während des Tages sich mit Korb-flechten und dergleichen Arbeiten beschäftigten, sah einmal desNachts den bösen Feind in den Klosterzellen der Brüder her-umgehen und daselbst die Werkzeuge und Arbeitsvorräthe nachallen Richtungen hin zerstreuen. Da fragte der fromme Einsied-ler: „Was fängst du doch da an? Wozu soll dieser Kramund diese Unordnung dienen?" Und der böse Feind antwor-tete: „Ich bereite deinen Brüdern lauter Zerstreuung, damitsie, wenn sie aufstehen, durch das Ansehen und Bewunderndieser Werkzeuge rc. nachlässiger und langsamer werden zumGebete, und über den Geschäften, die ihnen schon sogleich beider vorhandenen Unordnung begegnen, auf ihre Morgenan-drcht ganz und gar vergessen." — Siehst du da, so machtes der böse Feind! Zwar erscheint er nicht immer so sichtbar,allein unsichtbarer Weise übt er stets einen besondern Einfluß.Laste dich darum nicht irre machen, mein Christ! und dichnie stören in deiner Morgenandacht.
Fr. Worin soll unser Morgengebet bestehen?
Antw. 1) In einem recht herzlickien Danke für denerquickenden Schlaf und für den nenerlebten Tag, 2) inguten Vorsätzen für den Tag, 3) in der Bitte um dendazu nöthigen Schutz und Beistand.
Belehrung und Beispiel. „Gleich beim Erwachenmuß man dem Schöpfer danken," sagt der heilige Hierony-
mus, und dieß ist das Erste, was wir bei unserm Morgen-gebete thun müssen, wir müssen Gott danken für den süssenSchlaf, den er uns gewährte. O der Schlaf ist wirklich eineGabe Gottes; wer desselben entbehren muß, fühlt dieß garwohl; daher haben wir alle Ursache, dem Herrn zu danken fürden Schlaf, der uns so sehr erquickte. Wir müssen aberauch danken für den neuerlebten Tag. Ach, während derNacht sind wohl viele Tausende gestorben; eS ist für sie jeneNacht angebrochen, wo Niemand mehr wirken kann; uns aberhat der Herr in seiner Barmherzigkeit eine neue Gnadenfristgeschenkt, er hat uns den neuen Tag erleben lassen; welchenDank sind wir ihm dafür schuldig! Mit diesem Dank mästenwir alsdann aber auch zugleich den ernstlichen Vorsatz ver-binden, die uns verliehene Gnadenfrist nur zur Ehre Gottesund zum Heile unserer Seele zu benützen; und da wir durchuns selbst Nichts vermögen, so müssen wir Gott um denhiezu nöthigen Schutz und Beistand bitten. Auf solche Weisebeteten am Morgen alle Heiligen, so betete insbesonders derheilige Ludwig von Granada. „Gott, mein Gott! zudir erwache ich am Morgen! (so lautet sein Gebet.) DasErwachen für dich sei der Anfang meines Denkens und meineerste Beschäftigung! Dazu drängt mich die heißeste Dankbar-keit, die ich dir schulde für so viele Wohlthaten. Du bistallein der Spender aller Güter; du bist das Meer allerVollkommenheiten, der Abgrund alles Herrlichen, der ewigeStrom der unbegränzten Barmherzigkeit und Liebe! Du bistder alleinige Gott, der Heiligste der Heiligen, der König derKönige! Du bist mein Vater, mein Erhalter, mein Heilig-macher! Du bist darum mein Alles in Allem, weil du meinGott bist! Was soll ich dir aber, mein Herr und Gott fürall diese Wohlthaten darbieten als Gegengabe? Ach, wenn ichallein alle Herzen der Menschen in mir besäße, um mit allendiesen Herzen zusammen dich zu lieben, es genügte nicht, umnur einen Theil der Huldigungen dir zu bezeugen, welche dirmit Recht gebühren. Und doch will ich dir mein ganzes Herzaufopfcrn, und will nach dem Maße meiner Kräfte dir lob-singen. Ich will heute und immerdar ganz dein sein; ichwill nicht mehr mich selbst suchen, sondern dich allein in Allemund durch Alles! Aber weil ich aus mir selbst ein dir sowohlgefälliges Werk nicht ausführen kann, so bitte ich dichum deine göttliche Gnade. Schaffe in mir ein neues Herz,das nur dich sucht und liebt; gib mir einen Willen, der Nichtssehnsüchtiger anstrebt, als die Haltung deiner Gebote! Gibmir einen Verstand, der Tag und Nacht sich nur mit dirbeschäftigt! Und so will ich im Guten verharren — bis zumeiner letzten Pilgerstunde hienieden. Amen."