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Zweites Hauptstück. Zeit des Gebetes«
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sonst Etwas thun, so thut Alles zur Ehre Gottes/' wennwir also so leben und arbeiten, wenn wir Alles für Gottthun, wie er Alles für uns gethan hat, so beten wir ohneUnterlaß. Und wie leicht können wir nicht all unserThun und Lasten Gott dem Herrn aufopfern? Ein frommerAufblick zum Himmel, ein kurzes Gebet: „Herr, dir zu lieb!"„Alles zu deiner größern Ehre!" rc. reicht hin, um unsmit Gott zu vereinigen und so all unsre Arbeit zu einembeständigen Gebete umzuschaffen. „ Der wahre Christ," sagtder heilige Clemens von Alexandrien, „betet stetsund immer, zwar nicht so, daß man es gewahr wird; aberer betet im Herzen, mitten im Verkehr mit andern Men-schen, auf seinem Spaziergange, bei der Arbeit und bei derRuhe. Mit unaussprechlichen Seufzern ruft er den Vateran, und der Vater ist ihm nahe, während er ihn anruft."
Fünsundnemizigstes Lesestück.
Am Feierabende des 5. April.
Zeit des Gebetes.
Fr. Wann sollen wir beten?
Antw. „Wir sollen allezeit beten und nicht Nach-lassen," sagt Christus (Lnk. 18, 1.), und der heiligePaulus setzt bei: „Betet ohue Unterlaß!"
Belehrung. Wir sollen also beten ohne Unterlaß;sowie Gott immerdar bei dem Menschen ist und ihm jedenAugenblick Gnade erweiset, so soll auch des Menschen Geistimmer bei seinem Gotte sein. Daher war auch das Lebenvieler Heiligen Gottes ein lauterer Wandel vor Gott, einbeständiges Gebet; sie erfüllten die Forderung des Herrn,daß wir allezeit beten und niemals Nachlassen sollen, wirklichim vollen Sinne des Wortes. Der heilige Abt Theodo-sius war ein so fleißiger und unabläßiger Beter, daß ersogar im Schlafe seine Lippen bewegte, als wenn er wirklichbetete, und er hörte auch in Wahrheit nicht eher zu betenauf, als bis er aufgehört hatte zu leben.
Fr. Ist cs denn möglich, daß wir bei unfern vielenGeschäften und Arbeiten ohne Unterlaß beten?
Antw. Ja, es ist möglich; wir dürfen nur öftersHerz und Gedanken zu Gott erheben und ihm alle Ar-beiten, Leiden und Freuden aufopfern.
Belehrung. Wenn wir all unser Thun und Lassenaus Liebe zu Gott verrichten, wenn wir all unsere Gedanken,Worte und Werke durch eine fromme Meinung dem Herrnweihen und ihm all unsere Leiden und Freuden aufopfern,mit Einem Worte, wenn wir der Ermahnung des Apostelsfolgen, der da sagt: „Ihr möget essen oder trinken oder
Beispiele und Anwendung. Wir wir ohne Un-terlaß beten können, zeigen uns die Heiligen Gottes inunzähligen Beispielen. Ohne Unterlaß betete die heilige Fa-milie, Joseph und Maria mit dem göttlichen Kinde; dennbei all ihrer Arbeit war ihr Herz und Sinn zu Gott empor-gerichtet. (Sieh das obige Bild!) Ohne Unterlaß beteteder heilige Ludovikus Bertrandus. Vier Stundenwaren täglich ausschließend dem Gebete bestimmt, zwei Vor-mittags und zwei Nachmittags. Während des Tages bedienteer sich einer Menge von Stoßgebetlein, in denen er sein Ge-müth zu Gott erhob; ja stets blieb sein Herz mit Gott ver-einigt, er mochte beten oder arbeiten, essen oder trinken, ruhenoder schlafen. — Ohne Unterlaß betete der heilige Bäl-den: er us, ein Schmied; denn zu jedem Hammerschlagepflegte er zu sagen: „Im Namen des Herrn!" — OhneUnterlaß betete der heilige Klimakus, ein Klosterkoch. Die-ser mußte alle Tage für 230 Personen, die Fremden nichtmitgerechnet, kochen. Weil man ihn aber stets munter dabeisah, so fragte ihn Einer, ob er nicht manchmal bei dem vie-len Kochen verdrießlich würde? Da antwortete er: „Keines-wegs! ich denke beständig: Ich koche Alles für Gott, indemuns Christus versichert: „Was ihr den Geringsten aus mei-nen Brüdern gethan habt, das habt ihr mir gethan." —Die heilige Magdalena von Pazzis, die Vorsteherin ineinem Nonnenkloster, fragte öfter des Tages ganz unerwartetihre Mitschwestern: „Warum nähest du? Warum strickest,warum kochest, warum spinnest, warum kehrest du? u. s. w."Und sie durften ihr, gemäß dem im Noviziate erhaltenen Un-terrichte, keine andere Antwort geben, als diese: „Gott zuLieb, Gott zu Ehren." — Das nun, mein Christ! heißt ohneUnterlaß beten. Ebcndieß kannst auch du, wenn du all deinThun und Lassen durch eine gute Meinung heiligest oder durchfromme Stoßgebetlein, die gleich einem abgeschoffcncn Pfeilein einem Augenblicke durch die Wolken dringen und dir bis-weilen mehr Verdienst schaffen, als viele andere Gebete.
Fr. Wann sollen wir noch besonders beten?
Antw. Wir sollen noch besonders beten: 1) vor