Druckschrift 
Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
Entstehung
Seite
225
Einzelbild herunterladen
 

225

Am Feierabende des 4. April.

loben, preisen und verherrlichen; mit dem weisen Sirach (51,30.)sollen wir ausrufen:Eine Lunge hat mir der Herr gege-ben; ich will ihn damit Preisen," und unser Mund soll über-gehen von den Gefühlen der Andacht, von welchen unser Herzvoll ist, d. h. wir sollen mit dem innerlichen Gebete oftauch das äußere oder mündliche Gebet verbinden; dichfordert von uns nicht nur schon die eigene Natur, sondernauch die Pflicht der Erbauung, indem wir unsere Nebcnmen-schen wie zu allem Guten, so auch zum Gebetseifer ermun-tern und darin bestärken sollen. Auch das mündliche Ge-bet ist daher überaus nützlich und heilsam; die heilige Schriftfordert uns vielfach hiezu auf. Und es gehört keine großeKunst dazu, diese Pflicht des mündlichen Gebetes mit Nutzenüben zu können; denn Gott der Herr sieht bei unscrm münd-lichen Gebete nicht auf die Worte, sondern nur auf die Ge-sinnung und auf die Einfalt des Herzens.

Beispiel und Anwendung. Die himmlische Einfaltbetet, und ihr Gebet lautet oft gar einfältig vor den Ohrender Welt, und es geht Mancher an ihr vorüber und möchtelächeln über sie; und doch schaut der Herr überaus liebreichauf sie herab, und die Engel haben ihre Freude an diesemeinfältigen Gebete. So war auch einmal ein guter Mann,und der sprach statt eines Gebetes das A B C., und nach-dem er die vierundzwanzig Buchstaben hergesagt hatte, fügteer zum Schlüße bei:Herr, mache du diese Buchstaben zuWorten, die Dir gefallen, und ich bitte Dich nur um das,was Dir wohlgefälliger, mir aber nützlicher ist. Was aberdas sei, weißt Du besser als ich." - Zn diesem Gebete lagdie tiefste Weisheit, und aus ihm athmete das größte Ver-trauen, die heiligste Liebe. Wenn du nicht weißt, meinChrist! wie du beten sollst, so mache es, wie dieser frommeMann, oder wenn du dir im Gebete gar nicht helfen kannst,wenn du keine Worte findest, um mit Gott zu reden, so be-nutze ein gutes Gebetbuch und lies in demselben mit Auf-merksamkeit und Andacht; dem Herrn wird alsdann deinmündliches Aebet gefallen, und Er wird dich erhören.

Legende: Der heilige Isidor, Erzbischof vonSevilla, (fl 636.)

Der heilige Erzbischof Isidor, dessen Andenkenheute in der Kirche gefeiert wird, brachte gar mancheStunde des Tages, ja sogar der Nacht in Betrach-tung und Gebet vor Gott zu. Dadurch machte eraber auch bei seinem anhaltenden Fleiße die bewun-derungswürdigsten Fortschritte in den Wissenschaften undin der Beredsamkeit. Er war zu Carthagena in Spa-nien von sehr ansehnlichen Eltern geboren und fand schonin seiner frühesten Jugend die größte Freude in der trau-lichen Unterredung mit Gott. Sein Bruder Leander,Erzbischof von Sevilla, führte ihn mit allem Eifer aufder betretenen Bahn der Tugend und Wissenschaft vor-wärts, und so kam es, daß er nach dem Tode desselben

Mchler, Hausbuch.

Vom Könige, von der Geistlichkeit und dem Volke widerseinen Willen zum Erzbischöfe erwählt wurde; denn erhatte bereits seinen apostolischen Eifer in Bekehrung vie-ler der damaligen Irrgläubigen bewiesen, wobei er sichfür seinen Heiland der Todesgefahr aussetzte. Er errich-tete, um die Kirche Gottes von Jrrlehrern und Sündernzu reinigen, Pflanzschulen der Gottseligkeit und Gelehr-samkeit für Geistliche. Zldephons, nachmaliger Bischofvon Toledo, und Branlius, Bischof zu Saragossa, zweider größten Lichter der damaligen Kirche, waren seineJünger. Neben seinen vielen Arbeiten zum Seelenheileder Seinigen schrieb er auch noch mehrere gelehrte undnützliche Schriften. Ganz besonders war er ein Vaterder Armen, gegen die er in seinen letzten Lebensjahrentäglich wohlthätiger wurde, so daß in den letzten sechs Mo-naten seines Lebens sein Haus ein Spital der Armen zusein schien. Am Ende seines Lebens ward er noch durcheine sehr schmerzliche Krankheit geprüft, die ihm abernoch gestattete, vier Tage vor seinem Ende, nachdem erseinen Schuldnern Alles geschenkt und sein weniges Geldan die Armen vertheilt hatte, sich in die Kirche führenzu lassen, wo er dem zahlreich znströmenden Volke nocheinige Ermahnungen gab. Nach dem Empfange der hei-ligen Wegzehrung begab er sich in seine Wohnung, woer nach drei Tagen selig im Herrn verschied, i. I. 636.

Gebet. Erfülle uns, o Gott! mit einem wahrenGebetseifer, auf daß wir, wie der heilige ErzbischofIsidor, in der frommen Unterredung mit dir, im münd-lichen und betrachtenden Gebete Trost und Freude findenmögen, bis wir einstimmen dürfen in die Chöre der seli-gen Geister. Durch Christum unfern Herrn. Amen.

29