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Am Feierabende des 4. April.
Legende: Der heilige Richard. Bischof.
(st 1253.)
Ganz anders be-tete der hl. BischofRichard, dessenFest heute began-gen wird; dieserverstand es, um dasRechte und aufdierechteWeisezu bitten: dahermachte er in derTugend und Wis-senschaft so außer-ordentliche Fort-schritte. Er warder Sohn sehr an-sehnlicher Elternund kam zur Weltim Schloße Wiche,vier Meilen vonWorchester in Eng-land. Von seinerKindheit an hatte er einen besonder» Hang zum Gebeteund zur Tugend. Er war ein Feind der Scherze undaller Vergnügungen, für die man in der Jugend so lei-denschaftlich eingenommen ist. Seine ganze Zeit war ver-theilt unter die Hebungen der Religion und die Erlern-ung der Wissenschaften, und sein Herz glühte von Liebezu Gott und den Nächsten. Alsbald zog ihn der heiligeEdmund, Erzbischof von Canterburh, in seine Diözese,machte ihn zum Kanzler und übertrug ihm die wichtig-sten Geschäfte seines Erzbisthums. Stets war der hei-lige Richard ein treuer Freund und Begleiter seinesErzbischofs; er ging mit ihm selbst in die Verbannung nachFrankreich, wo er sich znm Priester weihen ließ. Nachseiner Rückkehr in die Heimat wurde er abermals Kanz-ler des Erzbischofs von Canterburh und bald darnachBischof von Chichester. Aller übrigen Sorgen entledigt,widmete er nun seine ganze Aufmerksamkeit der ihm an-vertrautcn Heerde; er besuchte die Kranken, begrub dieTodten, suchte die Armen auf und linderte ihr Elend.Er predigte oft und gerne und zwar mit einer solchenSalbung und Rührung, daß man daraus schließen muß,er habe den Geist des Gebetes in hohem Grade besessen.Wegen dieser seiner ausgezeichneten Rednergabe wurdeer beauftragt, Kreuzpredigten wider die Sarazenen zuhalten; allein ein Fieber befiel ihn, während er ans sei-ner Sendung begriffen war. Nun bereitete er sich mitallem Eifer auf sein nahes Ende vor und starb im Kranken-hospital zu Dover am 3. April 1253. Papst UrbanIV.setzte ihn unter die Zahl der Heiligen.
Gebet. Herr, himmlischer Vater! laß uns dieGnade zu Theil werden, daß wir stets nur auf die rechteWeise und um das Rechte zu dir beten, wie der heilige
Bischof Richard, damit wir so Alles das erlangen, wasuns zum ewigen Heile dient, durch Christum unfernHerrn. Amen.
Vierundneunzigstes Lesestück.
Am Feierabende des 4. April.
Mündliches und innerliches Gebet oder Betrachtung.
Fr. Auf wie vielfache Weise kann man beten?
Antw. Auf zweifache Weise: entweder bloß inner-lich, oder auch zugleich ä nß erlich; das erstere nennt manauch betrachtendes, das letztere mündliches Gebet.
Fr. Wann betet man bloß innerlich?
Antw. Wenn Verstand, Herz und Wille sich infrommen Gedanken und Gefühlen allein mit Gott be-schäftigen, ohne dieselben mit vernehmbaren Worten ans-zudrücken.
Belehrung und Beispiele. Mit Recht heißt dasGebet eine Erhebung des Herzens zu Gott; dennwir können beten, ohne daß sich unser Mund auch nur be-wegt, wenn nur das Herz spricht. So betete einst Anna,die Mutter Samuels, in ihrem Anliegen zum Herrn. „Sieredete," heißt es, „ in ihrem Herzen; nur ihre Lippen bewegtensich, ihre Stimme aber ward gar nicht gehört." — AuchDavid ließ öfter bloß „sein Herz" mit Gott sprechen; ebensoMoses und viele andere fromme Seelen. So könnten undsollten wir gleichfalls beten lernen. Wir beten innerlich,wenn wir uns Gottes, seiner Vollkommenheiten oder Wohl-thaten erinnern, und unser Herz dabei in Ehrfurcht und dank-barer Liebe bewegt fühlen; wenn wir beim Genüße einerGotteSgabc, eines unschuldigen Vergnügens an den Geberdenken, oder bei den täglichen Arbeiten und Beschwerden dieMeinung und den Wunsch im Herzen erwecken und hegen,daß Alles zur Ehre Gottes und zu unserm ewigen Heile ge-reichen möge. Diese Gebetsweise kann man jeder Zeit undüberall, mitten unter der Arbeit, wie in ruhigen Augenblicken,in der lebhaftesten Gesellschaft, wie in der Einsamkeit anwen-den, ohne das geringste Aufsehen zu machen oder den Spottgebetscheuer Weltmcnschen auf sich zu ziehen. Dieses inner-liche Gebet, diese frommen Regungen, Wünsche, Seufzer derSeele nimmt der Allgegenwärtige und Allwissende ebenso deut-lich wahr, wie die lautesten Worte und lebhaftesten Geberden;sie gefallen ihm überaus wohl und bleiben gewiß nicht ohneErfolg — so wenig als das Flehen der guten Anna undund des gottlübenden David.