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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
Entstehung
Seite
220
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Zweites Hauptstück. Eigenschaften des Gebetes, und zwar die letzten drei.

vom Kreuz Abt im Kloster zu Barza war, wo er wegender großen Armuth dieses Klosters sich allein auf die gött-liche Fürsorge verlassen mußte, stellte ihm einst der Kloster-aufseher vor, daß, weil an der damals herrschenden Pest achtzehnPersonen im Kloster erkrankt waren, nothwendig Betten er-bettelt werden müßten. Johannes antwortete:Von Her-zen wünsche ich, daß den Kranken gedienet werde; aber auch,daß wir den Weltlichen nicht überlästig werden. Wir habenja den Herrn im Hause, der uns helfen muß, und die Zeit,die wir zum Betteln verbrauchen, wollen wir mit Beten zu-bringen." Somit begab er sich zum Gebete und trug demHerrn mit solchem Vertrauen die Noch der Seinigenvor, daß theils in derselben Nacht, theils am andern Mor-gen zwanzig Polster nebst nochwendigen Effekten geschickt wur-den. Soviel vermag ein vertrauensvolles Gebet.Verlieretalso euer Vertrauen nicht!" sagt der Apostel;denn es wirdgroß belohnt." (Hebr. 10, 35.)

Fr. Wir sollen ferner beten mit Ergebung inGottes heiligen Willen; was heißt das?

Antw. Das heißt, wir sollen es Gott überlassen,wann und wie er uns erhören will.

Belehrung. »Wir dürfen von Gott nicht verlangen,"sagt der heilige Franz von Sales,an diesem oder jenemOrte, auf diese oder jene Weise, zu dieser oder jener Zeit,diese oder jene Gabe zu empfangen. Unser Bitten und Ver-langen muß allgemein sein. Wir dürfen Gott Nichts vor-schreiben; sowie es einem unwissenden und betäubten Kran-ken nicht zusteht, dem weisen Arzte vorzuschreiben, welcheArznei ihm derselbe reichen soll. Wir sollen also nur umDinge beten, die dem Willen Gottes entsprechen und unsznm Seelenheile nützlich sind." So betete jener Aussätzigebei Lukas. (5,12.) Er rief nicht:Herr! mache mich ge-sund!" sondern:Herr! wenn du willst, so kannst du michgesund machen." So betete auch Christus selbst am Oelberge:

Vater! nimm diesen Kelch von mir; doch nicht, wie ichwill, sondern wie du willst!"

Beispiel und Anwendung. Wilhelm von Lyonerzählt, daß einst ein Einsiedler, da er in seinem Gärt-chen Gemüs angepflanzt hatte, inständig um Regen betete,weil er diesen für seine junge Saat für nothwendig hielt.Bald darauf flehte er um heiteres Wetter, und es geschahnach seinem Wunsche. So hatte er längere Zeit für seinGärtchen immer jenes Wetter erlangt, um das er gebetethatte; aber zu seiner Ueberraschung ging von seiner Aus-saat Nichts auf. Anfangs meinte er, es wäre Heuer über-haupt ein Mißjahr; als er aber später einen andern Ein-siedler besuchte und in dessen Garten Alles vortrefflich ge-deihen sah, so klagte er diesem seine Noth und setzte bei:Ich hatte doch immer gerade jenes Wetter, um das ichgebetet." Der andere Einsiedler erwiderte ihm:Freund!ich glaube, Gott strafte dich, weil du ihm gleichsam vorschriebst,was für ein Wetter er dir schicken sollte, und weil du ansdie Ergebung in seinen heiligen Willen vergessenhast." Sei also vorsichtig, mein Christ! bei deinem Ge-bete; schreib' dem Herrn Nichts vor, sondern bete voll Er-gebung in Gottes heiligen Willen! Höre, was der heiligeAmbrosius sagt:Wie der Kranke ganz dem Arzte seinvolles Zutrauen schenkt, ihm die Wahl der Medicinen und dieArt der Heilung überläßt, so sollen auch wir es der Weis-heit und Güte Gottes überlassen, wie er uns helfen will."

Fr. Was heißt das: Wir sollen mit Beharr-lichkeit beten?

Antw. Es heißt, wir sollen im Gebetseifer nichtermüden, wenn uns Gott nicht sogleich erhört, sondernnur um so eifriger zu beten fortfahren.

Belehrung.Gott will gebeten, gezwungen, ja gleich-sam auf eine ungestüme Weise genöthigt sein," sagt der heil.Gregor; daher läßt er uns oft lange warten. Allein die-ser Aufschub ist keineswegs eine Verweigerung, sondern viel-mehr eine recht heilsame Prüfung. Er will dadurch in unS denEifer unsers Verlangens vermehren, unsere Treue erproben,uns den Werth seiner Gaben schätzen lehren. Darum ermüdenicht in deinem Gebete!

Beispiele und Anwendung. Die heilige Monika,Mutter des heiligen Augustinus, betete viel und lang,Tag und Nacht um die Bekehrung dieses ihres Sohnes. Ostfing sie an muthlos und zaghaft zu werden und zu zweifeln,ob denn Gott ihr Gebet erhören werde; und dennoch hörtesie nicht auf zu beten. Da ward sie endlich erhört; ihrSohn bekehrte sich und ward späterhin eines der größten Lich-ter der heiligen katholischen Kirche und ein Heiliger des Him-mels. So belohnt Gott die Beharrlichkeit im Gebete. Wirsehen dieß auch aus gar vielen Beispielen in der heiligenSchrift. Jener Blinde am Wege hörte nicht auf zurufen:Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!"obschon ihm befohlen wurde, zu schweigen; er fing immer