Am Feierabende des 31. März.
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Gebetes erfahren, und gib, daß wir so eifrig beten, sofromm leben und so glückselig sterben mögen, wie derheilige Johannes Climakus. Um dieses bitten wirdich durch Christum nnsern Herrn. Amen.
Neunzigstes Lesestück.
Am Feierabende des 31. März.
Nothwendigkeit des Gebetes.
Fr. Ist es nothwendig, daß wir im Gebete oft znGott reden?
l AntW. Ja; denn das Gebet ist Allen, die den hin-länglichen Gebrauch ihrer Vernunft haben, zur Seligkeitnothwendig.
Fr. Warum ist das Gebet Allen zur Seligkeit sonothwendig?
AntW. 1) Weil Christus selbst durch sein Wortnns zn beten befohlen und durch sein Beispiel zn be-ten gelehrt hat, und 2) weil er vom Gebete gar vieleGnaden abhängig gemacht hat.
Belehrung. „Gleichwie unfruchtbare Gegenden keinanderes Mittel haben," sagt Segneri, „um ihren Bedarfzu decken, als einen anhaltenden Verkehr mit reicheren Län-dern, ebenso hat auch unsere Erde kein anderes Mittel, ausihrer Dürftigkeit herauszukommen, als den ununterbrochenenVerkehr mit dem Himmel, der durch das fortwährende Gebetunterhalten wird." Ja, das Gebet ist uns zum geistigenLeben so nothwendig, wie die Speise und das Athemholenzum natürlichen Leben. Daher hat uns auch der göttlicheHeiland das Gebet so nachdrücklich befohlen thcils durchsein Wort, indem er sagt: „Man muß immer beten undnicht aufhörcn;" (Luk. 18, 1.) „Bittet, so wird euch gege-ben!" (Matth. 7, 7.), theils durch sein Beispiel, indemer selbst oft ganze Nächte im Gebete verharrte. (Luk. 6,12.)(Sieh das obige Bild!) Ueberdieß hat er vom Gebete garviele Guaden abhängig gemacht; denn ohne Gebet erlangenwir die nothwendigcn Gnaden nicht, um im Guten bis zumEnde zu verharren. „Gott wird seinen guten Geist Denengeben, die ihn darum bitten." (Luk. 11, 13.) Mit Rechtnennen daher die heiligen Väter das Gebet einen Kanal,durch welchen alle Gaben vom Himmel herab der menschlichenSeele zustießen; eine Kette, woran wir uns zu Gott empor-schwingcn und dessen Gnade zu uns herabziehen; einen Schlüs-sel, womit wir das Himmelreich aufschließen und den Zutritt
in dasselbe eröffnen; eine Vormauer, hinter welcher wiralle Anfälle unserer Feinde abwehren müssen. Nicht beten,und doch von der Sünde frei bleiben, nicht beten, und dochim Guten verharren, nicht beten, und doch ewig selig werdenwollen, ist ebenso viel, als Gott versuchen und ein Wundervon ihm begehren; ist ebenso viel als ohne Augen sehen, ohneZunge reden, ohne Ohren hören, ohne Füße gehen wollen.Siehe, so nothwendig ist uns also das Gebet.
Beispiel und Anwendung. Gott könnte uns zwarohne Gebet alles Gute geben; doch er will nicht. Er istunser Herr und Gott; darum will er gebeten sein, damit wirunsere Abhängigkeit von ihm desto mehr erkennen. Er istunser Vater, und verlangt daher von uns, seinen Kindern,wie alle weisen Eltern thun, daß wir Alles von ihm erbitten,damit wir auf selche Weise zugleich Ansehen, daß er alleinder Ausspcnder aller Gnaden ist, die sowohl zu unserm zeit-lichen, als ewigen Wehle nothwendig und ersprießlich sind. Ermacht es hierin gleichsam wie vor Zeiten die Lacedämoniermit ihren Kindern, welche denselben, damit sie in der Kunstzu schießen immer geschickter würden, niemals ein Stück Brodin die Hände gaben, sondern das Brod auf einen hohen Bal-ken legten, wornach alsdann die Kinder, wenn sie Hunger hatten,mit ihren Bogen so lange zielen und schießen mußten, bis sieselbes getroffen und hcrabgeworfen hatten. „Sieh', meinSohn!" sagten sie, „das ist das Brod! Willst du es habenund essen, gut! so ziele nur darnach und mache, daß es