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Erstes Hauptstück. Mittel, der Hölle zu entgehen.
Antw. Es besteht darin, daß wir recht oft die Hölleuuv ihre Qualen betrachten.
Belehrung. O das ist ein vortreffliches Mittel! Wennwir schon im Leben recht oft gleichsam in die Hölle hinab-steigen und ihre schrecklichen Qualen betrachten, so werdenwir sicherlich so leben, daß wir einst nicht in die Hölle kom-me». Daher ruft uns der heilige Bernhard so nachdrück-lich zu: „Steige in deinem Leben oft in die Hölle hinab, aufdaß du nicht nach deinem Tode hinabsteigen mußt!" Und derheilige Chrhsostomus fügt bei: „Keiner von jenen Men-schen, welche die Hölle vor Augen haben, wird in die Höllekommen, und Keiner wird der Hölle entgehen, der sie im Lebenverachtet und in den Wind schlägt." Daher stiegen selbst dieHeiligen Gottes in ihren frommen Betrachtungen gar oft indie Hölle hinab, um durch den Gedanken an die Qualen derHölle heilsam erschüttert zu werden; denn sie wußten es nurzu gut, daß der Gedanke an die Hölle uns vom Bösen ab-schreckt und zum Guten ermuntert.
Beispiele und Anwendung. In der Lebensgeschichtedes heiligen Kirchenlehrers Chrhsostomus wird erzählt,daß er in seinem Wohn- und Schlafzimmer das Feuer unddie Qualen der Hölle in einem Bilde dargestellt hatte. Sooft er nun von Versuchungen geplagt wurde, so oft er zuBette ging und vom Bette wieder aufstand, richtete er seinenBlick auf dieses furchtbare Gemälde. Er stieg gar oft imLebe» zur Hölle hinab, um ihr nach dem Tode zu entgehen. —Der heilige Augustin stellte sich das Brennen und Heulenim Orte der ewigen Pein so lebhaft vor, daß er den ganzenTag in der Furcht des Herrn wandelte und auch Andere indieser Furcht zu wandeln ermahnte. Niemanden hielt er fürsicher, weil er sich selbst nicht für sicher halten konnte. „Ichfürchte die Hölle," hieß eS bei ihm. — Wenn es selbstdie Heiligen Gottes für so nothwendig und nützlich hielten,recht oft die Hölle und ihre Qualen zu betrachten; wird esalsdann nicht noch um so uothwendiger und nützlicher für dichund für uns Alle sein, mein Christ!?
Legende: Der heilige R u p ert, Bischof vonWorms und später von Salzburg, (f 718.)
Durch fleißige Benützung der hier angegebenen Mit-tel entging auch der heilige Rupert, dessen Fest auf denheutigen Tag fällt, dem Abgrund der Hölle und gelangteebendadurch zur Gesellschaft aller Heiligen und Auser-wählten im Himmel. Er wurde um die Mitte des sieben-ten Jahrhunderts in Frankreich geboren und frühe schonznm Bischof von Worms geweiht. Sein frommes, hei-liges Leben wirkte besonders auch auf die Treue undGlanbensfestigkeit der Könige der Franken. Was er mitdem Worte lehrte, predigte er auch im Leben und durchdie That; und er nannte nur das sein Eigenthum, was erunter die Armen und Dürftigen ausgetheilt hatte. SeineWirksamkeit erstreckte sich nicht blos auf seine Untergebenen,
sondern das Licht des Glaubens trug er bis in die ent-ferntesten Gegenden. So folgte er im Jahre 697 der Ein-ladung des damaligen Herzogs von Bayern, Theodo II.und verbreitete in Regensbnrg, der damaligen Haupt-stadt, durch die Verkündung der Lehre Jesu solchen Segen,daß der Herzog, seine Kinder, das Hofgesinde und eingroßer Theil des Volkes die heilige Taufe empfing. BonRegensbnrg ans ging Rupertns in die Gegend des heu-tigen Salzburg, wo er am Wallersee ein Bethaus zurEhre des heiligen Apostels Petrus erbaute und dann denHerzog Theodo bat, ihm die Gegend, wo die ehemaligeRömerstadt Jnvavinm gestanden, zu schenken. Der Her-zog gewährte seine Bitte, und von zwölf Geistlichen un-terstützt, bekehrte er die ganze Gegend zum katholischenGlauben. Mit Recht wird er deßhalb der Apostel Bay-erns genannt. Unter den verschiedenen Gotteshäusern,die der Heilige erbaute, ist allbekannt jenes zu Altötting,wo er nämlich einen heidnischen Tempel in die jetzigeheilige Kapelle nmwandelte. Er beschloß sein der EhreGottes und der geistigen und leiblichen Wohlfahrt derMenschen geweihtes Leben den 27. März 718.
Gebet. Herr, himmlischer Vater! stärke uns, wirbitten dich demüthig, mit deiner göttlichen Gnade, damitwir ein frommes und bußfertiges Leben führen und imLeben oft mit unfern Gedanken in die Hölle hinabsteigen,ans daß wir einst nach dem Tode nicht in dieselbe hinab-steigen müssen. Erbarme dich unser, o Gott! ans dieFürbitte des heiligen Bischofes Rupert, durch deineneingebornen Sohn, Jesnm Christum. Amen.