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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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205
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Am Feierabende

falsch und sündhaft ist daher der Ausspruch:Wenn michGott selig machen will, dann mag von meiner Seite wasimmer geschehen, so werde ich selig; will mich aber Gott ver-dammen, so werden auch meine guten Werke mir Nichtsnützen." Wir werden dieß aus nachfolgendem Beispiele deut-lich ersehen.

Beispiel und Anwendung. Dem gelehrten Franzis-kaner Duns Scotus begegnete einst auf dem Wege einBauer, welcher gräuliche Fluch- und Lästerworte ausstieß,und zwar deßhalb, weil ihm seine Ochsen nicht recht fortge-hen wollten. Der geistreiche Pater ermahnte den Bauernmit wenigen Worten über seine Höllensprache, die er führte;er stellte ihm die Gefahr der ewigen Verdammniß vor, wenner hartnäckig bei diesem sündhaften Gebrauche verbleiben würde.Der Bauer wurde hierüber noch zorniger.Was," spracher mit trotzendem Unwillen,was habt Ihr mir da vorzu-predigen von der ewigen Verdammniß? Wenn Gott beschlossenhat, mich selig zu machen, wie er es ohnehin jetzt schon wissenmuß, weil er allwissend ist, so werde ich ohnedem unfehlbarselig; hat er aber beschlossen, mich zu verdammen, so hilftmir all mein Thun und Lassen Nichts, so werde ich doch un-ehlbar verdammt. Es liegt also wenig daran, ob ich fluche,oder ob ich nicht fluche." Der Mann Gottes hörte ihngeduldig an und gab ihm zur Antwort:Mein Bruder!wenn dem also ist, wie du sagst, ei, warum fährst du dannauf den Acker, um dein Feld anzubauen? warum streuest dudort den Samen aus, ja, warum wirst du so zornig überdeine Ochsen? Wenn Gott beschlossen hat, daß du viele Früchteeinärnten sollst, wie er denn Alles vorher weiß, was geschieht,so wird es auch geschehen, du magst nun säen, du magstnun ackern oder nicht ackern, du magst mit deinen Ochsenausfahren oder daheimbleiben. Hat er aber beschlossen, daßdu Nichts ärnten sollst, so wirst du Nichts bekommen, dumagst schwitzen und arbeiten, soviel du willst. Probier esnun einmal, fahre wieder nach Haus, lasse dein Feld unbe-baut liegen, und obschon ich nicht weiß, was Gott beschlossenhat, so versichere ich dich doch, daß du keinen einzigen HalmGetreide einärnten wirst. Du sollst also wissen: Gott hatnur dann beschlossen, dir Früchte zu geben, wenn du die ge-hörige Arbeit wirst angewendet haben. Ebenso hat nun auchGott beschlossen, dich selig zu machen, wenn du sein Gesetzhältst, und dich zu verdammen, wenn du ein gottloses Lebenführst." Diesen einleuchtenden Beweis hatte nun der Baueraufgefaßt. Ja, so ist es, mein Christ! Wer also ver-dammt wird, wird nur durch seine eigene Schuld ver-dammt, weil er es versäumt hat, Hand an's Werk zu legenund treulich mit den reichlichen Gnaden, die ihm Gott ange-boten hat, mitzuwirken. Säume also nicht, mein christlicherLeser! rechtzeitig jene Mittel zu gebrauchen, durch welche duder Hölle entgehen kannst.

Fr. Was sind das für Mittel, durch welche wir derHölle entgehen können?

Antw. Besonders folgende drei: 1) ein frommes,

des 27. März. 205

2) ein bußfertiges Leben und 3) die öftere Betrachtungder Hölle und ihrer Qualen.

Fr. Welches ist sonach das erste Mittel, der Höllezu entgehen?

Antw. Ein frommes Leben.

Belehrung und Beispiel. Wenn wir der Hölleentgehen wollen, so müssen wir vor Allem, wie schon gesagtwurde, mit der göttlichen Gnade eifrig Mitwirken, und dievon Gott angebotenen Gnaden treulich benützen, d. h. wirmüssen ein frommes Leben führen. Dadurch sinddie Heiligen Gottes den Strafen der Hölle entgangen, da-durch sind sie zur himmlischen Glorie gelangt. Betrachtenwir z. B. den heiligen Franziskus Borgias. Wie eifrigwirkte er nicht mit der göttlichen Gnade? Dieser Heiligebrachte seine Taufunschuld unversehrt in den Ehestand, vomEhestande in den geistlichen Stand und vom geistlichen Standein sein Grab. Wer so lebt, mein Christ! der darf die Höllenicht fürchten. Wenn wir aber gesündigt haben, gibt esdann für uns kein Mittel mehr, der Hölle zu entgehen? Oja, dem Herrn sei Dank, es gibt auch da noch ein Mittel.

Fr. Wie heißt nun dieses zweite Mittel, durch wel-ches wir den Strafen der Hölle entgehen können?

Antw. Es heißt Buße.

Belehrung und Beispiel. Ja, ein bußfertigesLeben ist das einzige Mittel, der Hölle zu entgehen, wennwir gesündigt, wenn wir den Weg der Unschuld verlassenhaben. Wenn wir also nach einer begangenen schweren Sündeder Hölle entgehen wollen, so dürfen wir keinen Augen-blick zögern, wahre Buße zu thun. Wehe dem Sünder,der die Buße von Tag zu Tag verschiebt! Es ist gar sehrzu befürchten, daß er in seinen Sünden dahin stirbt undewig zu Grunde geht. Einen frommen Altvater fragten einmalseineJünger, wer denn der größte Thor in der Welt sei. Da ant-wortete der Altvater und sprach: Der größte Thor ist, der eineschwere Sünde begeht, und dadurch für eine augenblicklicheFreude ewiges Leid eintauscht; denn wer weiß es, ob Gottsein Herz zur wahren Buße rühren wird? Der zweite größteThor ist, der sich in einer Todsünde schlafen legt, ohne dieselbeaus Liebe Gottes zu bereuen mit dem ernstlichen Willen, beider nächsten Gelegenheit zu beichten." O merke dir dieß,mein christlicher Leser! und thue Buße, wenn du gesündigthast; bereue dein Vergehen, ehe du dich schlafen legest, aufdaß du der Hölle und ihren furchtbaren Qualen entgehen mögest!

Fr. Worin besteht endlich das dritte Mittel, durchwelches wir der Hölle entgehen können?