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Erstes Hauptstück. Mittel, der Hölle zu entgehen.
Füßen bas ewige Höllenfeuer, und ach! in diesem Augenblick,da du dieß liesest, wie viele Seelen werden von demselben ver-schlungen! Bedenke, daß, wenn du einmal in der Hölle an-gelangt bist, du dieselbe nie wieder verlassen wirst. Undwenn du etwa die Hölle schon verdient hast, o so danke Gott,daß er dich noch nicht in dieselbe gestoßen hat, und eile,eile, um das Nebel soviel als möglich gut zu machen, beweinedeine Sünden, und wende alle Mittel an, d<e dir zu Gebotestehen, um selig zu werden!
Fr. Ist es denn mit der göttlichen Barmherzigkeitvereinbar, daß Gott wegen einer Todsünde den Menschenewig straft?
AntW. Ganz gewiß; denn Gott ist ebenso gerecht,als barmherzig. Als barmherzig belohnt er ewig auchnur eine einzige Wirkung der vollkommenen Liebe undRene. Als gerecht straft er ewig auch nur eine Tod-sünde, die gewissermaßen unendlich ist, indem durch die-selbe eine unendliche Majestät von einem nichtswürdigenGeschöpfe beleidiget wird, ohne daß es seine Beleidigungwiderruft oder bereut.
Fr. Ist aber da ein angemessenes' Verhältniß zwi-schen Schuld und Strafe, zwischen einer oft augenblick-lichen Sünde und einer ewigen Strafe?
AntW. Allerdings; es darf sich die Dauer derStrafe nicht immer nach der Dauer des Vergehens rich-ten. Verhängt ja auch die weltliche Gerechtigkeit nach denGesetzen über einen Mörder, dessen That oft in EinemAugenblicke vollbracht ist, die Todesstrafe und entferntihn dadurch auf Ewig aus der bürgerlichen und mensch-lichen Gesellschaft. — Nutzlos sind sonach alle Einwen-dungen; es bleibt unbestreitbar wahr, daß die Höllen-strafen ewig dauern.
Legende: Der heilige Ludgerus, Bischof.
(1- 809.)
Der heilige Lu dg er, dessen Name uns heute inder Heiligenlegende begegnet, machte die Ewigkeit derHöllenstrafen oft zum Gegenstände seiner Betrach-tungen und ermnthigte sich dadurch nur noch mehr zumtreuen Dienste Gottes. Er stammte aus einer ansehn-lichen Familie in Friesland und war ein Zögling desberühmten Alkuin. Schon als Knabe beschäftigte ersich den ganzen Tag hindurch nur mit Gebet und Stu-dium, und als er später erster Bischof von Münster undApostel der Sachsen und Friesen wurde, da war seinganzes Leben ein lauterer Gottesdienst; denn Gebet, geist-liche Lesung und Predigen war seine einzige Beschäftig-ung bei Tag und Nacht. Am Passionssonntag des I. 809
predigte er in allerFrühe, brachte um 9Uhr das heil. Opferdar, und hielt desAbends eine zweiteRede, worauf er an-sagte, daß er in derfolgenden Nacht ster-ben werde, und denOrt im Kloster Wer-den bestimmte, woer hin begraben seinwollte. Die Prophe-zeiung traf ein umMitternacht, wo ihnGott durch ein köst-liches Ende zu sich be-rief ; er starb den Toddes Gerechten.
Gebet. HeiligerBischof Lu dg er! er-flehe uns durch deinemächtige Fürbitte bei
Gott die Gnade, daß wir im Leben recht oft die Ewig-keit der Höllenstrafen betrachten und dadurch heilsam er-schüttert werden mögen, so daß wir durch ein frommes
Leben Gott dienen und den furchtbaren und ewigen Qua-len der Hölle entgehen, durch Christum unfern Herrn.Amen.
Sechsundachtzigstes Lesestück.
Am Feierabende des 27. März.
Mittel, der Hölle zu entgehen.
Fr. Werden Alle, die verdammt werden, aus eigenerSchuld verdammt?
AntW. Ja; denn alle Menschen können selig wer-den, wenn sie die von Gott ihnen angebotenen Gnadengebrauchen wollen.
Belehrung. Wer verdammt wird, der wird durcheigene Schuld verdammt; denn selig kann ein Jeder wer-den, der mit Gottes Gnade treulich mitwirkt. Daher heißtes schon bei Sirach (15, 18.): „Der Mensch hat vor sichLeben und Tod; was er will, wird ihm gegeben werden."Und der heilige Paulus schreibt an TimotheuS: „Gott will,daß alle Menschen selig werden; denn ein Mittler ist zwi-schen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus,der sich selbst zum Lösegeld für Alle hingegeben hat." Grund-