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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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Am Feierabende

MM

Belehrung. Nach der allgemeinen Auferstehung werdensich die Todten vor dem Richterstuhle Gottes versammeln, umdas große Endurtheil der Verdammniß oder der Beseligungzu hören. Die Bösen werden gehen in's ewige Feuer;dieGerechten aber in's ewige Leben." Daher folgtauf die Lehre von der Auferstehung sogleich' dieser letzte Glau-bensartikel, der vom ewigen Leben der Gerechten so-wohl, als der Gottlosen handelt.

Fr. Ist es also gewiß, daß wir auch nach demTode noch fortleben?

Antw. Ja, es ist dieß gewiß; denn unsereSeele ist unsterblich; dafür bürgt uns 1) die gött-liche Offenbarung, 2) die'geistige Natur unserer Seele,3) unser eigenes Gefühl und 4) unsere eigene Mrnunft.

Belehrung. Wir sind unsterblich; dieß beweistuns 1) unwiderlegbar die göttliche Offenbarung.Schon im Buche der Weisheit (2, 23.) heißt es:Gott

hat den Menschen unsterblich erschaffen und nach seinem Bildeund Gleichniß ihn gemacht." Und wie nachdrücklich ermahntnicht Christus seine Jünger und alle Christen, Diejenigen nichtzu fürchten, welche den Leib, nicht aber die Seele tob-ten können; wohl aber sollten sie Jenen fürchten, der Leibund Seele in's ewige Verderben stürzen kann! Ferner wirdder göttliche Richter einst zu den Gottlosen sprechen:Gehethin, ihr Verdammten! in's ewige Feuer!" Was hättendiese Worte für einen Sinn, wenn die Seelen nach dem Todedes Leibes nicht mehr fortlebtcn? Oder wie könnte Gottsolche Aussprüche thun, wenn die Seelen sterblich wären?Und überhaupt, was ist das ganze Werk der Erlösung an-ders, als eine fortlaufende Kette von Beweisen für unsere

Mchlsr, Hausbuch.

des 22. März.

ewige Fortdauer? Würde Wohl Jesus auf diese Erdegekommen sein und sich so vielen Erniedrigungen, Mühen undLeiden unterzogen haben, wenn unsere Seele nicht un-sterblich wäre? Es läßt sich also die Unsterblichkeit der Seelenicht läugnen, da uns die göttliche Offenbarung dievollste Sicherheit hierüber gibt. 2) Kann es aber auch garnicht anders sein, wenn wir nur die Seele selbst betrach-ten. Die Seele ist nämlich geistiger Natur, sie ist einGeist und hat mit körperlich irdischen Dingen Nichts gemein; daherkann sie nie der Verwesung oder Auflösung anheimfallen,wie dieß beim Körper der Fall ist, sie kann nie ster-ben, ist also unsterblich. 3) Wenn unsere Seele sterb-lich wäre, so wären wir die unglücklichsten Menschen; dennGott hat ein Verlangen nach etwas Unendlichem in unsereSeele gelegt; daher kommt es, daß wir in diesem Lebenniemals eigentlich recht froh werden können; dennwir ha-ben keine Ruhe, bis wir ruhen in Gott." AufErden findet unsere Seele keine wahre Befriedigung; immerstrebt sie himmelwärts. (Sieh das obige Bild!) So sprichtalso auch unser eigenes Gefühl für die Unsterblichkeitder Seele. Endlich 4) muß die gesunde Vernunft er-kennen, daß unsre Seele unsterblich sei. Oder sollte unsGott mit so herrlichen Gaben des Geistes und Leibes nurdeßhalb ausgestattet haben, damit wir sterben und zu Grundegehen, wie das vernunftlose Vieh? Wie könnte es ferner diegöttliche Gerechtigkeit zulassen, daß die Gottlosen oft in die-sem Leben die erste Rolle spielen, während die Tugendhaftenverfolgt werden, wenn es nicht eine Ewigkeit gäbe, in welcherdie Guten ewig belohnt und die Bösen ewig bestraft würden?Jede gesunde Vernunft muß es also anerkennen und einge-stehen, daß die Seele des Menschen unsterblich ist.

Beispiel und Anwendung. Es erzählt uns AeneasSylvins von einem Fürsten, der in Oesterreich lebteund ein Alter von dreiundneunzig Jahren erreichte; er hattewährend seiner Lebenszeit nichts Anderes gethan, als gegessen,getrunken, gespielt und sich jede mögliche Unterhaltung ver-schafft; er hatte nie erfahren, was Armuth, Elend, Schmerzund Unglück sei, und immerfort flog das Schifflein seinesLebens dahin, von günstigem Winde getrieben. Als er nunendlich starb, und sein Tod dem Kaiser Friedrich IV. an-gekündet wurde, sprach dieser: Hier habe ich den deutlichstenBeweis von der Unsterblichkeit der Seele und voneinem künftigen ewigen Leben; denn der gerechte Gott mußdort eine Ausgleichung treffen, da wir hier sehen, wie dieBösen ohne Strafe dnrchkommen, und die Guten ohne Be-lohnung sterben."Wenn du also siehst, mein Christ! (ruftuns der heilige Chrysostomus zu) daß es den Guten aufErden schlecht und den Schlechten gut gehe, so denke daran,daß es eine Ewigkeit und eine Vergeltung gebe!" Nur der

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