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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
Entstehung
Seite
194
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194 Erstes Hauptstück. Es gibt ein ewiges Leben; denn unsere Seele ist unsterblich.

Thor, der da sagt, es gibt keinen Gott, kann auch die Be-hauptung ausstcllen, daß es keine Ewigkeit und kein ewigesLeben gebe.

Fr. Welchen Eindruck muß diese wichtige Lehrevon der Unsterblichkeit oder ewigen Fortdauer der Seeleans das Gcmüth der Menschen Hervorbringen?

Antw. Der Böse muß dadurch erschüttert, derFromme aber zum Guten noch mehr ermuntert und inseinen Leiden gestärkt und getröstet werden.

Belehrung. Wie erschütternd muß für den Gott-losen der Gedanke sein:Meine Seele ist unsterblich; siewird fortleben in der Ewigkeit, aber ach! ewig unglückseligsein!" Darum läugnet der Gottlose gar so gerne die ewigeFortdauer oder die Unsterblichkeit der Seele, und zwar deß-wegen, um desto freier und unbeirrter nach seinen Gelüstenleben zu können. Ueberaus tröstlich und erfreulich ist hin-gegen eben diese Lehre von der Unsterblichkeit der Seele fürden Frommen, da er weiß, daß auf dieses mühselige Le-ben ein anderes, unaussprechlich glückseliges Leben folgen werde,wo jede Tugend belohnt, alle Leiden in Freuden verwan-delt werden!

Beispiele und Anwendung. Es gibt ein ewigesLeben; dcrMeusch i st unsterblich. Der Gottlose läug-net zwar diese Wahrheit, weil sie ihm furchtbar ist. AlsOberst von Man st ein Einen kennen lernte, der an keineUnsterblichkeit und an kein ewiges Leben glaubte, so sagte er:Dieser Mensch lebt sicherlich viehisch, weil er glaubt, erwerde wie ein Vieh in der Erde bleiben." Um so tröst-licher ist aber diese Wahrheit für den Frommen; durch siewird er ermuthigt und gestärkt in allen Leiden und Wider-wärtigkeiten dieses Lebens. Als die Heiden den h. Pioniuszum Tode abführten, und er, da er doch wußte, was ihmbevorstand, freudig und munter vorwärts schritt, fragten sieihn, warum er denn da so eile, wo Andere so langsam gin-gen, und er antwortete ihnen:Ihr irret euch; ich gehe nichtzum Tode, ich gehe zum Leben." Und wie wahr seineWorte sind, bezeugte selbst sein todter Körper noch. Denn nach-dem man ihn mit Nägeln an die Balken geheftet, und zu seinenFüßen ein Feuer angezündct hatte, ließ man ihn allein ster-ben. Nachdem das Feuer schon erloschen war, kehrten dieHenkersknechte ans den Richtplatz zurück und fanden daselbstden Körper des Heiligen zwar todt, aber durch das Feuernicht im Mindesten verletzt, ja, sein Gesicht hatte sogar dieFarbe und den Ausdruck des Lebens beibehalten.Wir lesen von einer frommen Mutter, daß sie ihren SohnSymphorianus, rer in der Blüthe des jugendlichen Altersstand, zum standhaften Bekenntniß des Glaubens und zumMartyrertode durch folgende Worte ermunterte:Mein liebesKind! sei eingedenk des ewigen Lebens; siehe den Him-mel an und Den, der oben thronet; das Leben wird dirnicht entrissen, sondern nur in ein besseres wird es verwan-

delt." Und getrost ging der Knabe zum Martertod. Siehe,mein Christ! so ermunternd, so trostvoll ist der Gedanke andie Unsterblichkeit der Seele und an das ewige Leben imHimmel für den Frommen und Gerechten.

Legende: Der heilige Nikolaus von der

Flue, Einsiedler, (ch 1487.)

Der fromme Diener Gottes, Nikolaus von derFlue, dessen Andenken wir heute begehen, fand gleich-falls gar oft Trost und Beruhigung in dem Gedankenan die Unsterblichkeit und au das ewige Leben im Him-mel; besonders tröstete er sich damit in seiner letzten,äußerst schmerzlichen Krankheit. Er war der Sohngottesfürchtiger Landleute zu Saxeln in der Schweiz.Von seiner frühesten Jugend an war sein ganzes Wesenernst, aber dennoch sanft, mild und liebenswürdig. Sosehr er auch die Arbeit liebte, fand er doch Zeit genugin der Abgeschiedenheit seiner heimathlichen Berge zustillem Gebete, womit er strenges Fasten verband. Ver-ehelichet mit einer frommen Frau, erzog er seine achtKinder in der Furcht und Liebe des Herrn. Zn denWaffen gerufen, war er ein tapferer und edelmüthigerKriegsmann. Im Frieden bekleidete er neunzehn Jahredie Stelle eines Richters und Landraths und erwarb sichdas ungetheilte Zutrauen und die allgemeine Zufrieden-heit. Im Jahre l467 zog er sich in die Einsamkeit sei-ner Berge zurück, wo die Seinigen ihm eine Hütte miteiner Kapelle erbauten. Hier betete und fastete er undgenoß wunderbarer Weise über zwanzig Jahre keineSpeise, außer monatlich einmal das allerheiligste Altars-sakrament. Bei ausgebrochenem Hader und kriegdrohen-der Feindschaft unter den Eidgenossen trat er als einEngel des Friedens aus seiner Einsamkeit hervor undstiftete Versöhnung. Vor seinem Lebensende noch durch