Druckschrift 
Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
Entstehung
Seite
192
Einzelbild herunterladen
 

1S2

Erstes Hauptstück. Es gibt ein ewiges Leben; denn unsere Seele ist unsterblich.

vorhergehende Bild.) Dieser sollte mit seiner Zunge den gött-lichen Heiland verläugnen, mit seinen Händen den Göt-ter» Weihrauch streuen, mit seinen Füßen das Bildnißdes Gekreuzigten zertreten; aber er stellte sich seinen Mör-dern voll heiligen Muthes entgegen und sprach:Wie könnetihr mir zumuthen, daß ich meine Glieder mißbrauchen solle,die dem Dienste meines Gottes geweiht sind? Reißet mirdie Zunge heraus, hauet mir Hände und Füße ab; dasmöget ihr thun, aber meinen Herrn und Gott werde ichnicht verläugnen." Und nun begann die Marter, die volleneun Stunden dauerte; man riß ihm ein Glied nach demandern vom Leibe; allein der standhafte Dulder und Blut-zeuge rief voll süßen, inneren Trostes aus:Geh' nur hin,meine Hand! geh' nur hin, mein Fuß! geh' nur hin, meineZunge! rc. Am Tage des Gerichtes bei der Auferstehungder Todten wird euch Alle der ewige Schöpfer wieder zufinden und zu einem herrlichen Ganzen zu vereinigen wissen.Ihr habt dem Herrn gedient, und der Herr wird euch dafürauch belohnen." Wohl uns, wenn wir am Tage des Ge-richtes diese letzten Worte auch zu unser» Gliedern sagen können!

Legende: Der heilige Benedikt, Ordens-

stifter und Abt. (f 543.)

War es nicht auch bei jenem großen und berühmtenHeiligen, dessen Fest heute in der katholischen Kirche ge-feiert wird, der Gedanke an die einstige Auferstehung,der ihn in allen Leiden und Trübsalen tröstete und ihnermunterte, Leib und Seele stets rein zu erhalten vorjeder Sünde? Dieser treue Diener Gottes, St. Bene-dikt wurde um das Jahr 480 zu Nursia im HerzogthumSpoletto von adeligen Eltern geboren. Diese schicktenihren hoffnungsvollen Sohn zum Studiren nach Rom.Als er da das Verderben der Sitten bei der römischenJugend wahrnahm, entschloß er sich, die Welt zu ver-lassen, um nicht in den Abgrund zu stürzen, sondern sei-

nen Leib und seine Seele rein zu bewahren auf denTag des Gerichtes und der einstigen Auferstehung. Er-ging aus Rom heimlich weg und nahm den Weg nacheiner Wüste. Nach Verlauf von drei Jahren wurdenHirten, die in dieser Gegend mit ihren Heerden herum-schweiften, seiner gewahr. Benedikt sprach Worte desHeiles zu ihnen mit solchem Nachdrucke, daß mehrerederselben, die bisher nicht viel anders als ihr Vieh ge-lebt hatten, zu guten Menschen umgeschaffen wurden.Der Glanz seiner Heiligkeit machte ihn den Möncheneines nahen Klosters bekannt, und sie wünschten sehr,ihn zu ihrem Abte zu erhalten. Sie drangen so langein ihn, bis er einwilligte. Als aber einige dieser Mönche,die eine freie Lebensweise gewohnt waren, das sanfteJoch des untadelhaftcn Wandels, das er ihnen auflegte,zu schwer fanden, so faßten sie den unseligen Entschluß,Gift unter seinen Wein zu mischen. Als er nach seinerGewohnheit das Getränk mit dem Kreuzzeichen segnete,zersprang das Gefäß, und das Geheimniß der Bosheitward offenbar. Er stand mit ruhigem Gemüthe vomTische auf und sprach:Gott erbarme sich euer, Brü-der! Warum wolltet ihr mir das thun? Ich habe eseuch ja zuvor gesagt, daß euer und mein Wandel nichtznsammenstimmen. Gehet und suchet euch einen Vor-steher, der ist, wie eure Sitten; mich könnet ihr nichtmehr haben." Mit diesen Worten verließ er das Klosterund ging wieder in seine geliebte Einsamkeit zurück.Der Orden, den der heilige Benedikt stiftete, und dernoch jetzt besteht, hat der Kirche Päpste, Kardinäle, Erz-bischöfe und Bischöfe gegeben, und eine große AnzahlGelehrter hervorgebracht. Der heilige Benedikt starbim Jahre 543 den 21. März.

Gebet. Stehe uns bei, o Gott! wir bitten Dich,mit deiner göttlichen Gnade, damit wir Leib und Seelestets rein bewahren, wie St. Benedict, ans daß amTage der allgemeinen Auferstehung unser Leib mit derSeele wieder vereinigt und mit ihr zur ewigen Glorieberufen werde. Durch Christum unfern Herrn. Amen.

Eimmdachtzigstes Lesestück.

Am Feierabende des 22. März.

Zwölfter Glaubensartikel:

Und ein ewiges Leben. Amen."

Es gibt ein ewiges Leben; denn unsere Seele ist unsterblich.

Fr. Was bekennen wir mit dem letzten Glaubens-artikel ?

Antw. Wir bekennen dadurch, daß es für alleMenschen ein ewiges Leben gebe, welches, je nachdem siedieses irdische gut oder böse zugebracht haben, auch vonverschiedener Beschaffenheit sein wird.