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Erstes Hauptstück. Der Tod des Gerechten und des Sünders.
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leben mögen, wie die heilige Jungfrau und AbtissinGertraud, aus daß wir weder die Gewißheit nochdie Ungewißheit des Todes zu fürchten haben. DurchChristum unfern Herrn. Amen.
Siebenillldsiebenzigstes Lesestück.
Am Feierabende des 18. März.
Der Tod des Gerechten und des Sünders.
Fr. Was ist der Tod dem Gerechten?
Antw. Dem Gerechten ist der Tod ein >Engel des Friedens, der ihn aus dem irdischenJammerthale in die himmlische Heimat führt undihn mit der Krone der Vergeltung krönt. (Siehdas nebenstehende Bild!)
Belehrung. „Kostbar in den Augen des Herrnist der Tod seiner Heiligen," singt schon der königliche SängerDavid (Ps. 115, 6.). Und in Wahrheit! er ist kostbar; dennmit Freuden nimmt der Herr seine Diener auf, um sie für ihreKämpfe und Siege auf ewig zu krönen. Was ist also derTod für den Gerechten anders, als ein Engel des Friedens,der ihn aus dem irdischen Jammerthale in die himmlischeHeimat führt? Ja! der Fromme denkt sich den Tod mitPetrus als ein Verlassen der irdischen Hülle und als einEinziehen in die ewigen Wohnungen. Lange war die Seelebeengt in dem Leibe von Erde, jetzt tritt sie hinaus undwird frei. (2. Petr. 1, 14.) — Dem Frommen ist derTod, wie er es dem heiligen Paulus war, ein Aufgelöst-werden von den Banden, die uns an die Erde fesseln undein Daheimsein bei dem Herrn. „Ich wünsche aufgelöst zuwerden und bei Christo zu sein." (Philipp. 1, 23.) —Dem Frommen ist der Tod, wie dem heiligen Jakob, einErntetag. Wie der Landmann lange und sehnlich wartet,bis die Saat reif ist, so wartet der Fromme auch lange.Jetzt sind sie reif die Früchte, und er sammelt sie ein mitFreude und Dank. (Jak. 5, 7.) — Der Fromme hältmit Paulus den Tod für eine Sabbatfeier. Des Lärmensund der Zerstreuungen war das Leben hindurch kein Ende.Jetzt auf einmal verschwinden die Werktage. Es herrschteine feierliche Stille. Es ist der Sabbat, der Vorabend desgroßen heiligen Tages und des ewigen Lebens. (Hebr. 4, 10.)— Der Fromme hält den Tod mit dem heiligen Johannesfür einen Augenblick, wo wir den Herrn sehen und ihmgleich sein werden. (1. Joh. 3, 2.) — Der Fromme siehtmit Christo den Tod an als eine Hochzeitfeier. Der König-
sohn hält Hochzeit. Und ich bin auch zur Hochzeit geladen,spricht der Fromme, und schmückt sich mit dem schönsten undköstlichsten Kleide. Jetzt ist der Augenblick da, und er tritthinein unter die Hochzeitsgäste zum Freudenmahle, und dieserAugenblick ist der Tod. (Matth. 22.) — Und so stirbt derfromme Christ mit frohem Muth und innerem Frieden. Ermacht sich bereit auf den Weg. Die heilige Kirche salbt ihn,auf daß er von aller Makel rein und stark werde, das An-gesicht Gottes zu schauen; sie salbt ihn mit einem heiligenOele zum Besitze des Reiches Jesu, gleichwie man Königesalbt zu Verwaltern der Gerechtigkeit. Froh und ruhig stirbtder Fromme; wie sein Licht in der Hand, leuchtet seineSeele. Wenn man schon seine Hülle in die Erde senkt, solebt doch sein Geist und stirbt nie.
Beispiele und Anwendung. Als der heilige Pe-trus von Alkantara den Tod herannahen fühlte, warfer sich auf die Kniee nieder, und stimmte mit Heller Stimmeden Psalm an: „Ich freue mich über Das, was mir gesagtist worden: Wir werden eingehen in das Hans des Herrn."— Als der heilige Hieronymus fühlte, daß er dem Todenahe sei, da redete er die Umstehenden mit freudiger, heitererMiene folgendermassen an: „Fort mit jeder Trauer! Erfreuteuch vielmehr mit mir; denn dieß ist die wahrhaft angenehmeZeit; dieß ist der Tag des Jubels, den ich höher schätze, alsalle andern Tage meines Lebens; heute wird mir der Herrdie Wahrheit seiner Verheißung bezeugen, und meine Seele,die hier in Verbannung lebte, wird, durch Christi Bluterlöset, heute in ihr Vaterland gelangen." — Der gottloseKönig Heinrich VIII. von England hatte einst tausendPfund Sterling auf das Haupt des frommen und seinerKirche treu ergebenen Cardinals Reginald Polus gesetzt.