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Erstes Hauptstück. Gemeinschaft der Heiligen, und zwar die leidende Kirche.
seiner Genossenschaft: „Unser Freund Animuccio ist schon amZiele." — Säume daher nicht, mein Christ! dem heiligenMeßopfer recht oft beizuwohnen und es dem himmlischen Va-ter zum Tröste der armen Seelen aufzuopfern, oder wenn esin deinen Kräften steht, auch hin und wieder zum Tröstederselben ein heiliges Meßopfer darbringen zu lassen; dennNichts verschafft den leidenden Seelen im Fegfeuer großemTrost, Nichts mehr Linderung, als das heilige Meßopfer.
Fr. Welches ist das zweite Mittel zur Erlö-sung der leidenden Seelen aus dem Fegfeuer?
Antw. Das Gebet.
Belehrung. Auch durch das Gebet können wir denarmen Seelen große Hilfe gewähren, daher heißt es schonim zweiten Buche der Makkabäer (12. Cap.): „Es ist einheiliger und heilsamer Gedanke für die Verstorbenen zu be-ten, damit sie von ihren Sünden erlöset werden."Zum Gebete für die Verstorbenen fordert uns deßhalb derheilige Ambrosius mit den Worten auf: „Nicht durchTrauern, sondern durch Gebet, nicht durch Thränen, sonderndurch Opfer empfehlet die Seele der Verstorbenen demHerrn!" Und St. Cyrillus fügt bei: „Laßt uns für dieVerstorbenen beten; denn ihre Seelen finden darin eine großeErleichterung."
Beispiel und Anwendung. Wie wirksam das Ge-bet für die Verstorbenen sei, ersehen wir aus folgendem Bei-spiele. Als die heilige Ludgard vernommen hatte, daß derehrwürdige Abt zu Foniak, Namens Simon, gestorben sei,begab sic sich in ihr Betkämmerlein, fiel Gott zu Füßen undbat ihn inbrünstig, er möchte doch der abgeleibten Seele die-ses Abtes gnädig sein. Nach vielen Gebeten erschien Chri-stus der heiligen Ludgard und sagte: „Sei getrost, meineGeliebte! deinetwillen will ich Dem gnädig sein, für welchendu bittest." Ludgard verdoppelte das Gebet und verrichteteselbes noch eifriger und inbrünstiger, so zwar, daß Christuszum Zweitenmale der heiligen Ludgard erschien und siemit dem erfreulichen Versprechen tröstete, daß die Seele, fürwelche sie so eifrig bitte, ehestens aus dem Fegfeuer werdeerlöst werden. Die heilige Ludgard, mit diesem Verspre-chen nicht beruhigt, sprach in heiliger Einfalt: „O Jesu, duHerr meines Herzens! unmöglich ist's, daß ich kann getröstetsein; ja, ich werde nicht aufhören zu weinen, bis du mir dieSeele schenkest, für welche ich bitte." Durch diese herzdrin-genden Worte gleichsam überwunden, erschien ihr Christusstimmt der Seele, für welche Ludgard so inständig gebetethatte, und sprach: „Sieh, meine Geliebte! sei nun getrost;denn hier hast du die Seele, für welche du, um sie aus denFlammen des Fegfeuers zu erlösen, so viel, so lang und sooft mich gebeten hast", worauf die heilige Ludgard sichzu den Füßen Jesu warf, um ihm für diese Gnade ausganzem Herzen zu danken; die erlöste Seele aber, nachdemsie der heiligen Ludgard gedankt hatte, verschwand, mitgroßem Glanze umgeben. — Soll dich, mein Christ! dieser
Vorfall, der uns in der Lcbensgeschichte der heiligen Lud-gard erzählt wird, nicht aufmuntern zum fleißigen Gebet i
für die armen Seelen im Fegfeuer? Ja, bete für sie oft !
und eifrig, damit sie recht bald zur Anschauung Gottes ge-langen; siehe, es ist dieß ja dein eigner Nutzen, indem siealsdann vor dem Throne Gottes auch für dich selbst ihremächtige Fürbitte Anlegen werden.
Fr. Welches ist endlich das dritte Mittel, denarmen Seelen zu helfen? >
Antw. Gute Werke. (
Belehrung. Durch Fasten, Almosen, Empfang der stheiligen Communion, durch Aufopferung gewisser Ablässe zumTröste der armen Seelen und durch andere gute Werke können wir fden Verstorbenen gleichfalls die erwünschtesten Dienste leisten.
Daher heißt es in der heiligen Schrift (Eccl. 3.): „Gleich-wie das Wasser das Feuer auslöscht, so widersteht das Al- ^mosen den Sünden," und der alte Tobias sprach einst zuseinem Sohne :„Dein Brod und deinen Wein stelle auf dasGrab des Gerechten" (Tob. 4.); er wollte damit sagen:„Speise und tränke die Armen und erweise ihnen noch andre iWerke der Barmherzigkeit zum Tröste der Verstorbenen." —
Ganz treffend spricht sich in dieser Beziehung die heiligeBrigitta aus: „Wie sich freut ein Hungriger der Speise,die in seinen Mund kommt, und ein Durstiger des Trankes,ein Nackter des Kleides und ein Kranker des Bettes, in wel-ches er gelegt wird: so freuen sich die Seelen im Reinigungs-orte der guten Werke, die wir für sie verrichten; denn siewerden des Guten theilhaftig, das für sie in der Welt ge-schisht."
Beispiel und Anwendung. Sancio, König vonLeon, starb durch Verrath an Gift. Nun legte die KöniginGuida, seine Gemahlin, die ihn zärtlich liebte, ihren könig-lichen Schmuck ab, und ging in ein Kloster, um da Gott zudienen und mit größerm Nutzen seiner Seele helfen zu kön-nen. Tag und Nacht betete sie eifrig, und an den Samstagenfastete sie jedesmal zur Ehre der Mutter Gottes. Und siehe!gerade an einem Samstage, da sie für ihn betete, erschienihr Sancio, in einem schwarzen Trauerkleide, mit einemAusdrucke erschrecklicher Pein. Er dankte ihr für ihr-Gebetund bat sie, damit fortzufahren und es noch zu vermehren. ^„Ach!" sagte er, „wenn ich dir, theure Gattin! sagen könnte,wie erschrecklich meine Qualen im Fegfeuer sind, o wie würdeda dein Mitleid mit deinem Sancio noch zunehmen! Ach!bei der göttlichen Barmherzigkeit, hilf mir, Guida! hilf mir!" st.
Nach dieser Erscheinung widmete sich die Königin vierig Tagelang ununterbrochen dem Gebete und dem Fasten, und nach ^Verlauf dieser Zeit sah sie.ihn wieder mit himmlischem Glanzeumgeben, und er sprach zu ihr: „Jetzt bin ich befreit von ^
meinen Peinen. Dieses verdanke ich dir, fromme Königin! f
Sei dafür ewig von Gott gesegnet! Verharre in deinen hei- Ist