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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
Entstehung
Seite
159
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Am Feierabende des 6. Mär',.

und Gassen. Da hörte er auf einmal eine Glocke ertönen,sanft und freundlich, als lüde sic ihn ein. Er überhörteihren Ruf nicht, ging hin — und siehe, ein katholischer Prie-ster erscheint im heiligen Ornate, um am Altäre zu entrich-ten das erhabene Opfer des neuen Bundes. Auf dem Choreertönt ernst und feierlich das Kyrie, und nachdem es be-endet, stimmt der Diener des Altars mit kräftiger und lieb-licher Stimme das Gloria an. — Voll heiligen Entzückensfällt der deutsche Fremdling auf seine Kniee nieder und prei-set Gottes Macht und Herrlichkeit. In sich selbst versunken,kann er nur ausrufen: „O himmlische, heilige Kirche! Wiein meinem Baterlande, so sprichst du auch hier dieselbeSprache, feierst dieselben Geheimnisse, und verkündest dasselbegöttliche Wort! — O wunderbare Einheit! Die gold-neu Berge, die ich mir versprach, Hab' ich nicht gefunden;aber meinen Glauben Hab' ich wieder und meine Kirche undihre Segnungen und ihren Trost! Tausend Dank dem Him-mel! Mehr verlang' ich nimmer!" — Mit Thränen imAuge verließ er das Gotteshaus zu New-Pork und suchtesich sein Glück.

Fr. Jnwieferne ist die römisch - katholische Kircheheilig?

AntW. Sie ist heilig: 1) weil ihr Stifter undihre Lehre heilig sind; 2) weil sie alle von Christus ein-gesetzten Heiligungsmittel treu bewahrt und ausspendet;3) weil in ihr immer Heilige waren, deren Heiligkeit auchdurch Wunder und außerordentliche Gnadengnaben vonGott bestätiget wurde/

Belehrung. Die katholische Kirche ist heilig;denn wer kann es läugnen, daß ihr Stifter, Jesus Chri-stus, der eingeborne Sohn Gottes, und die göttliche Lehre,die er auf Erden gebracht, heilig seien? Ferner zeigt dieKirche Allen den Weg zur Heiligkeit. „Die Kirche,"sagt der heilige Chrysostomus, „ist vortrefflicher als dieArche. Diese hat Thiere aufgenommen und erhalten; dieKirche nimmt Thiere auf und verwandelt sie. Es geht hin-ein ein Geier, und es geht heraus eine Taube; es geht hin-ein ein Wolf, und es geht heraus ein Lamm; die Natnrwird zwar nicht geändert, aber die Boshaftigkeit wird ent-fernt." Daher vergleicht er die Kirche mit einer geistigenApotheke, in welcher ein Jeder, der will, sich Arzneimittelzur Heilung seiner kranken und verwundeten Seele holenkann. Daher hat es auch in der katholischen Kirche immerHeilige gegeben. Dieses ersiehst du, mein christlicher Leser!am Deutlichsten aus diesem Buche selbst; denn alle Tagewird dir da die Lebensgeschichte eines Heiligen aus der Legendein Kürze erzählt, und in der Legende selbst findest du anmanchem Tage mehr als sieben Heilige aufgezählt; oder be-trachte den Kalender! Wie viele Heilige sind da angegeben!

Sie alle gehören der heiligen katholischen Kirche an, sie allesind nur in ihr und durch sie heilig geworden. Sollte sonachdie katholische Kirche nicht heilig sein? Auch der heutige-Tag bestätigt uns auf's Neue diese Wahrheit; denn die Kirchefeiert heute das festliche Andenken an mehrere Heilige, z. B.an den heiligen Bischof Grodegang, au die heilige Coletta,den heiligen Abt Fridolin, an die zweiundvierzig heiligenMärtyrer unter den Sarazenen u. s. w. Wir wollen aberunter allen diesen nur die Lebensgcschichtc der heiligen Co-letta in Kürze betrachten.

Legende: Die heilige Jungfrau Coletta,Verbesserin des Ordens der heiligen Klara,tt 1447.)

Diese Heiligewar die Tochter ei-nes Zimmerman-nes und wurde zuCorbin in der Pi-kardie i. I. 1380geboren. Ihr Va-ter war besondersfriedfertig undsehrbarmherzig gegendie Armen, u. ihreMutter war derAndacht außeror-dentlich ergeben,so daß sie auf dasGuthaltpn ihresBeichtvaters täg-lich beichtete n.kom-munizirte. Dieserfromme Sinn derMutter ging nunauch schon frühzei-tig auf die Tochterüber, die alsbaldin der christlichen Tugend und Vollkommenheit die auf-fallendsten Fortschritte machte. Sie haßte Alles, wasden Sinnen schmeichelte. Während die Weltkinder denFreuden und Vergnügungen dieses Lebens nachgingen,unterhielt sie sich in stiller Zurückgezogenheit und in from-mer Andacht mit ihrem göttlichen Bräutigame, JesusChristus; in ihm fand sie ihre Freude und Seligkeit;ihm allein diente sie im Gebete und strenger Abtödtung.Nach einiger Zeit gab ihr Gott seinen Willen zu erken-nen, daß sie den Orden der heiligen Klara verbessernsollte. Sie begab sich daher, um dem göttlichen Willennachzukommen, in verschiedene Länder, traf alle Anstaltenzur Verbesserung des genannten Ordens und stiftete sicben-zehn neue Klöster und Convente. Ueberall erneuerte siein den ihr untergebenen Klöstern den Geist des heiligenFranziskus, und starb dann selig im Herrn am'6.März 1447 zu Gent.