142
Erstes Hauptstück. Die sieben Gaben des heiligen Geistes.
Geiste entsagt hatten ; gehet also hin, und thnt das Gleiche!" —Verstehst du es nun, niein Christ! was du thun mußt, wennGottes Geist in dir einkehren und wohnen soll? Du mußtdeinem eigenen Geiste, d. i. deinen sündhaften Neig-ungen und Begierden, der Sünde überhaupt entsagen und sodem heiligen Geist in deinem Herzen Platz machen. Dahersprach auch der heilige Bernhard einst zu einem Manne,der von ihm die Wissenschaft der Heiligkeit erlernen wollte:„Bringe zu Gott ein leeres Herz (d. i. ein Herz, das leerist von allen Sünden und von allen sündhaften irdischen Neigun-gen,) damit es der heiligeGeist erfüllen könne!"
Legende: Die heilige Mathildis, Abtissin,(st 1160.)
Dieser Ermahnung des heiligen Bernhard folgteauch treulich die heilige Mathildis, deren Lebensge-schichte uns in der Legende am heutigen Tage begegnet.Sie hatte ihr Herz frei gemacht von allen irdischen Wün-schen und Bestrebungen, damit der heilige Geist alleinmit seiner Gnade in ihr Einkehr und dauernde Wohnungnehmen konnte. Mathildis, die Tochter des GrafenBerthold von Andechs, wurde um d. I. 1125 geborenund schon im fünften Jahre den Angnstinernonnen desKlosters Diesten am Ammersee übergeben. Bald äußertesich an der zarten Jungfrau eine besondere Frömmigkeit.Ihr strenger Gehorsam, ihre kindliche Demuth, ihre gänz-liche Losschälung von allem Weltlichen, ihre beständigeSammlung des Geistes dienten der ganzen Genossenschaftzur Erbauung. Kaum hatte sic das erforderliche Altererreicht, die feierlichen Gelübde ablegen zu können, soweihte sie sich durch dieselben auf ewig dem Herrn undwurde bald darnach einstimmig zur Abtissin gewählt.Bei dem Antritte ihres Amtes machte sie sich's zur Auf-gabe, in Nichts von ihren Untergebenen sich zu unter-
scheiden, es sei denn durch größern Eifer in Beobachtungder Ordensregeln, und ließ sich auch von ihren geistlichenTöchtern nicht Vorgesetzte oder Mutter, sondern nurSchwester nennen. In kurzer Zeit stand unter der Leitungdieser gottseligen Oberin das Kloster Diesten als einefruchtbare Pflanzschule heldenmüthiger Tugenden da. JhrWauvel war eine fortwährende, wirksame Lehre. Be-drängte, besonders aber arme Wittwen und Waisen fan-den an ihr eine nach Kräften helfende Mutter. Ihr Lebenwar dabei eine fast ununterbrochene Folge von schmerz-lichen Krankheiten, die sie aber alle mit Freuden ausLiebe zu ihrem leidenden Heilande übertrug. Am 31.Mai 1160 ging sie nach dem Empfange der heiligenSterbsakramente ein in die Freude des Herrn, dem siestets so treu gedient hatte.
Gebet. Verleihe uns, o Gott! wir bitten dich,die Gnade, daß wir unser Herz frei machen von allenirdischen Wünschen und Bestrebungen, wie deine heiligeDienerin Mathildis, und daß wir es stets rein be-wahren vor jeder Sünde, damit der heilige Geist in dem-selben einkchren und Wohnung nehmen möge. — DurchChristum unfern Herrn. Amen.
Achtmidsünfzigstes Lesestmk.
Am Feierabende des 27. Februar.
Die sieben Gaben des heiligen Geistes.
Fr. Mit welchen Gaben insbesondere erfüllt der hei-lige Geist alle Diejenigen, die fromm leben?
Antw. Mit seinen sieben Gaben.
Fr. Wie heißen die sieben Gaben des heiligen Geistes?
Antw. Sie heißen: 1) die Gabe der Weisheit, 2)des Verstandes, 3) des Nathes, 4) der Stärke, 5) derWissenschaft, 6) der Frömmigkeit, 7) der Furcht Gottes.
Belehrung. Der heilige Bonaventura nennt diesesieben Gaben des heiligen Geistes, die schon der ProphetJsaias (11,2.) aufzählt, „sieben feurige Strahlen,die Alles erleuchten, erwärmen, durchdringen und glühendmachen." Das sind sie aber auch in Wahrheit; du wirstdieses Ansehen, mein christlicher Leser! wenn wir diese siebenGaben des heiligen Geistes einzeln betrachten. 1. DieGabe der Weisheit. Diese bewirkt, daß unser für dieErde eingenommenes, für Gott und die Tugend aber erkalte-tes Herz von der Liebe zum Guten ergriffen wird, so daßes die Tugend und die göttlichen Dinge liebt und sich vonder Welt und von der Thorheit der irdischen Dinge losmacht.
Beispiele und Anwendung. Die Gabe der Weis-heit besitzt sonach Derjenige, der die Nichtigkeit alles Irdischen