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Erstes Hanptstück. Jesus in der Vorhölle.
Erde hinabdringen wollte, um die ihm theuersten Seelen darauszu befreien und in die Seligkeit einzuführcn?"
Beispiel und Anwendung. Wie der göttliche Hei-land durch sein Hinabsteigen in die Vorhölle auf's Neue s e i n eLiebe, Macht und Herrlichkeit zu erkennen gab, daszeigen uns die beiden heiligen Väter der Kirche, Chprianund Johannes Dam a s cen us, in folgenden Beispielen oderGleichnissen. Ter heilige Cyprian schreibt: „Wenn einmächtiger König eine Stadt oder Festung einnimmt, wo dieSeinigcn gefangen liegen, so ist es gewiß ein Zeichen derfreundlichsten Herablassung und Liebe, wenn er nach Erobe-rung der Stadt oder Festung selbst in die Gefängnisse geht,die Ketten und Bande auflöset, und die Gefangenen heraus-führt; Jedermann wird seinen Edelmnth und seine Liebe prei-sen. Gerade so verhält es sich mit Christus, da er hinab-sticg zur Hölle; er ging nicht hinab aus Zwang als Ge-fangener, sondern aus Liebe als Sieger und Befreier."—Und der heilige Johannes Damascenus fügt bei: „Diemit dem göttlichen Worte vereinigte Seele stieg deßwegen zuunterst hinab, damit, gleichwie Denen, welche sich noch aufErden befanden, die Sonne der Gerechtigkeit aufgegangcnwar, sie auch Jenen, die unter der Erde in den Finsternissenund im Schatten des Todes fassen, leuchten möchte; und gleich-wie er den Gefangenen, die auf Erden waren, Entlassung,den Blinden das Gesicht zur frohen Botschaft verkündet hatte,so thut er es auch au Denen, die zu unterst waren, auf daßsich vor ihm jedes Knie beuge im Himmel, aufErden und unter der Erde." — Siehe, mein Christ!so zeigt sich doch überall Gottes Liebe, Macht und Herrlichkeit,auf daß du ihn immer wieder auf's Neue lieben, anbeten undverherrlichen mögest!
Fr. Wozu soll uns das Hinabsteigen Jesu in dieHölle vorzüglich aneifern?
AntW. Das Hinabsteigen Jesu in die Hölle soll unsvorzüglich dazu aneiferu, daß wir jetzt im Leben öfter demGeiste und Herzen nach in die Hölle hinabsteigen, damitwir nicht nach dein Tode hinuntergestürzt werden.
Belehrung. Nicht in die Vorhölle, in welche ChristusHinabstieg, müssen wir recht oft im Geiste hinabsteigen; (denndiese hat aufgehört zu sein), sondern in die eigentliche Hölle,wo die Verdammten ewig brennen und seufzen, in den Ortder Qualen, in den Abgrund des Elends, wo Gott die Tod-sünde ewig straft, da müssen wir uns oft im Geiste hinver-setzen; eine solche Betrachtung wird uns heilsam sein. Einfrommer Lehrer sagt deßhalb: „Durch das Feuer wird derhungrige Löwe vom Raube zurückgescheucht, und durch leb-hafte Vorstellung der höllischen Flammen wird der erboßteSünder von seiner Gottlosigkeit abgehalten." „Das Feuerder sündhaften Lust," sagt Tertnlliau, „wird oft gelöschtdurch den Gedanken an das Feuer in der Hölle." Ebensoschön schreibt auch der heilige Chrysostomus: „Wer noch
außer der Hölle mit seinen Gedanken in die Hölle hinabsteigt,der wird gewiß nicht in die Hölle gestürzt." Und der hei-lige Bernhard ermahnt uns: „Steige in deinem Leben indie Hölle hinab, auf daß du nicht nach deinem Tode hinab-steigen mußt!"
Beispiel und Anwendung. Der Abt auf dem BergeSinai, Johannes Climakus, sah einst den Klosterkoch,der sonst immer ungemein fröhlich war, an dem flammendenHerde in der Küche schmerzlich weinen, und fragte ihn lieb-reich: „Warum weinest du, geliebter Bruder?" — „Ach!"antwortete der gute Mann, „wenn ich dieses hochauflodernde,prasselnde Feuer so ansehe, und die Hitze, wiewohl noch ineiniger Entfernung, kaum ertragen kann, so gedenke ich anjenes ewige Feuer, von dem Christus der Herr sagt, daß esnie erlischt; und da beweine ich denn Diejenigen, die, gleichdem reichen Manne im Evangelium, in jenen Flammen eineso unaussprechlich große Qual leiden!" — O daß auch wirmit diesem frommen Klosterkoche in der Einfalt des Herzensoft zur Hölle hinabsteigen und dort jenes hochauflodernde undprasselnde Feuer betrachten möchten! Ein heiliger Schauder würdeunsere Seele ergreifen und heilsam auf unser Inneres wirken!
Legende: Die heilige Jnliana, Jungfrauund Märtyrin, (ch 304.)
Auch-die heilige Juli ana, deren Fest heute inder Kirche begangen wird, gedachte oft im Leben derHöllenstrafen und wollte daher lieber sterben, als sün-digen, Sie war von heidnischen Eltern zu Nikomediageboren und zog bald durch ihre edle Geburt und ihreblühende Schönheit die Augen der vornehmsten Jüng-linge auf sich. Unter diesen war auch Eulesius, einvornehmer Römer, dem sie von Seite ihrer Eltern schonlange bestimmt zu sein schien, und der nun, da er zur