Am Feierabende
Siebemmdvierzigstes Lesestück.
Am Feierabende des 16. Februar.
Fünfter Glaubensartikel:
„Abgestiegen zu der Hölle, am dritten Tage wieder auferstandenvon den Todten."
Jesus in der Vorhklle.
Fr. Wohin begab sich die Seele Jesn nach derTrennung von dem Leibe?
Antw. Sie stieg in Vereinigung mit der Gottheit,die auch mit dem Leibe im Grabe verbunden blieb, zurBorhölle hinab.
Belehrung. „Christus ist abgestiegen zu derHölle," dieses will sagen: seine Seele ist nach seinem Todein die Vorhölle gegangen, d. i. in jenen Ort, der sonst auch„Schooß Abrahams" genannt wird, und wo die Seelen derGerechten anfbehalten wurden, weil der Himmel noch ver-schloßen war. — Man unterscheidet nämlich drei Orte,in denen die Seelen, welche die Seligkeit noch nicht erlangthaben, nach dem Tode aufbehalten werden. „Es gibt er-stens, wie der römische Katechismus sagt, ein äußerstschreckliches und finsteres Gefängniß, in welchem die Seelender Verdammten in einem ewigen und unauslöschlichen FeuerZugleich mit den unreinen Geistern gequält werden, welches
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auch das höllische Feuer, der Abgrund und im eigentlichenSinne die Hölle genannt wird. Zweitens gibt cs ein Fcg-fcuer, in welchem die Seelen der Frommen bis auf eine be-stimmte Zeit gestraft und gereiniget werden, damit ihnen derEingang in das ewige Vaterland geöffnet werden könne, inwelches nichts Unreines eingeht. Eine dritte Art Wohnungendlich ist jene, in welcher die Seelen der Heiligen vor derAnkunft Christi des Herrn aufbehalten wurden, und dort,ohne einen Schmerz zu empfinden, der seligen Hoffnung ihrerErlösung harrend, eine ruhige Wohnung genossen. Die See-len dieser Frommen nun, welche im Schooße Abrahams denErlöser erwarteten, hat Christus der Herr, als er zur Höllehinabfuhr, befreit."
Fr. Warum wollte Jesus zur Hölle hinabsteigen?
Antw. Besonders aus folgenden zwei Gründen: 1)um die Seelen der Gerechten zu trösten, zu befreienund in den Himmel einzuführen, 2) um auch dort inder Unterwelt seine Liebe, seine Macht und Herrlichkeitzu zeigen.
Belehrung. Der göttliche Heiland wollte in der Vor-hölle vor Allem 1) die Seelen der Gerechten trö-sten, befreien und in den Himmel entführen. „Erstieg allein zur Hölle hinab," sagt der heilige Ignatius,„brachte aber Viele mit sich aus der Hölle zurück undführte sie zum Himmel." Als der göttliche Erlöser in derVorhölle erschien, wurde wahrlich der Kerker zu einem Pa-radiese. Denn wie groß mag wohl der Jubel gewesen seinunter den Patriarchen und Propheten, die nun einmal denheiß ersehnten Erlöser vor sich sahen! Welche Freude, welcherTrost mußte der Anblick Jesu Christi nicht sein für unsereStammeltern Adam und Eva, für den frommen Vater Noe,für die heiligen Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob, fürMoses, für den frommen Dulder Job, für den großen Büs-ser und König David, für die heiligen Propheten und Leh-rer, für alle frommen und gottesfürchtigen Seelen, die wohlunzählig oft seufzten: „Thauet, Himmel! den Gerechten, Wol-ken! regnet ihn herab!" — Durch sein Hinabsteigen in dieVorhölle wollte Jesus aber auch 2) dort in der Unter-welt seine Liebe, Macht und Herrlichkeit zeigen,auf daß sich vor ihm „alle Knie beugen Derer, die im Himmelauf der Erde und unter der Erde sind." (Phil. 2, 10.)Darum heißt es im römischen Katechismus: „Wer sollte hiernicht die außerordentliche Güte Gottes gegen das menschlicheGeschlecht bewundern und anstaunen, der nicht nur den bit-tersten Tod für uns leiden, sondern auch in die Tiefen der