114 Erstes Hauptstück. Was wir dem göttlichen Heiland für seinen Versöhnungstod schuldig sind.
aus Liebe zu deiner Liebe sterben möge, da du dich gewür- worden, o Christ! (so ermahnt uns eindigt hast, aus Liebe zu mir zu sterben!" Außerdem sollen frommer Lehrer der Kirche) so denke beiwir aber Kreuz und Leiden gerne auf uns nehmen und wil- an den Faustschlag in deines Er-,
lig ertragen, auf daß wir so dem göttlichen Heilande ^
Nachfolgen. Wie sieht es da ans, mein Christ-duldest du losers Angesicht! WeG du nicht aus, mchtgerne? Nimmst du jedes Kreuz mit Dank und Liebe aus fl^h "'fl Stricke, die deines,
Gottes Hand an? Möchtest du doch jenem frommen Ein- Erlösers Hände umschnüren! Bist du vonsiebter gleichen, welcher einst nach Alexandrien auf den Jahr- Kopfweh hart gequält, so sieh auf deines
markt ging! Er kam nämlich zu einem Kramer, welcher lau- EickiffxrK dörnerne Krönet Behagt dir deine Speise nicht, soter Kreuzleni von Gold und Silber feil hatte. Wohl hatte , . ,, , , , ... „ , , ,, , .
er sich gerne eines kaufen mögen; nur besorgte er, es möchte S^nke seines Myrrhen- und Gallentrankes'. Ist d.r demsein Geld nicht ausrcichen. Er nimmt eines in die Hand Lager zu hart, dein Leiden zu schmerzlich, so betrachte das
und fragt, wie theuer er dieses gebe? Der vermeintliche Krä-mer sagt, er verkaufe keines, sondern verschenke sie nur. Daerwidert der Einsiedler voll Freude: „So ist gut kaufen,wenn man Nichts bezahlen darf." Er bedankte sich höflich,schiebt es in seinen Sack und eilet nach Hause, während derKrämer ihm nachrief: „Das ist gut, Bruder! wenn manfür das Kreuz dankt." Am andern Tage bekam der Einsied-ler das Fieber, wurde ganz traurig und wollte mit seinemKreuzlein keine rechte Freude mehr haben. Er nahm dasselbein seine Hand, besah es nach allen Seiten hin und fandnach der Länge mit ganz kleinen Buchstaben diese Worte ge-schrieben: „Das viertägige Fieber." Alsbald merkteer, wo das Krcuzlein mit diesen Worten hinaus wollte. Nach-dem ihn das Fieber verlassen hatte, kehrte er wieder auf denMarkt zurück, um seinen Krämer aufzusuchen. Aber allesSuchen war vergebens. Da dachte er bei sich selbst, das müssekein irdischer, sondern ein himmlischer Handelsmann gewesensein. Ruhig ging er wieder nach Hause, dankte Gott nocheinmal für sein Kreuz und erduldete die Schmerzen des Fie-bers mit größter Geduld. Lange, gar lange war er krank.Endlich kam auch seine Erlösungsstunde; denn auf dieserWelt dauert Alles nur eine Zeit lang. Ein himmlischer Bote,welcher einst auf dem Markte das Krcuzlein ihm gegebenhatte, führte seine Seele zu den ewigen Freuden.
schauerliche Ruhebett des Kreuzes!"
Beispiel und Anwendung. Es darf uns daher nichtwundern, daß die Heiligen Gottes so oft und so gerne vor-dem göttlichen Heilande am Kreuze verweilten und da infrommer Betrachtung seiner Leiden Trost und Weisheit, Kraftund Stärke suchten und fanden. So sah man z. B. denheiligen Hieroynmus stets unter dem Kreuze schreiben undstudiren. Da fragte ihn Jemand: „ Warum er sich stets unterdem Kreuze aufhiclte?" Und er gab zur Antwort: „DieserBaum des Lebens gibt mir einen Schatten wider alles Böse,und er gibt mir Früchte, die mich stärken zu allem Guten.Unter diesem Schatten will ich immer bleiben und die süssenFrüchte genießen." — In der Betrachtung des bittern Leidensund Sterbens fanden die Heiligen Trost und Stärke, wie wirin der Leidensgeschichte der heiligen Märtyrer Hipparchusund Philotheus ersehen. (Sieh das vorhergehende Bild!)Als nämlich Kaiser Galerius Maximian als Sieger aus Persienheimkehrte, machte er im Jahre 297 zu Samosata in SyrienHalt, um dort das fünfzigste Jahr seiner Regierung zu feiern.Alle Bewohner der Stadt erhielten Befehl, sich in den Tempelder Fortuna zu begeben, um daselbst den Göttern zu opfern.
gen Liebe und Dankbarkeit, sowie zur treuen Nachahm-ung Christi des Gekreuzigten ermuntern?
Antw. Durch öftere und fleißige Betrachtung desbittern Leidens und Sterbens Jesu Christi.
Belehrung. Nichts kann den Menschen dem göttlichen
Heilande näher bringen, als die fleißige Betrachtung seiner Stärke, Weisheit und Bcseligung in der fleißigen BetrachtungLeiden. Darin findet der Unglückliche Trost, der Sünder Be- des bittern Leidens und Sterbens Jesu Christi und sei über-seligung, der Lern- und Heilsbegierige wahre Weisheit; dem zeugt, daß auch du, wie alle Heiligen, dieses Alles bei JesusFrommen ist diese heilige Betrachtung das liebste und segens- ^ Kreuze finden werdest.
reichste Gebet, dem Gerechten der Spiegel der Geduld und Legende: Der h eilige Priester und Märtyrertreuen Ergebung in Gott. — Darum ruft der heilige Bern- Valentin (fl 273)
hard auS: „Die Leiden des Herrn betrachten, nenneich 3 ^i^)falls in der Betrachtiing des bittern Leidens
an--«.-, - -L ^ ^ ^ und Sterbens Jesn Christi seine Freude und seinen Trost,
Weichen; m ihnen finde ich d.e Reichthümer des Heiles und ^ ^aß er muthig dem Martertode entgegenging. Er war
die Fülle der Verdienste; aus ihnen schöpfe ich bald heilsame Priester Lei der christlichen Gemeinde zu Rom und hatteBitterkeit, bald den süssesten Trost." — „Bist du beleidiget durch seinen Eifer unzählig viele Seelen für das Chri-
Hipparchus und Philotheus, beide ausgezeichnet durchihre Geburt und ihre Würde, und seit einigen Jahren zumChristenthume bekehrt, entschlossen sich, während der ganzenFr. Wodurch können wir uns besonders zur inni- Dauer der Feste sich nicht öffentlich zu zeigen. Eingeschlossen
in dem Hause des Einen (es war das des Hipparchus), be-teten sie dort siebenmal des Tages vor einem an der gegenOrient gerichteten Wand aufgestellten Kreuze, und stärkten sichdurch Betrachtung des bittern Leidens und Sterbens JesuChristi zum Martcrthum. Und wie freudig und getröstetgingen sie nicht hin zur Richtstätte, um den Todesstreich zuempfangen! — So suche auch du, mein Christ! Trost und