112 Erstes Hauptstück. Wirkungen des bittern Leidens und Sterbens Jesu Christi.
Alles vertraute, der Trostlosen beizustehen. Mit himmlischerFreundlichkeit nahte er sich ihrem Krankenlager und sprach zuihr: „Für wen Wohl, meine Tochter! hat der Sohn Gottesden Kreuzestod erduldet?" Sie antwortete: „Für die Sün-der." — „Und wer bist du?" — „Eine große Sünderin." —„Wohlan denn," erwiderte der Heilige, „so ist das Paradiesalso dein!" Und diese Worte: „DasParadies ist also dein!"blieben ihrem Herzen so tief und beharrlich eingeprägt, daßsie von allen Anfällen des Kleinmuths frei, das freudigsteVertrauen bis zum letzten Augenblicke bewahrte. -— O sün-diges, Herz, verzage nicht! Wenn dich Kleinmüthigkeit odergar Verzweiflung wegen deiner großen und vielen Sündenbefallen will, so blick auf im Geiste der Buße und voll Ver-trauen zu Jesus am Kreuze; da hängt dein Heiland, der fürdeine Sünden gestorben ist! Verschmähe nur die Heilmittelder Buße nicht! Und bald wirst du weiß werden wie derSchnee, reingewaschen im Blute des göttlichen Lammes.
Fr. Warum werden aber so Viele nicht selig, wennChristus allen Menschen die ewige Seligkeit durch seinenErlösungstod verdient hat?
Antw. Weil sie ihrerseits nicht thun, was zurErlangung der Seligkeit nothwendig ist.
Belehrung. Gott, der uns ohne unser Zuthun er-schaffen und erlöset hat, will uns nicht ohne unser Zuthunselig machen; es fehlt also auf unsrer Seite, wenn wirnicht selig werden. Gott hat uns Alle erlöst; aber Viele neh-men die angebotcne Gnade nicht an, wirken nicht treulich mitderselben, wollen das nicht thun, was zur Seligkeit noth-wendig ist; sie lassen es fehlen am Glauben, an Beobach-tung der Gebote, am eifrigen Empfang der heiligen Sakra-mente re., und so haben sie auch keinen Thcil an den Ver-diensten Christi. Die heilige Brigitta zeigt uns dieß infolgendem Gleichniß: „Ein Verdammter ist vor dem Herrnwie eine unzeitige Frucht der Mutter, welche für dieselbenicht weniger Schmerzen leidet, als für die, welche lebendigaus ihrem Leibe kommt. -— Ebenso hat Christus den Ver-dammten um ebendenselben Preis und mit ebenso großenbittern Leiden erlöset, als einen aus den Heiligen; aber derVerdammte achtete es nicht. Gleichwie nun die unzeitige Fruchtweder eine Süßigkeit von der Muttcrbrust, noch Trost vonihren Worten, noch Wärme von ihrem Herzen genießt; ebensowird die in Unbußfertigkeit verstorbene Seele nie die Süßigkeit
Das Keuz ist dir, wie du dem Kreuze bist:
Es ist dein Feind, wenn's dir zuwider ist;
Doch wenn man es umfaßt und liebt,
Das Kreuz uns Gott und alle Gnaden gibt.
Legende: Der heiligeGregor II., Papst. (H731.)
Dieser große und eifrige Diener Gottes, ein gebornerRömer, hatte die beseligenden Wirkungen desbittern Leidens und SterbensJesu an sich selbsterfahren, und wünschte daher Nichts sehnlicher, als daßauch Andere, ja die ganze Welt dieselben an sich erfah-ren möchte. Sobald er im Jahre 715 den päpstlichenStuhl bestiegen hatte, war es ebendeßwegen sein eifrig-stes Streben, allenthalben Jesum den Gekreuzigten pre-digen zu lassen, damit Alles der Früchte des Erlösungs-todes theilhaftig werden möchte. Er war cs, der sich durchVerbreitung und Befestigung des Christenthums in un-serm deutschen Vaterlands, indem er den heiligen Cor-binian und den heiligen Bonifazius als Glaubensbotenhiehcr sandte, einen unsterblichen Ruhm erwarb. Erentschlief selig im Herrn im Jahre 731. Das römischeMarthrologinm feiert sein Andenken am dreizehntenFebruar.
Gebet. Laß, o göttlicher Erlöser! dein bitteresLeiden und Sterben an uns nicht verloren sein, son-dern verleihe uns auf die Fürbitte des heiligen PapstesGregorius, daß wir die beseligenden Früchte desselben
der Auserwählten haben; denn ihre eigene falsche Süßigkeitgefiel ihr mehr. Sie wird also hiukommen, wo man die
Mißgeburten hinwirft, und da wird sie ewig in ihrem Tode sorgfältig benützen möchten zum Heile unserer unsterb-bleiben, weil sie nicht im Lichte und Leben Jesu leben lichen Seele. Amen.
wollte." — Gar Viele werden der Früchte des Kreuzes nicht -
theilhaftig, weil sie Feinde des Kreuzes sind.