Am Feierabende des 13. Februar.
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fugt bei: „Ehe das Kreuz war, gab es auch noch keine Leiterzum Himmel; darum konnte weder Abraham, noch Jakob, nochDavid, noch auch irgend ein anderer Mensch dorthin gelangen.Nun aber ist diese Leiter aufgestellt, das Kreuz ist errichtet,und der Eingang zum Himmel steht offen." Daher schreibtschcn der heilige Paulus (Hebr. 10, 19—20.): „Wir habenzuversichtliche Hoffnung, in das Heiligthum (den Himmel) durchduz Blut Christi einzugehen, wohin er uns einen neuen undlebendigen Weg bereitet hat." — 3) Durch sein bitteresLeiden und Sterben hat endlich der göttlicheHeiland dem bösen Feinde alle Macht, und demTode alle Furchtbarkeit benommen nnd uns reich-liche Gnaden verdient, damit wir heilig undselig werden können. „O meine Brüder!" ruft unsdeshalb der heilige Bernhard zu, „wer das Kreuzholzliebt und sammelt, dem sprosset das Leben, dem liefert esHeiterkeit, dem träufelt das Oel der Freude, dem gibt esden Balsam der geistlichen Gnadengaben. Es ist kein wilderBaum, es ist für den, der es umfasset, der Baum des Lebens,ein frnchtreicher, ein heilbringender Baum."
Beispiele und Anwendung. Soll ich dir, meinChrist! diese beseligenden Wirkungen auch noch in Beispielenzeigen? Nun so höre! Ein christlicher Missionär erklärte sei-nen unwissenden und ungelehrigen Zuhörern das große Ge-heimnis; der Erlösung und zeigte ihnen vor Allem die wun-derbaren Wirkungen des Kreuztodcs Christi, wie wir nämlichdurch das Blut des Erlösers von unfern Sünden erlöst, reingewaschen worden sind. Er bot Alles aus, um ihnen rechtverständlich zu werden, und ließ sich zu ihnen, wie zu Kin-dern herab. Einst kam er auf die Kanzel mit einer Kiste,worin allerlei Gcräthe waren. Er zeigte ein Messer, dasganz mit Rost überzogen war. Dann brachte er ein kleinesgläsernes Fläschchen zum Borschein, ließ einige Tropfen aufdie Messerklinge fallen, und im Augenblicke war sie spiegel-blank und der Rost verschwunden. „Sehet, sagte er nun,so unrein und befleckt, wie dieses Messer, war des Men-schen Herz durch die Sunde, aber durch daSBlut Christiistcs gereinigt worden, so daß es hell und glän-zend erscheint." — Alsdann fügte er bei: „Und nun istuns der Himmel wieder geöffnet, die Hölle und der Tod ist unsnicht mehr furchtbar; denn wir Alle sind rein gewaschen im Blutedes Lammes, und am Kreuze ist besiegt worden der Tod unddie Hölle." — Ja wahrlich, seitdem Christus am Kreuze ge-storben ist, dürfen wir den Tod nicht mehr fürchten. Derheilige Karl Borromäus besaß ein sehr schönes Bild, einMeisterstück, das den Tod in seiner ernstesten Gestalt dar-stellte als den Knochen- und Sensenmann. Der Heilige hattedieses Bild in seinem Schlafzimmer aufgestellt, um durchden Anblick desselben wenigstens alle Tage einmal an denTod erinnert zu Weden. Jndeß fand er es seinen Ansichtennicht vollkommen entsprechend, und er ließ deßhalb einen
Maler kommen, dem er den Auftrag gab, das Bild zu ver-bessern. Der Maler entschuldigte sich bescheidentlich, daß erNichts daran zu verbessern fände, auch wohl nicht wagen könnte,an das Werk eines so großen Meisters Hand zu legen. Alleinder Erzbischof bestand auf seinem Willen. „Diese Sense hier,"sprach er, „die der Saturn oder Tod in der Rechten trägt,hat das Heidenthum ihm in die Hand gegeben; ich wünscheaber, daß du sie tilgest und in die Linke hinüber malest, indie Rechte aber einen Schlüssel." —- Welchen Gedanken wollteer damit andeuten? Seitdem Derjenige, welcher das Ziel unddie Erfüllung des (Mosaischen) Gesetzes ist, die alte Nachtdes Todes durchdrungen hat, ist der Tod erst eine Pforte ge-worden, die aus dem Kerker der Welt oder des entzweitenund leidenvollen Menschenlebens in die ewige Heimath desFriedens sich öffnet. Ob also auch der Tod die furchtbarzertrennende Waffe führt, so hat diese doch ihre Schrecknisseverloren, ihre Macht ist gebrochen, und die Sense dem linkenArm übertragen, weil der Tod des Erlösers den Eingang indas Reich der geistigen Lebensfülle uns aufgethan hat.
Fr. Wem sollen diese kostbaren Früchte des bitternLeidens und Sterbens Jesu Christi zu Theil werden?
Antw. Allen Menschen ohne Ausnahme;denn Christus hat für Alle gelitten, ist für Alle gestorben.„Christus ist die Versöhnung für unsere Sünden, nichtnur für unsere Sünden, sondern auch für die Sün-den der ganzen Welt." (1. Joh. 2, 2.)
Belehrung. Christus will uns Allen die beseligendenWirkungen seines Leidens und Sterbens zuwenden; denn erhat für uns Alle gelitten, ist für uns Alle gestorben,und hat sonach von seiner Seite alle Menschen ohneAusnahme erlöst; „für uns Alle hat Gott seinen ein-gebornen Sohn hingegeben," sagt der heilige Apostel Paulus(Röm. 8, 31.); „Einer ist für Alle gestorben" (2. Cor.5, 14.); „für Alle hat sich Jesus Christus hingegebenzum Lösegeld." (1. Tim. 2, 6.) Könnte also diese Wahr-heit noch deutlicher ausgesprochen werden? Christus hat sonachdie Gnade und ewige Seligkeit nicht nur Denjenigen verdient,die wirklich selig werden, sondern allen Menschen ohne Aus-nahme. Welch ein Trost, welch ein beseligender Gedanke istdieß nicht für uns Alle, selbst auch für den größten Sünder!
Beispiel und Anwendung. In der Lebensbeschrei-bung des heiligen Philippus Nerius wird von einer got-tesfürchtigen Klosterfrau erzählt, die in ihren letzten Lebens-tagen von ungemeinen Versuchungen des Kleinmuths, ja derVerzweiflung überfallen, in immerwährende Klagen sich er-goß, daß sie von Gott verworfen sei und kein Heil mehr zuhoffen hätte. Als die vielfältigen Bemühungen, sie zur Höhedes Vertrauens und des Friedens wieder zu erheben, alle ver-geblich waren, bat man endlich den heiligen Philippus,als den apostolischen Mann, auf dessen Kraft und Weisheit