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Erstes Hauptstück. Wie und warum Jesus für uns litt und starb.
zu können, zog sie sich in ein Kloster zurück und lebtedaselbst achtnnddreißig Jahre lang in steter Bezähmungihrer Sinne und in frommer Betrachtung des leidendenund sterbenden Heilandes. Im Jahre 470 starb sie einesheiligen Todes.
Gebet. Vom Gefühle des innigsten Dankes undder tiefsten Reue durchdrungen, sehen wir dich, o gött-licher Heiland! aus Liebe für uns am Kreuze sterben.Laß dein Leiden und Sterben uns zum ewigen Heilegereichen, wie deiner frommen und heiligen DienerinEuphrosina! Um dieses bitten wir dich, der du lebestund regirest von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
Dreinndvierzigstes Lcsestück.
Am Feierabende des 12. Februar.
Wie und warum Jesus für uuS litt und starb.
Fr. Wie litt der göttliche Heiland?
Antw. Er litt freiwillig und geduldig.
Belehrung. Christus war nicht gezwungen, zuleiden und zu sterben; er hat sich all diesen Leiden und selbstdem Tode freiwillig unterworfen: „Er ist geopfert wor-den, weil er selbst wollte." (Jsai. 53, 7.)
Fr. Warum hat Christus leiden und sterben wollen?
Antw. Christus hat leiden und sterben wollen, umder göttlichen Gerechtigkeit für unsere Sünden genugzu-thnn und uns dadurch zu erlösen und selig zu machen.
Belehrung. Durch seinen freiwilligen Gehor-sam bis zum Tode am Kreuze hat Christus der gött-lichen Majestät für die durch unfern Ungehorsam ihr zuge-fügte Beleidigung überschwänglichen Ehrenersatz oder Gcnug-thuung geleistet und uns so von der verschuldeten, ewigenStrafe erlöst. Daher schreibt der heilige Paulus (Rom. 5,19.):„Gleichwie durch den Ungehorsam des Einen Menschen (Adam)die Vielen zu Sündern geworden sind; so werden auch durchden Gehorsam des Einen (Jesus Christus) die Vielen zuGerechten gemacht." — Diese Geuugthuung konnte aber nurChristus leisten, weil die der unendlichen Majestät Gotteszugefügte Beleidigung eine Geuugthuung von unendlichem Wertheforderte; eine solche Geuugthuung ist aber die GeuugthuungChristi, weil eine göttliche Person sie leistete; denn je höherdie Person ist, welche genugthut, desto größer ist auch derWerth und das Verdienst der Genugthuung. Ja, auch dasgeringste Leiden des Gottmenschen wäre an und für sich ge-nug gewesen, weil ein jedes seiner Werke von unendlichemWerthe ist; „das geringste Leiden, die geringste Demüthig-
ung Jesu Christi," sagt der heilige Thomas, „wäre hin-reichend gewesen, wegen der unendlichen Würde seiner Personzur Erlösung des Menschengeschlechtes; allein was der Er-lösung genügte," fügt der heilige Chrysostomus bei, „dasgenügte seiner Liebe nicht."
Fr. Warum litt aber Christus so Vieles?
Antw. Damit wir um so besser die Größe seinerLiebe und die Strafwürdigkeit der Sünde erkennen undauch unser Kreuz um so geduldiger tragen.
Belehrung. Das Leiden und Sterben Jesu predigtuns 1) die Größe seiner Liebe. „Wer kann das Ueber-maß der Erbarmung und Liebe fassen," schreibt der hei-lige Bernhard, „welches darin liegt, daß der Herr derMajestät sich herabgelassen hat, Fleisch anzunehmen, sich demTode zu unterwerfen und den schmachvollen Tod am Kreuzezu erdulden?" Ja, „eine größere Liebe hat Niemand, sagtChristus selbst, „als Derjenige, der sein Leben hingibt fürseine Freunde;" unermeßlich muß also die Liebe des göttlichenHeilandes sein, da er sein Leben nicht nur für seine Freunde,sondern sogar für die Sünder, also für seine Feinde hinge-geben hat! — Das Leiden und Sterben Jesu predigt uns