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Am Feierabende des 11. Februar.
Fr. Welche Gefühle soll der Anblick des sterbendenErlösers am Kreuze in uns hcrvorbringen?
Antw. 1) Die Gefühle der tiefsten Anbetung und2) der innigsten Nene.
Belehrung. Wenn wir die unbegränzte Liebebetrachten, aus welcher Jesus für uns am Kreuze starb, somüssen wir ticfbeschämt in den Staub niederfallen und dieseunendliche Liebe unsers Erlösers an beten. Es muß unsda ergehen, wie dem heiligen Ambrosius, der beim An-blick des gekreuzigten Heilandes ausruft: „Vieles, o Herr!hast du für mich gethan, und ich beugte meine Knie nicht;du hast die Welt erschaffen und mich, und hast zum Erstender irdischen Geschöpfe mich gesetzt, und ich beugte die Knienicht, dich anzubeten. Aber als ich dich sah gedemüthigt,verwundet, gekreuziget und gestorben für mich, da konnte ichnicht länger stehen, sondern vom Gewichte so großer Liebeüberwunden, fiel, ich ans die Knie und betete dich an!" —Wenn wir aber ferner bedenken, daß Jesus um unsererSünden willen am Kreuze sterben mußte, so muß derAnblick des Gekreuzigten jeden Sünder mit dem innig-sten Reueschmerz erfüllen.
Beispiele und Anwendung. Man traf einst denheiligen Isidor, Priester und Einsiedler von Skete, die Augenin Thronen gebadet, an. Der Bruder, welcher ihn in die-sem Zustande sah, fragte ihn, warum er weine. „Ich beweinemeine Sünden," sagte er, „und ihre Abscheulichkeit, da umihretwillen mein Gott und niein Heiland am Kreuze sterbenmußte. Hätten wir Gott auch nur ein einziges Mal be-leidigt, so würden wir doch nicht Thranen genug haben, umdie Abscheulichkeit unserer Sünden und unfern so großen Un-dank zu beweinen." — Als einst die heilige Theresia inihr Betzimmer ging, worin sich ein Bild befand, das Jesummit Wunden bedeckt und am Kreuze sterbend vorstellte, em-pfand sie einen so heftigen Schmer; über ihre Sünden, daßsie sterben zu müssen glaubte; sie warf sich auf die Knie undbat Jesum inständig unter Thranen, er wolle niemals zu-lassen, daß sie neuerdings eine Sünde begehe, sondern ihrdie Gnade verleihen, alle ihre bösen Neigungen und schlim-men Gewohnheiten zu unterdrücken. „Mein Gebet," sagtesie, „hatte guten Erfolg; denn von dieser Zeit an wurde ichbesser, und empfing große Gnaden, um alle meine bösenNeigungen zu bekämpfen und zu besiegen." — Wehe aber denSündern, auf die der Anblick des Gekreuzigten keinen Eindruckmacht! Der Dichter Torquato Tasso singt voll Wehmuth,Worte, die jeder Sünder nachsprechen und beherzigen sollte:„Wo Du, o Herr! daS Erdreich ließest tränkenMit tausend Strömen durch Dein heilig' Blut,
Da Hab' ich heut' so bitter'm AngedenkenZwei Thränenbäche nicht zu weih'n den Muth!
O kaltes Herz! kannst du dich noch bedenken,
Dich aufzulösen ganz in Thräncufluth?
O hartes Herz! wirst du nicht ganz zerrissen?
Wer jetzt nicht weint, wird ewig weinen
m üssen!"
Fr. Konnte denn Jesus leiden und sterben, da erGott war?
Antw. Er litt und starb nicht als Gott, sondernals Mensch.
Belehrung. Christus hat gelitten, Christus ist gestor-ben, aber nicht als Gott, sondern nur als Mensch, d. h.seiner menschlichen Natur nach; denn die Gottheit kann nichtleiden und nicht sterben. „Da die Gottheit keinem Leiden zu-gänglich ist," sagt der heilige Johannes Damascenus,„so litt sie auch keineswegs mit dem Leibe Jesu. . . . Wieein von der Sonne beleuchteter Baum durch die Axt gefälltwird, die Sonne aber von aller Verletzung frei bleibt, soblieb auch die Gottheit in ihrer persönlichen Einigung mitder Menschheit von den Leiden unberührt, die diese letzteretrafen." — Sehr gefehlt wäre eS also, ja ganz und gargottlos, wenn man hieraus ableiten wollte, daß Christusnicht Gott sei, weil er am Kreuze gestorben ist; denn geradebei seinem Leiden und Sterben hat er es klar bewiesen, daßer auch zugleich Gott sei; er hat ja durch sein bloßes Wortdie Kriegsknechte zu Boden gestreckt, den Schacher bekehrt undseinen Tod durch die größten Wunder verherrlicht, so daßman mit dem heidnischen Hauptmann ausrufen muß: „Wahr-haftig, dieser ist Gottes Sohn."
Legende: Die heilige Jungfrau Euphrosina.
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Die h. Euphro-sina, deren Nameuns heute in der Le-gende begegnet, wardie Tochter reicherEltern zu Alexandrienin Aegypten. In derBetrachtung des ster-benden Heilandesfand sie ihre größteSeligkeit; darin er-sah sie die unendlicheLiebe ihres Gottesund wurde so selbstimmer mehr vou Liebezu Jesus entflammt,so daß sie ihn alsbaldznm Bräutigam ih-res Herzens erwählte.
Um den Gefahren derWelt zu entgehen undnur für Jesus leben