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Erstes Hanptstück. Jesu Tod am Kreuze.
und zurückgezogenes Leben. „Die Einsamkeit," sagtesie ost, „ist ein Schutzengel der Andacht." Nach demBeispiele ihres Bruoers, des heiligen Benediktus,stanv sie einer Bersammlung gottseliger Jungfrauenvor, denen sie durch Wort und Beispiel den Weg zumHunmel zeigte. Nach einem srommen Leben entschliefsie sanft, 00 Jahre alt, im Jahre 543 als eine treueFreundin und Verehrerin des Kreuzes und Dessen,der ain Kreuze für uns starb. Der heilige Benedikt,welcher zu eben der Zeit, als seine Schwester verschied,in seiner Zelle dem (Gebete oblag, sah ihre Seele inGestalt einer Taube in den Himmel fliegen. Er lobteGott und brachte seinen Brüdern die Nachricht voneinem so glückseligen Tode.
Gebet. Stärke uns, o Gott! ans daß wir, wiedeine treue Dienerin Scholastika, das Kreuz liebendumfangen, der Welt absterben und nur dir dienenmögen. Durch Christum unfern Herrn. Amen.
Zw eiundv jetzigstes Lesestück.
Am Feierabende des 11. Februar.
Jesu Tod am Kreuze.
Fr. Wie endete der göttliche Heiland sein hei-liges Leben am Kreuze?
Antw. Nachdem er drei volle Stunden lang amKreuze die schwersten Martern ausgestanden und fürseine Mörver um Verzeihung gebeten hatte, rief erlaut: „Es ist vollbracht," und gab seinen Geist auf.
Belehrung. Auch am Kreuze noch hört Jesus nichtauf, Allen Gutes zu thun. Er fleht zu seinem himmlischenVater um Verzeihung für seine Mörder, verheißt dem reu-müthigen Schächer das Paradies und sorgt mit der zartestenLiebe für seine Mutter und für Johannes, die bis zum letztenAugenblicke bei ihm ausharrten. Bon der sechsten Stundeaber bis zur neunten ward eine große Finstcrniß über dieganze Erde. Und um die neunte Stunde rief Jesus mitlauter Stimme: „Mein Gott, mein Gott! warum hast dumich verlassen?" Und alsbald lief Einer herbei, nahm einenSchwamm, füllte ihn niit Essig, steckte ihn an ein Rohr undgab ihm zu trinken. Endlich ruft der göttliche Heiland so laut,daß Alle erstaunen: „Es ist vollbracht! Vater in deine Händeempfehle ich meinen Geist!" Er neigte sein Haupt Und gabseinen Geist auf. Und siehe, der Vorhang des Tempels zer-riß von oben bis unten in zwei Stücke, die Erde bebte, unddie Felsen spalteten sich. Die Gräber öffneten sich, und vieleLeiber der Heiligen, die entschlafen waren, kamen in die hei-lige Stadt und erschienen Vielen. Da nun der Hauptmann
und Jene, die bei ihm waren nnv Jesnm dewaeplen, vasErdbeben und das, was geschehen war, sahen, erschracken siesehr und sprachen: „Wahrlich, dieser ist GottesSohn gewesen." — Christ! das ist eine erschütterndeScene! Jesus stirbt für uns am Kreuze! Der Mund, der soviele Worte himmlischen Trostes gesprochen, verstummt; das Auge,das die Menschenkinder so mild und mitleidig angeblickt, erlischt;es bricht das gute Herz, das die armen Sünder so innig,wie noch kein anderes, geliebt hat; Jesus neigt, wie zum Ab-schied von dieser Welt, sein heiliges Haupt — und stirbt! —Der größte Wohlihäter und edelste Freund seines Volkes, dieUnschuld und Heiligkeit selbst, die Freude der Engel und derLiebling des ewigen Vaters — er stirbt des schmachvollstenund schmerzlichsten Todes um unserer Sünden willen. OSünde! — O Gerechtigkeit! Die ganze Natur ist bei die-sem unerhörten Ereigniß von Schauer durchdrungen. DieSonne verbirgt ihr Licht, die Felsen spalten sich, der Vorhangdes Tempels reißt von oben bis unten entzwei, sogar Todte stehenauf; sollte ein Menschcuhcrz dabei gleichgiltig bleiben können?