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Das Kreuz und seine Bedeutung.
Erstes Hauptstück.
ten die Ungläubigen, schlugen und rissen ihr alle Zähneaus und drahten ihr, sie lebendig zu verbrennen, wennsie Christum nicht abschwöre. Allein die heilige Jung-frau blieb standhaft. Nun zündeten sie außerhalb derStadt einen großen Scheiterhaufen an und drohten wie-derholt, sie lebendig hinein zu werfen, wenn sie vomGlauben nicht abstehe. Da verlangte die Märtyrin für-einige Augenblicke Ruhe, aber nicht aus Furcht, sondernum nochmal recht innig beten zu können. Hiedurch neu-gestärkt stieg Apollonia selbst muthig auf den brennendenScheiterhaufen. Staunen überfiel die Heiden bei demAnblick der heldenmüthigen Jungfrau, und Viele bekann-ten sich darnach zu dem Glauben, der allein solche Stärkeverleihen kann.
Gebet. Erfülle uns, Herr, himmlischer Vater!mit deiner Gnade, auf daß wir einmal anfangen, imGeiste der Busse uns selbst zu kreuzigen und lieber be-reit seien, wie die heilige Apollonia zu sterben, uls durcheine Sünde deinen göttlichen Sohn Jesum Christum auf'sNeue zu kreuzigen, der mit dir und dem heiligen Geistegleicher Gott lebt und regirt in Ewigkeit. Amen.
Emundvierzigstes Lesestück.
Am Feierabende des 10. Februar.
Das Kreuz und seine Bedeutung.
Fr. Warum wollte Jesus an das Kreuz angeheftetwerden? Warum wollte er am Kreuze sterben?
Antw. Weil Adam und Eva am Baume im Pa-radiese gesündigt haben, so wollte Christus uns erlö-sen am Baume des Kreuzes.
Belehrung. Das Kreuz schließt tiefe und wunderbareGeheimnisse in sich. Ehedem war es ein Schandpfahl, andem nur die verworfensten Menschen, z. B. Verbrecher undMörder, sterben mußten, und schon im Gesetze Moses (5. Mos.21, 23.) wird „Derjenige, welcher am Holzpfahle hängt,ein verfluchter Mensch" genannt. Seitdem aber Christus andiesem Schandpfahle leiden und sterben wollte, steht dasKreuz hoch und erhaben da als das Siegeszeichen der gött-lichen Liebe, als die herrlichste Zierde und der kostbarsteSchmuck der Erde, als die siegreichste Waffe gegen die Hölle,als das beseligendste Werkzeug unsers Heiles, als der mäch-tigste Anker unserer Hoffnung bei den Leiden und Trübsalendieses Lebens, als das Zeichen der Versöhnung für den un-glücklichen Sünder, und als der kräftigste Wanderstab fürAlle, welche die gefahrvolle Reise antreten in die Ewigkeit. —Darum begegnet aber auch unserm Blicke überall das Kreuz.Wir finden es auf den Gräbern der Todten und in den
Wohnungen der Le-bendigen, auf Gas-sen und Straßen,ausFeldern undWie-sen, auf Bergen undFelsen, in Thälernund Wäldern, aufden Thürmen undAltären der Kirchen;das Kreuz prangtals Zeichen der Ehreund des Ruhmes aufder Brust des ta-pfern Kriegers, desKönigs und Kaisers;das Kreuz ruht alsQuelle des Trostesin der Hand desSterbenden, als Palme des Friedens in der Hand des Da-hingeschiedenen! O heiliges, o mächtiges, o süßes Kreuz!Selig, wer die Geheimnisse des Kreuzes versteht!
Beispiel und Anwendung. Als man einst den hei-ligen Augustin fragte, warum denn Christus am Kreuzes-holz sterben wollte, so gab er die auf obige Frage gege-bene Antwort und fügte dann bei: „Wäre Christus z. B.gesteinigt oder mit dem Schwerte hiugerichtet worden, so müß-ten wir als Erinnerungszeichen an Christi Erlösungstod einSchwert oder einen Stein oder sonst ein derartiges peinlichesInstrument bei uns tragen, was etwas höchst Beschwer-liches, ja fast Unmögliches wäre. Gar leicht können wir hin-gegen ein Kreuzlein aus Holz oder anderm Materiale beiuns haben; ja, in Ermanglung desselben können wir dasheilige Kreuz auf unsere Stirne machen, und so beständigdas Werkzeug unseres Heiles mit uns herumtragen." — Siehealso, mein Christ, geleitet von seiner göttlichen Weisheit, sowievon seiner Liebe zu uns hat Christus der Herr den Tod amKreuze gewählt, damit wir das Kreuz, das Werkzeug unsersHeiles stets vor Augen haben und überall mit uns herum-tragen können. Welch eine Schmach ist es sonach, wenn manin den Wohnungen so vieler Katholiken weltliche, ja oft gott-lose Bilder finden kann, nirgends aber das Bild des Gekreu-zigten — nirgends ein Kreuz, das geheiligte Zeichen unsrerErlösung! Nicht so macht es der wahre Christ; ihm geht dasheilige Kreuz über alle Schätze der Erde.
Fr. Was ist sonach dem frommen Katholiken dasheilige Kreuz?
Antw. Es ist ihm ein unendlich kostbares Kleinod,weil Christus an demselben litt und starb; es ist ihmeine Quelle des Trostes im Leiden und im Tode, eine
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