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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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Am Feierabende

lischen Vaters war; ach, und ich arme Sünderin sollte vomKreuze hinweg verlangen? O das sei ferne von mir! Gernewill ich mit Christus am Kreuze hängen, weil cs Gott willund so lange er cs will! Gerne will ich aus Liebe zu meinemgöttlichen Erlöser dies; Alles und noch mehr leiden, da Er sounaussprechlich Viel für mich gelitten hat!" — Auf ähnlicheWeise litt und duldete auch die heilige Johanna vomAren;; sie war in ihren vielen Krankheiten allzeit fröhlich.„O könnte ich," sagte sie oft, „diese wenigen Tropfen Blutes,die mir noch übrig sind, aus Liebe zu dir, o Heiland derMt, vergießen! Noch mehr Kreuze, o Herr, noch mehr Peinenund Bitterkeiten, denn ich leide für dich, meine süße gekreu-zigte Liebe!" Als sie einmal, besonders in der Nacht, sehr-krank war, sagte sie: „O wie gut geht diese Nacht vorüber,kein Glied meines Leibes ist gesund, jedes Glied empfindeteinen andern Schmerz. O ich danke dir, mein Heiland, fürdieses bittere Leiden, es ist die größte Gnade meines Lebens.Wenn du mich leiden lassen willst bis an's Ende der Welt,ich dulde es mit unaussprechlicher Freude." Als ihre Mit-schwestern weinten über ihre Schmerzen, erwiderte sie: „OTöchter, lasset mich leiden, damit ich dem Erlöser, den ichempfangen habe, gleichförmig werde. Das Leiden ist dasschönste Lied, das ich dem Erlöser, meinem süßen Gaste,singen und aufspielen kann. O kreuzige mich, Jesu," fuhrsie fort, „aber du allein sei mein Kreuz! An dich will ichangenagelt, in dich will ich verwandelt sein. Lebendig willich begraben sein, aber in deinem göttlichen Herzen; im Fcg-feuer will ich sein mein ganzes Leben, aber im Fegfcuer dei-ner göttlichen Liebe." — O so lerne auch du, mein Christ!mit Geduld und Ergebung in Gottes heiligen Willen leiden;bleibe gerne am Kreuze, wenn es dein himmlischer Vater sohaben will! Glaube es nur sicherlich, auf die Kreuzigung wirdeinst auch die Verherrlichung, auf den Charfreitag der Oster-sonntag folgen.

Fr. Welche Entschlüsse sollen wir bei Betrachtungdes gekreuzigten Erlösers fassen?

Antw. Besonders folgende zwei: 1) daß wir ein-mal aufhören, Christum den Herrn durch unsere Sün-den aufs Neue ans Kreuz zu heften, und 2) daß wireinmal anfangen, im Geiste der Buße uns selbst zu kreuzigen.

Belehrung. Ach, wie viele Christen kreuzigen ihrenHerrn und Erlöser täglich auf's Neue durch ihre Sünden undLaster, Ihn, dessen Liebe keine Grenzen kennt! Welch einUndank! O meine christliche Seele! ich bitte und beschwöredich, kreuzige deinen Gott und Heiland nicht fernerhin durchdein gottloses Lasterleben, mache es nicht wie das undankbareJudenvolk, das den unschuldigen Heiland an das Kreuz ge-schlagen! Einen Andern aber kenne ich, einen Schuldigen;Den kreuzige! „Merke auf, meine Seele!" sagt der heiligeBernhard, „und bedenke es wohl! Ich kenne Jemanden,der seit vielen Jahren mit dir an einem Tische sitzt, Speise

des 9. Februar.

von deiner Hand empfängt und, so oft er will, mit dir rechtetund hadert. Nach angecrbtem Rechte ist er dein Knecht;allein weil du ihn allzu zärtlich verpflegest und jede Züchtig-ung ihm sparest, so hat er die Ferse gegen dich aufgehoben,hat dich in die Knechtschaft gebracht und herrschet über dichmit Grausamkeit. Er ist ein Freund der Welt, ein Ver-ächter Gottes, ein Anbeter seiner selbst, ein Sklave des Dä-mons; was scheint dir? Wenn du vernünftig urtheilst, someine ich, du wirst mit mir ausrufen: „Er ist des Todesschuldig, an's Kreuz mit ihm!" Verhehle dir's also nicht,schiebe es nicht auf, sondern kühn und standhaft hefte ihnan's Kreuz — züchtige, kreuzige deinen Leib!"

Legende: Die heilige Apollonia, Jungfrauund Märtyrin, (st 250.)

Heute begegnet uns in der Legende eine große undheldenmüthige Jungfrau, die heilige Apollonia, diees uns zeigt, wie wir uns selbst kreuzigen und aus Liebezu Jesus kreuzigen lassen sollen. — Um das Jahr 250erregten die Heiden in der Stadt Alexandria einen Auf-stand, bei dem sie gegen die Christen so unmenschlichwütheten, daß mehrere derselben, und unter ihnen auchdie heilige Apollonia, im grausamen Martertode vol-lendet wurden. Zwischen Abfall vom Glauben oder demmartervollsten Tode war den Christen die Wahl gelassen.Jedoch die Macht Jesu Christi bewies sich stark selbst indem sonst schwachen Geschlechte, wie das Beispiel derheiligen Apollonia zeigte. In den Götzentempel ge-führt und zur Verläugnnng des Glaubens und zum Gö-tzenopfer aufgefordert rief sie aus: „Die Götzen sind nurTeufel; aber Einer ist der wahre Gott, Jesus Christus,und nur Er darf angebetet werden!" Hierüber regrimm-