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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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102
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Erstes Hauptstück. Die Leiden Jesu bei seiner Kreuzigung.

wir so freudig und unverdrossen, wie du, unserm gött-lichen Heiland Jesus Christus das Kreuz nachtragen mö-gen. Amen.

Vierzigstes Lesestiick.

Am Feierabende des 9. Februar.

Die Leiden Jesu bei seiner Kreuzigung.

Fr. Was geschah mit dem göttlichen Heilande wei-ter, nachdem er das schwere Kreuz getragen hatte?

Antw. Man heftete ihn unter namenloser Grau-samkeit an das Kreuz.

Belehrung. Nachdem der göttliche Heiland, ganz ent-kräftet und niedergebeugt von der schweren Last des Kreuzes,auf Golgatha (d. h. Schädelstätte) angekommen war, dagaben sie ihm, wie Jedem, der hingerichtet werden sollte,einen betäubenden Trank, um für die unnennbaren Schmer-zen der Kreuzigung unempfindlicher zu machen. Aber Jesuswollte mit klarem Bewußtsein leiden und sterben; deßhalbnahm er diesen Trank nicht. — Nun beginnt die Kreuzigung.Man entkleidet den unschuldigen Heiland, legt ihn auf's Kreuz,spannt mit aller Gewalt seine heiligen Hände und Füße ausund nagelt sie mit unmenschlicher Grausamkeit an das Holzdes Kreuzes. Nun wird das Kreuz in der Erde befestigt,und der leidende und sterbende Erlöser hängt zwischen Him-mel und Erde, blutend aus tausend Wunden, gequält vonunaussprechlichen Schmerzen, verspottet von seinen Feinden.Welch ein Anblick ist dieß nicht für jedes fühlende Herz! IhrGerechten dieser Erde! blicket hinauf zu eurem gekreuzigtenHeilande und beklaget euch künftighin nicht mehr, wenn maneuch unschuldiger Weise verläumdet, lästert und verfolgt!Und ihr armen Sünder dieser Welt alle insgesammt! macheteuch auf und ziehet hin im Geiste gen Golgatha! Dort wer-det ihr Ruhe finden für euere Seelen; dort fließt ja derQuell des Lebens vom Kreuze herab. Badet euch im Blutedes Lammes, und der Wust der Sünde wird von euch fallen,und „ihr werdet weiß werden, weißer als der Schnee." —O schmerzlicher und tröstlicher Gedanke zugleich: „Christusam Kreuze!"

Beispiel und Anwendung. Wie groß müssen dieSchmerzen des göttlichen Heilandes bei der Kreuzigung ge-wesen sein, da seine Hände und Füße mit Nägeln durchbohrt,seine Glieder ausgespannt und seine Nerven auf das Schmerz-vollste ausgedehnt wurden! — Wir lesen in den Offenbar-ungen der heiligen Mechtildis, daß sie cinsteuS Christumgefragt habe, welches wohl bei seinem bittern Leiden undSterben die größten Schmerzen gewesen seien; und der gött-

liche Heiland habeihr darauf wehmü-thig geantwortet:

„Furchtbar warendie Qualen, die ichbei der Kreuzigungempfand, namenlosaber wurde derSchmerz, als manmich mit solcher Ge-walt ausspannte,daß man alle mei-ne Glieder zählenkonnte." (llik. 1.enp. 15.) — Ach!wer begreift diesenSchmerz?Die furcht-barsten Qualen, dieje ein Mensch er-leiden kann, sindwohl nur ein Schat-ten gegen Jesu Lei-den. Und du, o Christ! bebst schon vor dem geringsten Lei-den zurück!

Fr. Was sollen wir von Jesus dem Gekreuzigtenlernen?

Antw. Wir sollen von ihm leiden lernen; gerneund gottergeben sollen wir am Kreuze hängen, wenn esso Gottes Wille ist.

Belehrung. Christus hätte leicht vom Kreuze herab-steigen können; allein er wollte nicht, um uns zu zeigen,daß wir standhaft leiden und geduldig "am Kreuze hängenbleiben sollen, so lange es Gottes Wille ist. „Christus stiegnicht vom Kreuze herab," sagt der heilige Bernhard,damit Diejenigen nicht verstummen müssen, welche dein Ver-zagten und Unglücklichen zurufen: Bleibe, Weiche nicht vomKreuze! denn verstummen müßten diese Ermahnungen, wennman darauf antworten könnte: Auch Christus habe das seinigeverlassen!"

Beispiel und Anwendung. Eine gottselige Personlag, wie uns Labata erzählt, viele Jahre hindurch an einersehr schmerzlichen Krankheit darnieder. Da kam nun einmalzu ihr eine Freundin auf Besuch, um sie in ihren Leidenzu trösten. Voll Mitleids mit ven langwierigen und schmerz-lichen Leiden der frommen Dulderin sprach die Freundin zuder Schwergeprüften, indem sic auf das Kruzifix hindeutctc:„Bitte doch den Gekreuzigten um Erledigung von deinen Schmer-zen!" Da richtete sich aber die Kranke auf und sprach, wievon einem heiligen Zorne ergriffenWie? du zeigest mir dasKrucifix, und rathest mir, ich sollte den Gekreuzigten um Er-ledigung von meinen Schmerzen bitten? Er hängt am Kreuzeund verlangt sich nicht hinweg, weil es der Wille des himm-