Ivo
Erstes Hauptstück. Die Leiden Jesu bei seiner Kreuztragung.
des Lebens empfangen, wenn du hienieden mit Christusdie Dornenkrone getragen hast.
Gebet. Gerne wollen wir, himmlischer Vater! aufErden die Dornenkrone aus deiner allzeit liebevollen Va-terhand annehmen und sie mit Freuden tragen, wie derheilige Märtyrer Theodor von Heraklea. Stärke uns hiezu,o göttlicher Heiland, der du für uns gegeißelt und mitDörnern gekrönt worden bist. Amen.
Nemlilnddreißigstes Lesestück.
Am Feierabende des 8. Februar.
Die Leiden Jesu bei seiner Kreuztragung.
Fr. Ans welche Weise mißhandelten die Henkers-knechte noch ferner den leidenden Jesus?
Antw. Sie luden ihm das schwere Kreuz auf seineSchultern und führten ihn fort, um ihn zu kreuzigen.
Belehrung. Um den göttlichen Heiland als einen Mis-se th ater zu behandeln, legten sie ^ihm das schwere Kreu-zesholz auf seine Schultern; denn es war damals Sitte, daßder Misselhäter selbst sein Kreuz auf die Richtstätte tragenmußte. Und wie verfuhren hiebei die grausamen Soldaten undHenkersknechte? Sie rissen unserm Heilande das Purpurkleidvom Leibe und zogen ihm seine eignen Kleider wieder an.Dabei wurden alle Wunden wieder anfgerissen, und alleSchmerzen erneuert; und um die Leiden noch zu vermehren,ließen sie die Dornenkrone auf seinem Haupte. Ach, wieschwer muß dieses Kreuz gewesen sein! Denn darauf lastetenall unsere Missethaten, alle Sünden der Vergangenheit, derGegenwart und Zukunft; alle Gotteslästerungen und Flüche,alle Mordlhaten und Ehebrüche, alle Betrügereien und Dieb-stähle, vom Anfänge der Welt begangen bis zu deren Ende!Darf cs uns also wundern, wenn der göttliche Heiland, ohne-hin schon entkräftet durch die quallvolle Geißlung und Krön-ung, unter der Last des Kreuzes wiederholt zur Erde nie-dersinkt, so daß ihm ein Mann von Cyrene, mit NamenSimon, gezwungen von den rohen Soldaten, das Kreuz nach-tragen mußte?!
Fr. Was ruft uns Allen der kreuztragende Jesus zu?
Antw. Er ruft uns Allen zu: „Wer mir Nachfolgenwill, der verläugne sich selbst, nehme sein Kreuz aufsich und folge mir nach!" (Matth. 16, 24.)
Belehrung. Wie Simon von Cyrene müssen wir Alledem Erlöser das Kreuz nachtragen, aber nicht gezwungen, son-dern gerne und freiwillig. Dieses soll die Frucht und der
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Gewinn sein, Wel-chen wir aus derKreuztragung Chri-sti ziehen. O derliebe Heiland siehtes gar so gerne,wenn wir das Kreuzfreudig auf uns neh-men und es ihm nach-tragen.
Beispiel undAnwendung. Der
Karthäus.Ludolpherzählt von einemDiener Gottes, wel-cher ein sehr voll-kommenes, einsamesLebeu führte, er habesehr gewünscht, demHerrn zu dienen undinsbesondere zu wißen, wem/e Lverte uuv weteye -rneujucgt-ungen ihm angenehmer wären, um sie aus Liebe zu ihmverrichten zu können; ihm dieß zu offenbaren, habe er Gottsehr eifrig und inständig gebeten. Als er nun einmal dieseBitte Gott im Gebete vortrug, sei ihm Christus ganz ver-wundet, nackt und zitternd, mit einem schweren Kreuze aufden Schultern erschienen und habe ihm gesagt: „Eines vonden Dingen, die mir mehr gefallen, und in denen mir meineDiener einen großem Dienst erweisen werden, ist, daß siemir dieses Kreuz tragen helfen, was sie thun wer-den, wenn sie mich mit der Betrachtung in allen meinenPeinen und Leiden begleiten und sie in ihrem Herzen mitfüh-len." Nachdem er diese Worte gesagt hatte, verschwand er.— Das also ist dem Herrn angenehm, wenn wir ihm dasKreuz bereitwillig nachtragen, mit Wehmuth hingegen erfülltes sein Herz, wenn er sieht, daß wir das Kreuz fliehen undvon uns entfernt wissen wollen. — Man erzählt, der hei-lige Petrus sei, iils er zur Zeit der Christen VerfolgungRom verließ, um dem Kreuze, d. i. den Qualen unv Mar-tern, sowie dem Martertode zu entgehen, Jefu Christo be-gegnet, der die schwere Last seines Kreuzes trug, und habeIhn gefragt, wohin er in diesem traurigen Zustande gehe?Da antwortete ihm der Erlöser: „Ich gehe nach Rom, umdort von Neuem für euch gekreuziget zu werden, da ihr fürmich nicht leiden wollt." Dann kehrte der heilige Petrus,welcher sich seiner Schwäche schämte und lebhafte Neue fühlte,nach Rom zurück, wo er das Glück hatte, für den Namenund Ruhm seines göttlichen Meisters den Martertod zu lei-den. — Wir haben den heiligen Petrus in seiner Schwächenachgeahmt; wann werden wir ihn in seiner edeln Reuenachahmen? Ach, wie oftmals hätte Christus zu uns sagenkönnen: „Ich gehe von Neuem für euch zum Tode, die ihres verschmähet, mein Kreuz zu tragen!" Wir wollen Nichtsleiden; über die geringste Mühe beklagen wir uns und mur-