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Am Feierabende
zogen ihn aus und legten ihm einen Purpurmantel um undflochten eine Krone von Dörnern, setzten sie auf sein Hauptund gaben ihm ein Rohr in seine rechte Hand. Und siebogen das Knie vor ihm, verspotteten ihn und sprachen:Sei gegrüßt, du König der Juden!" Sie spieen ihn an,nahmen das Rohr und schlugen sein Haupt damit. — Welchneue und unaussprechlich große Martern bereitete man durchdiese Krönung dem göttlichen Heilande? Denn die Dornen warenviel länger und spitziger, als wir sie bei uns gewöhnlich sehen,und drangen durch Fleisch und Nerven ein, so daß StrömeBlutes aus den Vertiefungen des heiligen Hauptes flössen.Dazu kam noch der Hohn und Spott ans dem Munde derrohen Henkersknechte. Sie gaben nämlich dem göttlichen Hei-land ein Schilfrohr statt des Scepters in die Hand undhingen ihm als königlichen Anzug einen schlechten Purpur-mantel um; sie wollten dadurch seinen Ehrgeiz beschämen,weil er sich ein Reich angemaßt und sich für einen König aus-gegeben hatte; allein die Thoren, deren Augen mit Blindheitgeschlagen waren, verstanden seine Worte und seine Thaten nicht.Jesus aber duldete und schwieg — bei all diesen namenlosenQualen und Leiden! — O Christ! demüthige auch du dich freudigund gottergeben unter das Joch deiner Leiden und wähle mitChristo hier auf Erden die Dornenkrone zu tragen; es wirddir dann einst die Krone der Verherrlichung nicht entgehen.
Beispiel und Anwendung. Als die heilige Katha-rina von Siena über ein falsches, vors einem boshaftenMenschen ausgestreutes Gericht gegen ihre jungfräuliche Reinig-keit ungemein betrübt war, ließ sich unser Erlöser vor ihrsehen, hielt in der Rechten eine goldne, mit Edelsteinen ge-zierte Krone, in der Linken aber eine Dornenkrone und sagte:„Geliebte Tochter! Es ist nothwendig, daß du zu verschie-denen Malen und Zeiten mit diesen beiden Kronen gekröntwerdest. Wähle dir eine von beiden, aber sieh, ob du imgegenwärtigen Leben mit der Dornen- und in jenem mit dergoldnen Krone gekrönt werden wollest!" — Die heiligeJungfrau gab zur Antwort: „Herr! ich habe schon langemeinen Willen verläugnet und will daher nur, was du willst;deswegen steht es mir nicht zu, eine solche Wahl zu treffen.Willst du aber dennoch, daß ich antworte, so bekenne ichernstlich, daß ich in diesem Leben immer erwähle, deinemallerhciligsten Leiden ähnlich und gleichförmig zu sein." —Und als sie dieß gesagt hatte, ergriff sie mit beiden Händendie Dornenkrone aus den Händen des Herrn und drückte siemit solcher Kraft auf ihr Haupt, daß sie von da an vieleTage hindurch wirklichen Schmerz von den eingedrnngenenDörnern empfand. — Möchten wir doch Alle mit gleicherBereitwilligkeit, wie die heilige Katharina von Siena,die Dornenkrone ans der Hand des Herrn entgegennehmen,hinblickend auf jenes hochheilige Haupt, das da, ohne alleSchuld und Sünde, dennoch mit Dornen gekrönt ist!
des 7. Februar.
Wenn Dornen deine Füße ritzen,
So denke, wessen Haupt sic einst gekrönt;
Und stechen dich der Lästerzungen Spitzen,
So denke, wessen Leben sie verhöhnt!
Legende: Der heiligeTheodor vonHeraklea,Märtyrer, (st 319.)
Auch der heilige Theodor von Heraklea, des-sen Andenken wir heute feiern, nahm hienieden gerne dieDornenkrone der Leiden aus der Hand Gottes an,um dereinst mit der himmlischen Krone gekrönt zuwerden. Die Griechen verehren diesen Heiligen nnter je-nen, welchen sie den Ehrennamen der großen Märtyrerbeilegen. Er war Anführer der Truppen des Licinins undStatthalter zu Heraklea in Pontus, und hielt sich auch ge-wöhnlich in dieser Stadt ans. Ein tapferer Kriegsmann fürseinen Kaiser, war er aber auch ein treuer Kämpfer fürseinen Heiland Jesus Christus, bereit, jeden Augenblick Blutund Leben für seinen Glauben einzusetzen, und das blutigeHandwerk des Krieges konnte seine Tugend und Gottes-furcht nicht schmälern. Als einem Christen wurde ihmauf Befehl des grausamen Kaisers Licinins im Jahre319 das Haupt abgeschlagen. Die Stadt Euchaites, woman seine Reliquien beisetzte, wurde durch die Wunder,welche bei dem Sarge des Heiligen geschahen, so berühmt,daß sie den Namen Theodoropolis, d. h. Stadt des hei-ligen Theodor erhielt, und der Kaiser Johann I. schriebder Fürbitte des heiligen Theodor den vollkommenen Siegzu, den er 970 über die Sarazenen erfocht. — Sei auchdu bereit, Gut und Blut für deinen Heiland Jesus Chri-stus und seine Liebe einzusetzen. Sendet dir Gott Un-glück, Krankheit und Leiden, so trage sie willig, harrestandhaft aus, streite tapfer Wider alle Ungeduld, betezu Gott um seine Gnade, und du wirst siegreich die Krone