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Erstes Hauptstiick. Die Leiden Jesu bei seiner Geißlung und Krönung.
die Märtyrin: „Dein Verlangen soll erfüllt werden!" —Ein holder Knabe kam später zu ihm und überreichteihm ganz frische, wunderschöne Aepfel und Rosen mitdem Bedeuten, daß Dorothea solche aus dem Gartenihres Bräutigams schicke. Er wurde sogleich Christ undstarb dann ebenfalls als Märtyrer. — Dorothea em-pfing freudig den Schwertstreich, der ihre reine Seeleauf ewig mit ihrem himmlischen Bräutigam vereinigte,am 6. Febr. 281.
Gebet. Verleihe uns, o Herr und Heiland Je-sus Christus! auf die Fürbitte der heiligen Jungfrau undMärtyrin Dorothea, daß auch wir alle Verfolgungen undVerleumdungen stillschweigend und geduldig hinnehmenund sie aus Liebe zu dir in frommer christlicher Gesin-nung ertragen, der du lebest und regirest von Ewigkeitzu Ewigkeit. Amen.
Achtnnddreißigstes Lesestück.
Am Feierabende des 7. Februar.
Die Leiden Jesu bei seiner Geißlung nnd Krönung.
Fr. Was geschah, ehe Pilatus Jesum den Solda-ten zur Kreuzigung übergab?
AntW. Er ließ ihn vorher noch geißeln.
Fr. Hatte Christus hiebei Vieles zu leiden?
AntW. Ach, ja; denn die Geißlung war eine sehr-schreckliche Peinigungsart, eine der größten Grausamkeiten.
Belehrung. Die Geißlung war eine schmachvolleStrafe, mit welcher nur Räuber und Sklaven belegt wur-den. Daher durfte kein römischer Bürger gegeißelt werden.(Apostelgesch. 22.) Die Geißlung war aber auch eine un-menschliche und grausame Strafe; denn die hiezu Ver-urtheilteu wurden zuerst mit Ruthen, dann mit Schnüren undendlich mit Ochsensehnen gepeitscht, in welche mitunter eiserneHacken und Kettchen eingeflochten waren, die bis auf die Ge-beine eindrangen. Auf solche Weise wurde der zarte und un-gemein gefühlvolle Leib Christi mit Wunden bedeckt und fastgänzlich zerfleischt. Daher schildern auch die heiligen Väterdiese Peinigungsart mit den lebhaftesten Farben als eine dergrößten Grausamkeiten, die je am göttlichen Heilande verübtworden sind. So bezieht der heilige Bernhard die Wortedes 128. Psalmes: „Auf meinem Rücken haben geschmiedetdie Sünder und ihre Bosheit lange Zeit mit mir getrieben"— auf die Geißlung Christi und schreibt: „Gleichwie alsoein Schmied auf den Ambos schlägt aus allen Leibeskräf-ten, ebenso schlugen auch die Peiniger auf den unschuldigenJesus los, so daß sein allerheiligstes Blut in Strömen floß und
hoch emporsprang." —
Wer mag die Schmer-zen und Qualen ermes-sen, die der göttlicheHeiland bei dieser un-erhörten Grausamkeitempfand! Und was lei-dest du für Ihn, oSeele! da Er doch Al-les dieß nur um deinet-willen gelitten hat?
Beispiel und An-wendung. Die hei-lige Eulalia stelltesich, erst zwölf Jahrealt, vor die Tyrannen,um den Martyrertodzu leiden, und machteden Heiden Vorwürfeüber ihre Grausamkeitgegen die Christen. Man ergriff sie und bedeckte ihren ganzenLeib, wie den unsers göttlichen Heilandes, mit Wunden;aber vor Freude außer sich, sagte sie: „O mein Erlöser!wie glücklich bin ich, da ich Einiges von Deiner Geißlungan mir tragen kann! Du verdientest es nicht; aber ich Sün-derin, ich sollte meiner Sünden wegen in tausend Stückezerrissen werden!" Darauf warf man sie in die Flamme,worin sie starb, während sie den Herrn dafür pries, daß Ersie würdig geachtet habe, Etwas für Ihn zu leiden; mansah ihre Seele einer Taube gleich aus ihrem Leibe gen Him-mel fliegen. Der Scharfrichter bekehrte sich, that Buße undempfing die Taufe. — Wenn die Geißelhiebe des Unglücksund der Leiden schwer auf dich herniederfallen, o Christ! sodenke an deinen göttlichen Heiland, wie ihn seine Feinde mitGeißeln zerfleischen; bete und leide wie die heilige Eulalia!Bedenke, daß auch du mit Ursache warst an der GeißlungChristi, wie der heilige Augustin schreibt: „Für dieBosheit wird die Frömmigkeit gegeißelt, für dieThorheit wird die Weisheit verhöhnt, für die Lüge wird dieWahrheit gemordet, für die Ungerechtigkeit die Gerechtigkeitverdammt, für die Grausamkeit wird die Barmherzigkeit miß-handelt, für das Verbrechen wird die Unschuld mit Verachtunggestraft, und für den Tod stirbt das Leben auf Golgatha."
Fr. Was geschah weiter nach vollzogener Geißlung?
AntW. Die grausamen Soldaten flochten eine Kronevon Dörnern nnd setzten sie auf das Haupt des leiden-den Heilandes.
Belehrung. Ich will dir dieß, mein Christ! ausführ-licher erzählen. Nach vollzogener Geißlung nahmen die Sol-daten des Landpflegers Pilatus Jesum zu sich in das Richt-haus und versammelten um ihn die ganze Schaar. Und sie
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