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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
Entstehung
Seite
97
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Am Feierabende

Wasser, wusch seine Hände vor dem Volke und sprach: „Ichbin unschuldig an dem Blute dieses Gerechten; sehet ihr zu!"Und das ganze Volk antwortete und sprach: „Sein Blutkomme über uns und über unsere Kinder!" — Und nunführte man den unschuldigen Jesus fort, um ihn zu kreuzigen.

Fr. Wie benahm sich Jesus dabei? Und was sol-len wir hieraus lernen?

AntW- Er schwieg und duldete, damit auch wirhieraus lernen sollen, zu schweigen, wo das Reden NichtsHilst, und zu dulden da, wo man uns unschuldiger Weiselästert und schmäht.

Belehrung. Was mag wohl der göttliche Heiland inseiner Seele empfunden haben, als er das Mordgeschrei derInden hörte: „An's Kreuz mit ihm!" als er die falschenAnklagen, die Verläumdnngen und Schmähungen vernahm,die man wider ihn vorbrachte, wider ihn, der nichts Andereskannte und wußte, als Segnen und Lieben, Lieben und Wohl-thün?! — Und wie benahm er sich bei allen diesen Unbil-den und Mißhandlungen?-Er schwieg und duldete. —

Lerne, christliche Seele! von deinem Herrn und Heilande Ver-folgungen und Verläumdnngen mit Geduld ertragen, lerneschweigen, wo das Reden Nichts hilft, lerne dulden und lie-ben selbst auch da, wo man dich unschuldiger Weise lästertund schmäht! Ist es dem Meister so ergangen, warum solles nicht auch dem Lehrlinge .so ergehen? „O Mensch! be-trachte deinen Heiland vor seinen Richtern!" ruft uns deß-halb der heilige Augustin zu. „ Was kann dir Schmählicheswiderfahren, was dein Erlöser nicht zuerst gelitten hätte?"

Beispiel und Anwendung. Ein Diener Gottes warin tiefe Betrübniß versenkt; denn schwer hatte man ihn ver-laumdet, und diese Verlänmdung hatte ihm Haß und Ver-folgungen zugezogen. Da wandte er sich in der Bitterkeitseiner Seele zum Herrn und sprach: „O mein Erlöser! wielange noch willst du gestatten, daß ich also mißhandelt werde?Du weißt es, daß ich schuldlos an Allem bin, worüber böseZungen mich schmähen!" Als er nun so betete, bedünkte esihn. als sähe er unfern Heiland, vor seinen Richtern stehend,vom Volke verspottet, verachtet und mißhandelt und die Wortesprechend: „Und um welcher Schuld willen ward denn ich soabscheulich behandelt?" — Diese Worte wirkten so tief anssein Herz, daß er sich höchlich erfreute, mit seinem göttlichenHerrn unschuldig verläumdet, verfolgt und verachtet zu wer-den; und er klagte nicht mehr, sondern dankte dem HerrnJesus, daß Er ihn der Gleichförmigkeit mit ihm gewürdigethatte. Folge auch du, mein Christ ! diesem schönen Beispiele,und dulde und leide, wenn dir unrecht geschieht, aus Liebezu Jesus, deinem Gott und Heiland, der vor seinen ungerech-ten Richtern so viel leiden mußte, dabei aber duldete undschwieg!

Mehler, Hausbuch.

des 6. Februar. !)7

Legende: Die heilige Dorothea, Jungfrauund Marthrin. sch L^lJ

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Gleich dem göttlichen Heilande stand einst auch vorihren Verfolgern und Richtern voll himmlischerGeduld die heilige Jungfrau Dorothea, die durch denMartertod am heutigen Tage für den Himmel geborenwurde. Schon in ihrem zartesten Alter war sie mit demGeiste Gottes erfüllt; ausgezeichnet durch Schönheit undTugend, lebte sie zu Cäsarea in Kappadocieu ein wahr-haft englisches Leben. Als aber der Landpsleger Sa-pritius von dieser schönen und frommen christlichenJungfrau hörte, ließ er sie vor seinen Nichterstnhl rufen.Er ließ Nichts unversucht, sie zum Abfalle von dem christ-lichen Glauben zu bewegen; allein die glänzendsten Ver-sprechungen und die schärfsten Peinigungen trugen nurbei, die Standhaftigkeit der Glanbenshelrin noch mehrzu befestigen. Der entrüstete Landpfleger übergab sie hier-auf zwei Schwestern, die ans Furcht vor der Marterden Glauben verlängnet hatten, und jetzt das Geschäftübernahmen, auch die reine Braut Christi für das Hei-denthnm zu gewinnen; aber es erfolgte das Gegentheil:die beiden Äbgefallenen wurden durch Dorothea wiederfür den christlichen Glauben gewonnen und starben nochvor ihr des Martertodes. Voll Entrüstung sprach derWütherich über Dorothea das Urtheil der Enthauptungaus. Als die Marthrin solches hörte, rief sic ans: „MeinHerr und mein Gott, keuschester Bräutigam meiner Seele,Jesus Christus! ich danke dir, daß du mich des Paradiesesund deiner seligen Gemeinschaft würdigest." Ein ange-sehener Mann, der diese Worte gehört hatte und fürThorheit hielt, sagte zu ihr im spöttischen Scherze: „Höre,du Braut Christi! schicke mir doch aus dem Garten dei-nes Bräutigams einige Aepfel oder Rosen." Mit feierli-cher Ruhe antwortete auf Antrieb des heiligen Geistes