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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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Erstes Hanptstück. Die Leiden Jesn vor seinen Richtern.

Der Statthalter drang neuerdings in die Dienerin desHerrn, dem Christenthnme zu entsagen, und ließ, alsalle Drohungen vergebens waren, ihren ganzen Körperwieder zerfleischen, auf glühenden Kohlen wälzen und siedann in das Gefängniß zurückbringen. Dort angenom-men, warf sich die edle Dulderin ans die Kniee, betete zu(Hott, daß Er ihre Seele anfnehmen wolle, und gab nachbeendigtem Gebete ihren Geist auf. — Qnintianns eilte,sich in den Besitz ihres Vermögens zu setzen, fiel abervom Pferde in das Wasser, und kam nicht mehr zum Vorschein.

Gebet. Sende uns, himmlischer Vater! in Lei-den und Trübsal?» deinen tröstenden Engel, auf daß auchwir, von ihm gestärkt, den Kelch der Leiden freudig hin-nehmen und geduldig trinken mögen, wie dein göttlicherSohn am Oelberge und wie seine treue Dienerin Aga-tha. Durch ebendenselben Christum, unfern Herrn. Amen.

Sicbemmddreißigstes Lesestnck.

Am Feierabende des 6. Februar.

Die Leiden Jesn vor seinen Richtern.

Fr. Wohin wurde der göttliche Heiland vom Gar-ten Gethsemani aus geführt?

Anlw. Er wurde zum Hohenpriester Kaiphas geführt.

Fr. Wie verfuhr man daselbst gegen ihn?

Atttw. Man brachte falsches Zeugnis; wider Jesumvor, spie ihm in's Angesicht und schlug ihn mit Fäusten.

Biblische Erzählung. Höre, christlicher Leser! wasuns hierüber die heilige Geschichte erzählt: „ Nachdem Christusim Garten Gethsemani ergriffen worden war, führte man ihnzu Annas und von da zu Kaiphhas, dem Hohenpriester, wodie Schriftgelehrten und Aeltesten sich versammelt hatten....Die Hohenpriester nun und der ganze Rath suchten falschesZeugniß wider Jesum, damit sie ihn zum Tode überliefern könn-ten, und sie fanden keines, obwohl viele falsche Zeugen aufgetre-ten waren. Zuletzt aber kamen zwei falsche Zeugen und spra-chen: „Dieser hat gesagt: Ich kann den Tempel Gottes ab-brcchen und nach drei Tagen wieder aufbauen." Da standder Hohepriester auf und sprach zu ihm: „Antwortest dunicht auf das, was diese gegen dich zeugen?" Jesus aberschwieg still. Und der Hohepriester sprach zu ihm: „Ichbeschwöre dich bei dem lebendigen Gott, daß du uns sagest,ob du Christus, der Sohn Gottes, bist." Jesus sprach zuihm: „Du hast es gesagt! Ich sage euch aber: Von nunan werdet ihr den Menschensohn zur Rechten der Kraft Got-tes sitzen und auf den Wolken des Himmels kommen sehen."— Da zerriß der Hohepriester seine Kleider und sprach:„Er hat Gott gelästert! Was haben wir noch Zeugen nöthig?Siehe! nun habet ihr die Lästerung gehört. Was dünketeuch?" Sie aber antworteten und sprachen: „Er ist des To-des schuldig!" Dann spieen sic in sein Angesicht und schlugen

ihn mit Fäusten;

Andere aber gabenihm Backenstreichein's Angesicht undsprachen: „Weissageuns, Christus! werist's, der dich geschla-gen hat?"

Fr. Was geschahweiter?

Antw. Manüberlieferte ihndem LandpflegcrPontius Pilatus,der ihn auf dasungestüme Verlan-gen der Juden zumTode vcrnrtheilte,obschon er an ihm

keine Schuld fand, dafür aber den Mörder Barabbasfrei ließ.

Biblische Erzählung. Auch dieß will ich dir wiederum,mein lieber Leser! im Auszüge mit den Worten der Evan-gellsten erzählen: „Als es Morgen ward, (also heißt esda weiter,) hielten alle Hohenpriester und Aeltesten des VolkesRath wider Jesum, um ihn zum Tode zu überliefern. Undsic führten ihn gebunden und übergaben ihn dem LandpflegerPontius Pilatus. . . . Jesus aber stand vor dem Landpfleger,und dieser fragte ihn und sprach: „Bist du der König der Juden?"Jesus sprach zu ihm: „Du sagst es!" — Und als er von denHohenpriestern und Aeltesten angcklagt wurde, antwortete erNichts. Da sprach Pilatus zu ihm: „Hörest du nicht, welchegroße Dinge sie wider dich bezeugen?" Und er antworteteihm auch kein Wort, so daß der Landpflcger sich sehr ver-wunderte. — Es war aber gebräuchlich, daß der Landpflegerauf den hohen Festtag (vor Ostern) dem Volke einen Ge-fangenen losgab, welchen sie wollten. Nun hatte er damalseinen berüchtigten Gefangenen, der Barabbas hieß. Da siealso versammelt waren, sprach Pilatus: „Welchen wollet ihr,daß ich euch losgebe? Den Barabbas oder Jesum?". . .Als er aber auf dem Richterstuhle saß, schickte sein Weib zuihm und ließ sagen: „Habe du Nichts zu schaffen mit diesemGerechten! Denn ich habe heute seinetwegen im Traume vielgelitten." Allein die Hohenpriester und Aeltesten beredetendas Volk, daß sie den Barabbas begehren, Jesum aber tödtenlassen sollten. Und so verlangten sie die Loslassung desBarabbas. Und da Pilatus fragte: „Was soll ich dannmit Jesus machen?" riefen Alle: „Er soll gekreuzigt wer-den!" Der Landpfleger sagte zu ihnen: „Was hat er dennBöses gethan?" Sie aber schrieen noch mehr und sprachen:„Er soll gekreuziget werden!" Als nun Pilatus sah, daß erNichts ausrichtete, sondern der Lärm größer wurde, nahm er