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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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Am Feierabende des 5. Februar.

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gehörst etwa auch du zu jenen Unglücklichen,, die ihren Herrnund Meister verrathen, wie Judas, oder verlassen, wie die übrigenJünger, oder ihn gar in Ketten werfen, wie die Henkersknechte?!

Beispiel und Anwendung. Ein römischer Edelmannhatte einen einzigen Sohn, den er mit zärtlicher Liebe aufer-zog und in allen Wissenschaften unterrichten ließ, die sichfür einen adeligen Jüngling geziemten. Er würde nicht bloßsein Vermögen, sondern sogar sein eigenes Leben mit Freudengeopfert haben um seines Sohnes willen; weil er hoffte, daßer einst mit kindlicher Dankbarkeit und inniger Liebe Stabund Stütze seines Alters und die Ehre seines Hauses seinwürde. Aber der Sohn befleckte, in schändlichem Ungehorsamgegen seinen Vater, mit Ausschweifung und Schwelgerei denAdel seiner Geburt, und faßte sogar in wilder Leidenschaftden gräßlichen Entschluß, Demjenigen das Leben zu nehmen,von dem er sein Leben auf Erden empfangen hatte. — Erging zum Kaiser Tiberius und klagte seinen Vater mitschamloser Lüge bei diesem argwöhnischen Tyrannen an, daßer sich wider das Leben des Kaisers verschworen hätte. Deralte Vater wurde zu einem Verhöre vor Gericht gezogen, underschien mit grauen Haaren, schmählich wie ein Knecht mitKetten gebunden, mit thränenennafsem Auge und im Trauer-kleide eines Verbrechers. Sein Sohn trat mit frecher Stirnin vielfarbigen Kleidern als Kläger auf und wiederholte in Ge-genwart des römischen Kaisers und der ehrwürdigen Richter nocheinmal die schamlose Lüge, daß sein Vater sich wider das Lebendes Kaisers verschworen hätte. — Serenus, so hieß derVater, kehrte sich wider seinen Sohn, schüttelte seine Kettenund rief laut in der Versammlung aus: „Diese Hände, oSohn! haben dich als Kindlein oft geherzt und mit väter-licher Zärtlichkeit getragen; und jetzt sind sie von dir gebun-den mit eisernen Ketten. Diese Haare, die in der Sorge fürdein jugendliches Leben und Heil in mancherlei Trübsal graugeworden sind, sind jetzt von dir mit tiefer Schmach bedecktund erfüllen meine letzten Athemzüge mit Verzweiflung. DeineZunge, die von mir in freundlicher Liebkosung die ersten Lauteder menschlichen Sprache lernte, schmiedet jetzt die treulose Lüge,die mein Leben mit Schande in die Grube bringt. Das istder Lohn für meine Thränen und Angst, das ist die Ver-geltung für meine viele Mühe und Arbeit. Aber Gott mögeeine Scheidewand setzen zwischen mir und dir; möge das Bandzerreißen, das den Vater bindet an den Sohn, und dichauf ewig meinem Anblicke entziehen! Doch in deiner letztenRoth werde ich dir noch erscheinen, werde furchtbar dieseKetten schütteln, daß dir ihr Geräusch dumpf in die Ohrenkracht und deine zagende Seele jämmerlich niederschlägt." —Selbst Kaiser Tiberius entsetzte sich bei diesem Schauspiel,und das Volk hob Steine auf, den ungerathenen Sohn fürseine Undankbarkeit zu bezahlen. — Mancher von uns findetsich versucht, mit dem römischen Volke Steine zu ergreifenund ein Gleiches zu thun. Aber wartet noch eine Weile undbehaltet die Steine für euch selbst! Wie heißt dieser Mann,der schuldlos in Ketten und Banden schmachtet? Ist es nichtJesusChristus, euer zärtlicher und liebevoller Vater, euerErlöser und Seligmacher? Ach, wie Viele verläugnen diesen

zärtlichen Vater und kränken ihn durch weltliche Gesinnungund schlagen ihn täglich auf's Neue in Ketten und Bande!O daß du, mein lieber Leser! nicht unter die Zahl dieserUnglücklichen gehören möchtest! Betrachte oft deinen gött-lichen Heiland am Oelberg, betrachte seine Todesangst, denunseligen Verrath des gottlosen Judas, und die unbarm-herzige Gefangennchmnng des unschuldigen Lammes — be-sonders, wenn am Donnerstag Abends das Glockenzeichen zurTodesangst Jesu gegeben wird, und du wirst zurückbeben vorjeder Sünde, auf daß du deinen Heiland nicht auf's Neueverrathest und in Ketten schlagest!

Legende: Die heilige Agatha, Jungfrau undMärtyrin, (f 251.)

Ein wahrer En-gel im Fleische be-gegnet uns heutein der Legende, esist dieß die heiligeAgatha, die eben-so gottergeben, wieChristus amOelberg, denLeidenskelch hin-nahm und ihn bisauf die Hefe aus-leerte. Diese Hei-lige stammte auseinem adeligenHanse in Sicilienund zeichnete sichdurch alle christ-lichen Tugendenaus. Sie befandsich eben in der Stadt Katana, als im Jahre 251 derheidnische Statthalter Quintianus dahin kam, um dieVcrfolgungsbefehle, welche Kaiser Dezins gegen die Chri-sten hatte ergehen lassen, zu vollziehen. Sie mußtebald vor seinem Richterstnhle erscheinen, und er bot Al-les auf, die schöne, edle und reiche Jungfrau zu be-wegen, ein eheliches Büudniß mit ihm einzugehen; al-lein die reine Braut des Herrn, welche im heißen Ge-bete sich Stärke geholt hatte, widerstand allen Verheißun-gen und Drohungen. Quintianus ließ sie in das Hauseines verrufenen Weibes abführen, und glaubte, destoleichter ihren Sinn zu ändern: allein Agathas Tugendblieb unerschütterlich. Der Wüstling, in seiner Hoffnunggetäuscht, ließ die Jungfrau wieder vor seinen Richter-stuhl fuhren, dann als eine Verächterin der Gottheitendes Reiches auf die Folterbank werfen, ihre Seiten mitRuthen und eisernen Hacken zerfleischen, sie endlich aufdie empörendste Weise an der Brust verstümmeln undhierauf iu's Gefängniß abführen, wo sie hilflos verschmach-ten sollte. Um Mitternacht erschien dort der heilige Pe-trus in der Gestalt eines ehrwürdigen Greises, und brachteder Märtyrin im Namen Jesu vollkommene Heilung.