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Erstes Hauptstück. Die Leiden Jesu am Oelberg.
gel des Herrn mit dem Kelche des Trostes und der Stärke.Lerne da Ergebung in Gottes heiligen Willen, mag es dirgehen, wie es wolle!
Fr. Warum gerietst der göttliche Heiland auf demOelberg in Todesangst?
AntW. Weil er alle Sünden sah, die er jetzt aufsich nahm und zugleich all die erschrecklichen Qualen undMartern, die er dafür erdulden mußte.
Belehrung. Bei dem Anblick aller Sünden, die er-setzt auf sich nahm, und der schrecklichen Peinen, die er dafürerdulden sollte, in Voraussetzung des entsetzlichen Undankes,den er für all' sein Wohlthun von seinem Volke ernten wird,und an wie Vielen sein bitteres Leiden, weil sie ihm nichtglauben und gehorsamen wollen, vergebens, ja auch zur nochgrößeren Verdammniß sein werde, gerieth Christus in einesolche Bctrübniß und Bangigkeit, daß er blutigen Schweißvergoß und dreimal den Vater um Wegnahme dieses Leidens-kelches anflehte, jedoch allzeit voll Ergebung hinzufügte: „Nichtmein Wille geschehe, sondern der deinige!" — Und es er-schien ein Engel, tröstete und stärkte ihn.
Beispiele und Anwendung. Wie der göttliche Hei-land am Oelberg, so sollen auch wir, meine Christen! alleLeiden mit Ergebung in Gottes heiligen Willen annehmen undertragen; der Herr wird uns seinen Engel senden und unsdie Leiden nicht nur erträglich, sondern sogar süß und ange-nehm machen. Dieß hat die heilige Klara an sich erfahren;daher rief sie in den letzten Wochen ihrer Krankheit freudigaus: „Unendlichen Dank bin ich meinem Heiland schuldig;er hat mir den Kelch der Leiden gereicht; o dieser Kelch schmecktso süß; Nichts kann mich betrüben, Alles ist meinem Herzenerträglich und leicht, weil es meinen Erlöser liebt!" Weigeredich daher nicht, mein Christ! mit deinem Gott und Heilandden Kelch der Leiden zu trinken! — Josephine, die ein-zige Tochter vermöglicher Eltern, lag schwer krank darnieder,und sie wollte die bittere Arznei nicht mehr trinken, die ihrder Arzt vorgeschriebcn hatte. Da nahm die Mutter einliebliches Bildchen, Christum am Oelberg vorstellend,und zeigte es dem kranken Kinde mit den Worten: „LiebeJosephine, sieh doch dieses wunderschöne Bildchen an; be-trachte, wie dein guter Jesus so bereitwillig aus der Handdes himmlischen Vaters den Kelch, ach! den so bittern Kelchder Leiden entgegcnnimmt und ihn aus Liebe zu uns bis aufden Boden hinab ausleeret! Hätte er diesen Kelch nicht ge-trunken, so wäre unsre unsterbliche Seele nicht geheilet wor-den. Wie, und du willst das Bischen bittere Arznei nichttrinken, das ja nur zur Wiederherstellung deiner Gesundheitdient? Schämst du dich nicht? Dein Heiland trank alle Bitter-keiten aus bis auf die Hefe, und du wolltest nicht einmaleinen Lössel voll davon genießen? Josephine, gutes Kind!könntest du denn dieß über dein Herz bringen?" — Miteinem sonderbaren Blicke sah die Kranke auf die liebende
Mutter hin, und nach einem Augenblicke Bedenkzeit griff sienach der bittern Arznei und sprach: „ Gib her, Mutter! DesHerrn Wille geschehe! Meinem Gott zu Lieb' trinke ich vonnun an herzlich gerne die bittere Arznei." Nach diesen Wor-ten nahm sie den Löffel mit dem herben Trank, warf einenBlick auf das schöne Bildchen und schlürfte den ganzen In-halt ruhig hinunter, ohne dabei auch nur eine Miene zuverziehen. — Voll Freude über den glücklichen Erfolg ihrerzartsinnigeu Erfindung ließ die gute Mutter das Bild in derNähe des Krankenbettes aufhängen; und so oft sie der ge-liebten Patientin den bittern Trank reichte, zeigte sie nur aufdas Bild, und Josephine nahm ruhig und freudig ans derHand der Mntter die garstige Medizin, die ihr zum Heileder Seele und des Leibes diente. — Wenn der himmlischeVater, der göttliche Arzt, dir mein Christ! die bittere Arzneider Leiden und Trübsale vorschreibt, so weigere dich ja nichtmehr, sie zu trinkeu; betrachte den Sohn Gottes am Oel-berge, und es wird dir nicht schwer werden, so zu thun, wieer gethan hat!
Fr. Von wem wurde der göttliche Heiland verrathen ?
AntW- Von seinem gottlosen und geldgierigen Jün-ger, Judas Jskarioth.
Belehrung. Nachdem der göttliche Heiland durch einenEngel gestärkt worden war, trat er ruhig und getrost zu denKnechten der Hohenpriester hin, die inzwischen erschienen waren,und an deren Spitze sich der unglückliche Apostel Judas be-fand, der den Heiland um dreißig Silberlinge mit einem Kußan seine Feinde verrieth. Vergebens suchte Jesus den Ver-räther auch jetzt noch, wie schon beim letzten Abendmahledurch die liebreichsten Worte zur Erkenntniß seiner Schuldund zur wahren Reue zu bringen; aber die leidenschaftlicheHabsucht hatte ihn schon ganz verblendet. Allein auch dieStrafe blieb nicht lange aus. Judas erkannte die Größeseines Verbrechens, er gerieth in Verzweiflung, ging hinausund — erhenkte sich!
Fr. Was hatte Christus am Oelberg noch weiterzu leiden?
AntW. Die gewaltsame Gefangennehmung durch diegrausamen und unbarmherzigen Henkersknechte.
Belehrung. Der Allmächtige, über den Niemandeine Macht hat, wird gebunden und in Ketten geworfen; ergab es der wilden Rotte allerdings zu verstehen, daß sie überihn Nichts vermöchten; allein da die Zeit der Erlösung ge-kommen war, so überließ er sich bereitwillig seinen Feinden.Diese legten schnell Hand an ihn, banden ihn und führtenihn unter Hohn und Gewaltthätigkeiten zurück nach Jerusalem.Und was geschieht weiter? Ach, alle seine Jünger verlassen ihn!Welch ein Schmerz für den göttlichen Heiland! —^ Mein Christ!