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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
Entstehung
Seite
90
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Erstes Hauptstück. Kindheit und Jugendjahre Jesu.

meine Brüder! war es nöthig, daß sich Christus so sehr er-niedrigte, daß der Herr, die Majestät selbst, sich einen solchenAbbruch that? Wozu anders, als daß wir es auch so machen?Er ruft nun schon laut mit dem Beispiele aus, was er inder Folge mit Worten verkünden wird: „Lernet von mir!denn ich bin sanftmllthig unv demüthig vom Herzen."

Beispiel und Anwendung. Ein sehr reicher Mann,welcher die heiligen Orte besuchte, fühlte sich außerordent-lich ergriffen, als man ihm die Grotte zeigte, in welcherder göttliche Heiland geboren wurde. Er fiel auf sein An-gesicht nieder, und nachdem er den zur Erlösung der,,WeltMensch gewordenen ewigen Gott angebetet hatte, rief er aus:„Hier, in diesem dunkeln Orte, in dieser schlechten Höhle istmein Erlöser geboren worden; er ist in der Armuth und inder Niedrigkeit geboren worden! Und ich, ich habe Güter inHülle und Fülle, ich lebe im Ueberflusse! Ach, ich will nichtlänger mehr in einem Zustande leben, der ganz anders istals jener, in welchem mein Jesus geboren wurde und lebte!"Bald darauf verkaufte er all' seine Habe, vertheilte den Er-lös unter die Armen und zog sich in ein Kloster zurück, inwelchem er sein erbauliches Leben mit einem heiligen Todebeschloß. — O möchten alle Neichen und Ansehnlichen dieserErde recht oft das arme und demüthige Jesuskindlein in derKrippe betrachten, um von ihm Liebe zur Armuth und De-mulh, sowie Geduld in allen Leiden und Trübsalen diesesLebens zu lernen! Die Armen und Verlassenen aber sollenbei ihm Trost und Stärke in ihrer Armuth und Verlassen-heit suchen; ist ja auch das liebe Jesukindlein arm und ver-lassen von der ganzen Welt in diesem Thränenthale erschie-nen, arm und verkästen hat er hienieden gelebt, arm und ver-lassen ist er wieder zu seinem Vater heimgegangen! Kannes also für den Unglücklichen ein tröstlicheres Bild geben, alsdas liebe Jesukindlein in der Krippe? Ließ hat in allenseinen Leiden und Verfolgungen auch der heilige Bischof undMärtyrer Blasius erfahren, dessen Fest wir heute feiern.

Legende: Der heilige Blasius, Bischof undMärtyrer, (4 316.)

Arm und demüthig, wie das liebe Jesukindlein, wardieser fromme Bischof sein ganzes Leben hindurch. We-gen seines lebendigen Glaubens, wegen seiner innigenLiebe und seines vollkommenen Wandels ward er von denGläubigen zu Sebaste einstimmig zu ihrem Bischöfe er-wählt. Sein Leben für seine Heerde zu erhalten, entzogsich BlasiuS der Verfolgung des LiciniuS, dessen Befehle derStatthalter Agrikola mit blutdürstiger Wuth vollzog. SeinAufenthaltsort war nun eine Felsenkluft, wo er sich un-ter strengem Fasten dem Gebete und der 'Betrachtungwidmete. Als der Statthalter eine Jagd in jener Ge-gend entstellte, und die Jäger in der Felsenhöhle den Bi-schof Blasius erkannten, wurde er ergriffen und zur Stadtgeführt. Unterwegs redete er den Heiden Worte desHeiles an'S Herz, bekehrte mehrere derselben zum christ-lichen Glauben und heilte verschiedene Kranke. EinemKnaben, welcher der einzige Sohn einer Wittwe war,

blieb, als er Fische aß, eine Gräte im Schlunde stecken,die durch kein natürliches Hilfsmittel heranSgebracht wer-den konnte. Der Tod schien unvermeidlich und schon nahezu sein, als die tiefbekümmerte Mutter ihren Sohn zudem heiligen Blasius trug und unter Thränen flehte,daß er den Knaben von dem tödtlichen Uebel befreienwolle. Der Bischof betete voll Inbrunst zu Gott, legtedem Knaben seine Hände auf und gab ihn gesund in dieHände der Mutter zurück. Deßhalb wird er als beson-derer Patron in Halskrankh eiten verehrt, — AlsBlasius zu Sebaste angekommen war, versuchte es Agri-kola, ihn durch Schmeicheleien zu gewinnen und zurVer-längnung zu bewegen. Als er aber seine Bemühungdurch die Standhaftigkeit des Bischofs vereitelt sah, ließer ihn mit Stöcken grausam schlagen und dann in's Ge-fängniß wieder zurückführen. Oesters wurde der Heiligevor Gericht gestellt, und immer aufgefordert, den Götternzu opfern; allein er blieb standhaft im Glauben. Hier-auf wurde er enthauptet um das Jahr 316.

Gebet. Verleihe uns, wir bitten dich, allmächti-ger Gott! daß wir von dem neugebornen göttlichen Hei-land Demuth und Sanftmuth lernen möchten, wie derheil. Bischof und Märtyrer Blasius. Um dieses bitten wirdich durch ebendenselben Christum unfern Herrn. Amen.

Fünfunddreißigstes Lesestück.

Am Feierabende des 4. Februar.

Kindheit und Jugendjahre Jesn.

Fr. Wie erging es dem göttlichen Heilande in sei-ner Kindheit?

Antw. Nach seiner Geburt im Stalle zu Bethlehem