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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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89
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Am Feierabende

so wurde er nicht in seiner Heimat, nicht in einem Hause,sondern in der Fremde, gleichsam auf offener Straße gebo-ren." Ein Stall also war die erste Wohnung, die Geburts-stätte des göttlichen Heilandes, seine Wiege bestand in einerschlechten Krippe, sein Bett aus Heu und Stroh, seine Um-gebung ans zwei verachteten Thierlein, aus Lirmen Hirten,auö der armen Jungfrau Maria und dem armen Zimmer-manne Joseph. Der Herr Himmels und der Erde läßt sichzur Erde nieder, und überall umgibt ihn nur Armnth undNiedrigkeit!

Biblische Erzählung und Anwendung. Diesesfreudenreichste Ereigniß der Geburt Christi erzählt unsdie heilige Schrift in folgenden Worten: „Es geschah, daßvom Kaiser Angustns ein Befehl ansging, das ganze Landzu beschreiben. Dieß war die erste Beschreibung und geschahdurch Ehrmus, den Statthalter von Syrien. Und Alle gin-gen hin, sich anzngcben, ein Jeder in seine Stadt. Und esging auch Joseph von Galiläa von der Stadt Nazareth nachJudäa in die Stadt Davids, welche Bethlehem heißt, weil eraus dem Hanse und Geschlechts Davids war, um mit Maria,seinem verlobten Weibe, die schwanger war, sich anzngcben.Es begab sich aber, als sic daselbst waren, kam die Zeit, daßsie gebären sollte. Und sie gebar ihren erstgebornen Sohn,wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weilin der Herberge kein Platz für sie war. Und es waren Hir-ten in derselben Gegend, die hüteten und Nachtwache hieltenbei ihren Heerdeu. — Und siehe! ein Engel des Herrn standvor ihnen, und die Herrlichkeit Gottes umleuchtete sie, undsie fürchteten sich sehr. Der Engel aber sprach zu ihnen:Fürchtet euch nicht! Denn siehe! ich verkündige euch einegroße Freude, die allem Volke widerfahren wird; denn heuteist euch in der Stadt Davids der Heiland geboren worden,welcher Christus, der Herr, ist. Und dieß soll euch zum Zei-chen sein: Ihr werdet ein Kind finden, in Windeln eingc-wickclt und in einer Krippe liegend. Und sogleich war beidem Engel eine Menge himmlischer Hecrschaaren, welche Gottlobten und sprachen: Ehre sei Gott in der Höhe und Friededen Menschen auf Erden, die eines guten Willens sind! Undes geschah, als die Engel von ihnen weggingen in den Him-mel, sprachen die Hirten zu einander: Lasset uns bis nachBethlehem gehen und das sehen, was zu uns gesprochen wor-den ist, und was der Herr uns angezeigt hat. Und sie kameneilends und fanden Maria und Joseph, und das Kind in derKrippe liegen. Als sie es aber sahen, fanden sie wahr, wasvon diesem Kinde zu ihnen gesagt worden war. Und Alle,die es hörten, verwunderten sich über die Dinge, welche dieHirten ihnen erzählt hatten . . . Und die Hirten kehrten zu-rück und priesen und lobten Gott über Alles, was sie gehörtund gesehen hatten, sowie ihnen gesagt worden war." Werliest und hört nicht immer wieder mit neuer Freude dieseliebliche Erzählung! O daß wir doch recht oft mit heiligerBegeisterung dieses freudenreiche Ereigniß der Geburt Christi,kunseres Herrn und Heilandes, begrüssen und uns hineinden-en möchten in jenen heiligen Stall zu Bethlehem, um da-

Mchler, Hausbuch.

des 3. Februar. 89

selbst die Liebe und gränzenlosc Güte unseres Gottes zu be-wundern und anzustaunen!

Fr. Warum wollte Christus als ein kleines Kindgeboren werden? Hätte er nicht sogleich als ein vollkom-mener Mann erscheinen können?

Ankw. Allerdings; er wollte aber als Kind gebo-ren werden, 1) um der Sohn einer Jungfrau werdenzu können, 2) um sogleich Alles an sich zu ziehen.

Belehrung. Christus hätte allerdings sogleich als einvollkommener Mann erscheinen können in Macht und Maje-stät; allein er wollte als Kind geboren werden: 1) um derSohn einer Jungfrau werden zu können und denjungfräulichen Stand eben dadurch recht hoch zuehren; 2) um sogleich Alles an sich zu ziehen. Wasist denn liebenswürdiger als ein Kindlein? Vor dem großenHerrn fürchtet sich der gemeine Mann, voll Scheu und Ehr-furcht tritt er schüchtern zurück; aber einem holden Kindenähert sich Alles ohne Furcht, mit Freude und Liebe gehtnian zu ihm hin. Daruni sagt der heilige Paulus (Dt.3, 4.): „Hierin ist uns die Güte und Menschenfreundlichkeitunseres Heilandes erschienen." — Als die Engel Gottes denHirten die Geburt des göttlichen Heilandes verkündigten, dasprachen sie: „Ihr werdet ein Kind finden, in Windeln ein-gewickelt." Sogleich sprachen die Hirten ganz freudetrunkenzu einander: „Kommet, lasset uns hinübergehcn nach Beth-lehem und dort schauen das zarte und holdselige Kindlein!"Sie machen sich auf, gehen hin und umarmen das Kind.Hätten die Engel den Hirten verkündet, daß sie einen mäch-tigen König auf einem Throne, mit einem goldenen Scepterin der Hand, umgeben von einem glänzenden Gefolge, be-schützt von tausend geharnischten Männern finden würden, sostände es sehr im Zweifel, ob die armen guten Hirten sichwohl auch aufgemacht hätten, um Christum aufzusuchen.

Fr. Warum erschien Jesus in solcher Armuth undDürftigkeit?

Antw. Um gleich bei seiner Geburt für unsereHoffart und Weltliebe genug zu thun und schon beimEintritte in die Welt durch sein Beispiel zu lehren,was er nachmals durch die Worte gelehrt hat: „Lernetvon mir, weil ich sanftmüthig bin, und demüthig vomHerzen." (Matth, kl, 29.)

Belehrung. Jesus Christus ist ein so armes, dürf-tiges Kind geworden: 1) weil er uns liebte, 2) weiler uns lehren wollte, gerne arm und demüthig zusein. Darum schreibt der heilige Bernhard: „Wozu,

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