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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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86
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Erstes Hauptstück. Von der Menschwerdung des Sohnes Gottes.

Fr. Wenn wir sa-gen :„IesnsChristn§,das göttliche Wort,Gott selbst, istMen sch geworden,"was drücken wir da-mit aus?

Antw. Wir drü-cken damit aus: 1)daß Jesus Christusw ahrer Gott undwahrer Menschzugleich ist; Gottist er von Ewigkeitund Mensch ist er ge-worden in der Zeit;2) daß in ihm zwei Naturen seien, die göttliche,weil er Gott ist, und die menschliche, weil er Mensch ist,und 3) daß cS in Christo auch zwei von einanderunterschiedene Willen gebe, einen göttlichenund menschlichen, welcher letztere aber dem göttlichenimmer vollkommen unterworfen ist. Daher betete der gött-liche Heiland ans dem Oelbergc: „Vater! nicht mein, son-dern dein Wille geschehe!" (link. 22, 42.)

Belehrung- Durch die ganze Lebens- und Leidensge-schichte Jesu bestätiget sich diese Glaubenswahrheit, daß inIhm zwei Naturen seien. Darum schreibt der heilige Au-gustin: „Er benahm sich immer so, daß man glaubenmuß, er sei Gott und Mensch." Als Mensch wurde er zuBethlehem geboren, als Gott von den Engeln angebetet; alsMensch erhielt er von den Weisen Geschenke, als Gott ihreAnbetung; als Mensch ging er im zwölften Jahre in denTempel, als Gott lehrte er die göttliche Weisheit. Als Menschfastete er und hungerte ihn, als Gott dienten ihm die Engelu. s. f. Als Mensch sprach er: „Der Vater ist größer alsich" (Joh. 14, 28.); als Gott aber: „Ich und der Vatersind Eins." (Joh. 10, 30.)

Fr. Da in Christus zwei Naturen und zwei Willensind, sind dann in ihm auch zwei Personen?

Antw. Nein; in Christus ist nur Eine Person,die göttliche; denn die göttliche Natur hat inChristus die menschliche Natur angenommenund sie unzertrennlich mit sich vereinigt; da-her heißt er „Gott men sch."

Beispiel und Anwendung. Eutyches, Abt einesKlosters zu Konstantinopel im fünften Jahrhunderte, stelltedie Irrlehre auf, daß in Christus nur Eine Natur sei, in-dem die menschliche Natur mit der göttlichen so verschmolzensei, daß sie ganz und gar darin aufgche, gerade wie einTropfen Honig im Meere verschwindet, oder ein wenig Wachsvom Feuer verzehrt wird. Obschon diese Irrlehre vom Con-cilium zu Chalcedon verdammt worden war, so hatte sie dochviele Anhänger und Verthcidiger gefunden. Ein solcher Eu-tychianer nun befand sich einmal in einer Gesellschaft undsuchte die falsche Lehre zu vertheidigen, daß es in Jesus Chri-stus nur Eine, aus der Gottheit und Menschheit zusammen-gesetzte, Natur gebe. Um die Sache deutlich zu machen, nahmer zwei Eiscnstäbe, machte sie im Feuer glühend und ver-einigte sie dann zu einem einzigen Stücke. „Ebenso," spracher, „machen auch die in Jesus Christus vereinigte göttlicheund menschliche Natur in seiner Person nur eine einzige Na-tur aus." — Zufälliger Weise war auch ein Kind zugegen,das sehr gut begriffen und behalten hatte, was es im kate-chetischen Unterrichte gehört hatte. Voll Glaubcnsmuth tratdieses nun auf und versetzte dem kühnen Verthcidiger derLüge: „Du irrest stark, mein Freund! — Wenn du Eisennimmst als Sinnbild der menschlichen Natur, so mußt dudoch sicherlich Gold nehmen als Symbol der göttlichen Na-tur; denn nur das edelste unter den Metallen kann in schwa-cher Form die Majestät der Gottheit siuubilden. Nimm nunstatt des einen Eiscnstäbleins eine kleine Stange Goldes, machesie alle beide zusammen glühend und nur Ein Stück daraus!Und ich frage dich nun, wird dieses Stück ganz Gold oderganz Eisen sein? Wird nicht jedes Stück bleiben, was esvorher war? Hier sind also zwei Stücke, das eine Gold,das andere Eisen, die, so verschieden sie auch von einandersind, dennoch nur Ein Stück ausmachcn. So verhält es sich,"schloß daraus das Kind, „auch mit Jesus Christus. Es sindin Ihm in Wahrheit zwei Naturen, die göttlicheund die menschliche, und diese sind so vereiniget, daßsie keine zwei, sondern nur Eine Person ausmachen;jedoch hat sich deßhalb die Menschheit in Ihm nicht in dieGottheit anfgelöset, sondern sie bleiben beide vollkommen un-terschieden." — Der Eutychianer, welcher sich einer solchenAntwort nicht versah, ward bestürzt und schwieg. — Siehe,so beschämt oft ein Kind den Unglauben. O daß nicht auchdich, mein Christ! ein Kind im Glauben beschämen möchte!

Fr. Warum wird dem heiligen Geiste alleindie Menschwerdung des Sohnes Gottes zugeschrieben?

Antw. Deßhalb, weil dem heiligen Geiste die Werkeder göttlichen Liebe zugeeignet werden; nun aber ist dieMenschwerdung das größte Werk der göttlichen Liebe, undso wird nun auch hiebei ganz besonders der heilige Geistgenannt, obschon Dasjenige, was Eine göttliche Personwirkt, Wirkung der drei göttlichen Personen ist.

Belehrung. Ja fürwahr, die Menschwerdung desSohnes Gottes ist der größte Beweis der göttlichen Liebe zu