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Am Feierabende des 2. Februar.
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uns armen Menschen; eine größere Liebe konnte uns Gottnicht mehr erweisen. „So sehr hat Gott die Welt geliebt,daß er seinen eingebornen Sohn dahingab." (Joh. 3, 16.)Mit Recht schreibt daher der heilige Leo: „Von jeher hatGottes Güte der Menschheit sich angenommen nnd ihr diezahlreichsten Gnaden verliehen; aber sie überschritt das Maaßder früheren Wohlthatcn, als in Christo zn den Sündern dieBarmherzigkeit, zu den Irrenden die Wahrheit, zu den Tod-ten das Leben selbst Herabstieg."
Beispiel und Anwendung. König Alphons vonSpanien hatte in einer von Mauren belagerten Stadt sichund sein Volk lauge Zeit mit großer Tapferkeit vertheidigt.Da geschah es, daß sein einziger Sohn bei einem Ausfälleaus der Festung vom Feinde gefangen genommen wurde. Nunmeinten die Mauren, die Stadt sei schon in ihren Händen.Sie führten den Gefangenen in die Nähe der Stadt, so daßman von den Stadtmauern aus ihn sehen konnte, und riefennun den Belagerten zu: „Alphons, entweder übergib dieStadt, oder dein Sohn muß sterben." — Welch' eine ent-setzliche Lage für das Herz eines Königs, eines Vaters! Welch'eine schmerzliche Wahl, entweder sein Volk in die Hände desTyrannen zur Dienstbarkeit auszuliefern, oder seinen theucrneinzigen Sohn als ein Blutopfer hinzugeben! Vaterliebe undVaterlandsliebe kämpften lange in dem Herzen des Königs.Da wirft Alphons sein eigenes Schwert über die Stadtmauerhinunter und ruft: „Lieber soll mein Sohn sterben, abermein Volk soll leben! Die Natur muß unterliegen, die Treuemuß siegen!" — Meine Christen! Ist das nicht ein getreuesBild von Dem, was sich bei der Menschwerdung des SohnesGottes zutrug? Viertausend Jahre lang war das Volk Got-tes, das von ihm geliebte Menschengeschlecht von der göttlichenGerechtigkeit gefangen genommen. Da drang der Ruf in denHimmel: „Ewiger Vater, entweder liefere das Menschenge-schlecht aus zur verdienten Strafe, oder dein Sohn muß ster-ben." Und stehe da, ein unbegreifliches Wunder der Liebe!Gott spricht: „Mein Sohn soll sterben; der Mensch soll leben!Nehmt ihn hin, meinen unschuldigen, eingebornen, vielgelieb-ten Sohn, verspotte! ihn, geißelt ihn, kreuzigt ihn, tödtet ihn;aber das Menschengeschlecht soll erlöst werden; es soll leben,es soll nicht verloren gehen." — So hat Gott die Welt ge-liebt, daß er seines eigenen Sohnes nicht verschont, sondernihn für uns Alle hingegeben hat. O welche Liebe sind wirGott dem Herrn schuldig für das größte Wunder der Liebe,für die Menschwerdung des göttlichen Sohnes!
Fr. Warum war denn ein Gottmensch nothwen-dig zu unserer Erlösung?
Antw. Weil nur ein Gottmensch uns wahrhaft er-lösen konnte; denn 1) nur ein Gottmensch konnte ver-möge seiner Gottheit der beleidigten Majestät Gottesvollkommene Genugthuung leisten; 2) zu dieser Genug-thnung war aber eine Verdemüthigung nothwendig, da
die Beleidigung durch Stolz geschah; in Gott aber ist keineVerdemüthigung möglich, darum mußte Gott Menschwerden; denn nur ein Gottmensch konnte vermöge seinerMenschheit sich verdemüthigcn, d. h. leiden und sterben.
Belehrung. Schon der heilige P r o k l u s, der auf demConcilium zu Ephesus sich durch seinen Scharfsinn auSzeich-ncte, spricht sich hierüber also aus: „Jesus kam, um unsselig zu machen, und er mußte deßhalb leiden. Aber wiekonnte dieß geschehen? Als ein bloßer Mensch konnte eruns nicht erlösen und selig machen, als ein bloßer Gottkonnte er nicht leiden. Da nahm der Emanuel als Gottdie Menschheit an, und nun konnte er Beides bewirken,uns selig machen und für uns leiden."
Legende: Mariä Lichtme ß.
Am heutigen Feste,an welchem vor derheiligen Messe diezum Gottesdienste be-stimmten Kerzen oderWachslichter geweihtwerden (daher Licht-meß), und womit als-dann unter geistlichenGesängen eine Pro-cession gehalten wird,bringt die seligsteJungfrau Maria Je-s n in Chri st u m,derfürunsMenschgewo rd e n, am vier-zigsten Tage nach sei-ner Geburt in denTempel nach Jerusa-lem, um ihn darzu-stellen und das im Ge-setze vorgeschriebeneOpfer zu entrichten. Voll Ergebung in den göttlichen Willenhört sie aus dem Munde des greisen Simeon die harteWeissagung: „Deine Seele wird ein Schwert durchdringen."
Gebet. Allmächtiger, ewiger Gott! wir dankendir aus der Fülle unseres Herzens für die unaussprech-liche Gnade und Liebe, die du uns erwiesen hast durchdie Menschwerdung deines Sohnes, und bitten dich de-müthig, lasse uns, gleichwie dein eingeborner Sohn amheutigen Tage in unserm Fleische im Tempel ist darge-stellt worden, mit gereinigtem Herzen vor dir erschei-nen. Durch denselben Herrn Jesum Christum. Amen.