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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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Erstes Hauptstück. Die ersten Menschen im Paradiese.

Erzengels, eines Cherubs; er ist das Werk Gottes selbst. Gottsprach hier nicht:Machet ihr Engel den Menschen!" sonderner sagte zu sich selber, d. i. zu der ganzen Gottheit, in derdrei Personen sind:Laßt uns mit einander den Men-schen machen!" Sieh da! Die drei Personen in der Gott-heit, die heilige Dreifaltigkeit insgesammt, geht gleichsam mitsich zu Nathe und wendet ihre ganze Macht und Weisheitund Güte an, den Menschen zu gestalten, nicht nach demBilde, nach dem Gepräge irgend eines Geschöpfes, wie ihrerschon Tausende und Tausende auf der Erde waren, sondernnach ihrer Aehnlichkeit, nach ihrem eigenen Ebenbilde! Undso ist denn der Mensch dem Leibe nach das größte Meister-stück der göttlichen Allmacht, der Seele nach aber das Eben-bild Gottes selbst.

Beispiele und Anwendung. Betrachte einmal, oMensch!den Wunderbau deines Körpers! Mußt du nicht gestehen, daßer das größte Meisterwerk der göttlichen Allmacht sei? Er-kannten dieß ja selbst schon die Heiden. So sprach einstGalen us, ein sehr berühmter heidnischer Arzt, zum Gottes-läugner EPikur: Betrachte einmal deinen Körper und seinenwunderbaren Bau, und sage nur dann, ob du noch am Daseineiner Gottheit zweifeln könntest! Sieh, hundert Jahre willich dir Zeit zum Nachdenken geben, auf daß du untersuchenkönntest, ob am ganzen menschlichen Körper auch nur EinFehler zu entdecken sei, oder ob du etwa die Glieder desLeibes verändern könntest, ohne ihm dadurch nicht auch zu-gleich die Schönheit, Nützlichkeit, Kraft und Stärke zu rauben.Nicht ein Mensch, ein Gott nur war im Stande, ein so herr-liches Gebilde, ein so wunderbares Meisterstück zu schaffen."Noch weit kostbarer und vortrefflicher aber, als dein Leib, istdeine Seele, o Mensch! Sie ist ja einAbbild der Gott-heit; in ihr hat sich die heilige Dreifaltigkeit selbst darge-stellt. Darum schreibt der heilige Bernhard:Die Seeledes Menschen ist ein Bild der Gottheit; denn sie ist ein Geist,wie Gott, ist ohne Körper, unsterblich wie Gott, ist der Ewig-keit thcilhaftig, hat Vernunft, Willen und Gedächtniß, sonachdrei Kräfte und doch nur Eine Wesenheit. Durch das Ge-dächtniß sind wir dem Vater ähnlich, durch den Verstand demSohne, durch den Willen dem heiligen Geiste." Siehe,wie groß, wie erhaben du bist, o Mensch! Erkenne doch diesedeine Würde und Hoheit! Du bist Gottes Abbild und dasMeisterwerk der göttlichen Allmacht.

Fr. Da nun die Seele des Menschen Gottes Eben-bild ist, nnd uns eine so große Würde und Hoheit ver-leiht, was folgt hieraus?

Antw. Es folgt hieraus, daß wir unsere Seele überAlles hoch schätzen und sie um keinen Preis der Weltverlieren sollen.

Belehrung. Ja, Alles Mögliche müssen wir thun, umunsere unsterbliche Seele zu retten; eher müssen wir bereit

sein zu sterben, als unsere Seele zu verlieren; denn mit ihrhaben wir Alles verloren. Darum ruft der göttliche Heilandaus (Matth. 16, 26.):Was nützt es dem Menschen, wenner die ganze Welt gewänne, an seiner Seele aber Schadenlitte?" Diese ernste Wahrheit erwägend, haben selbst Kaiserund Könige, Prinzen und Prinzessinen den Palast mit derEinöde und dem Kloster, Krone und Scepter mit Cilizien undBußgürteln, Throne und Purpur mit Strohsäcken und Mönchs-kutten vertauscht, einzig und allein nur, um ihre unsterblicheSeele zu retten. Und so rufe ich auch dir zu, o Christ:Rette deine unsterbliche Seele! Du hast nur Eine Seele; istdiese verloren, so ist Alles verloren Himmel und Seligkeit!"

Beispiele und Anwendung. Wenn der heilige FranzXaver eines reuigen Sünders Beicht gehört hatte, so pflegteer ihn zu umarmen und auszurufen:O mein Sohn! ver-giß doch auf deine Seele nicht! Bewahre nur deine Seele!"Als einst das Haus des berühmten griechischen Malers Zeuxesin Brand geriet!), und alle seine Habseligkciten in Gefahrstanden, von den Flammen vernichtet zu werden, da rief er:Laßt brennen, was brennt, aber rettet mir meinen Adonis!"Dieß hielt er nämlich für das beste Bild, das er gemalt hatte.So meine Christen! sollen auch wir in Rücksicht auf unsereSeele, dieß schöne und herrliche Bild Gottes, gesinnt sein undsprechen:Was thut's, wenn ich Hab und Gut und selbstmein Leben verliere; wenn nur meine Seele unversehrt bleibtund gerettet wird, so bin ich zufrieden; denn diese ist mirunendlich mehr werth, als alle Güter der Welt, weil sie einBild und Gleichniß des höchsten Gottes ist!"- Der Mark-graf Christian Friedrich von Bayreuth schrieb mit seinemRinge, um sich beständig an den hohen Werth seiner Seelezu erinnern, folgende Worte in das Fenster seines Kabinets:Eile und rette deine Seele! Denn auf dieser Welt ist kemewahre Ruhe zu finden." Schreibe, o christlicher Leser! dieseWorte nicht bloß an die Fenster deines Hauses, sondern viel-mehr in dein Herz, auf daß du sie nie vergessest, besondersnicht in der Stunde der Gefahr und der Versuchung; ja,denke an deine unsterbliche Seele, wenn man dich zur Sündeverleiten will! Mache es, wie der große Kaiser Karl V.Als ein diebischer Heuchler ihm rieth, jetzt sei die beste Ge-legenheit, Rache zu nehmen, so antwortete er:Schon recht:aber meine Seele! aber meine Seele!" Darum nocheinmal: Christ! vergiß auf deine Seele nicht!

Legende: Der heilige Johannes Chrhsostomus,Bischof und Kirchenlehrer, (ch 407.)

Wie sehr erkannte dieser große Lehrer der Kirche denhohen Werth der menschlichen Seele! Was that er nicht,um seine eigene und die Seelen seiner Untergebenen zuretten! Ach, welch begeisternde Reden hielt er nicht ansein Volk, um selbes dem Verderben der damaligen Zeitzu entreißen! Geboren zu Antiochien im Jahre 347(er war der Sohn eines Feldobersten), widmete er sichim zwölften Jahre seines Alters den Studien. Nach Voll-