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Erstes Hauptstück. Gott ist unser Vater, der
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Belehrung. Wie freudig und vertrauensvoll dürfenwir zum Himmel aufblicken! Dort oben haben wir einenVater. Muß uns dieser Gedanke nicht trösten und stärkenin Leid und Freud? Was thut nicht ein irdischer Vaterschon für sein Kind! Wie viel mehr wird nun nicht der himm-lische Vater für uns thun! Christus Jesus selbst macht unsauf die Liebe und Sorgfalt des himmlischen Vaters gegenuns unendlich oft aufmerksam und ermuntert uns zum kind-lichen Vertrauen auf ihn mit den freundlichsten und tröstlich-sten Worten, die gewiß jedes fühlende Herz begeistern, jedevon Jammer und Elend niedergebeugte Seele wieder mächtigaufrichten müssen. Von den vielen erhabenen Gleichnissennur Eines! „Sorget doch," ruft er uns liebevoll zu, „nichtso ängstlich für euer Leben, was ihr essen werdet, noch füreuern Leib, was ihr anziehen werdet... Betrachtet die Vö-gel des Himmels! Sie säen nicht, sie ärnten nicht, sie
sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischerVater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr als sie? Undwarum sorget ihr so ängstlich für die Kleidung? Betrachtetdie Lilien auf dem Felde, wie sie wachsen! Sie arbeiten undspinnen nicht; und doch sage ich euch, daß selbst Salomon inall seiner Herrlichkeit nicht bekleidet gewesen ist, wie eine vonihnen. Sorget euch also nicht ängstlich; denn euer Vater
allmächtige Schöpfer Himmels und der Erde.
weiß, daß ihr Alles dessen bedürfet." (Matth. 6, 25—32.)O wie schön, wie tröstlich! Ein Vater im Himmel weiß umuns und unsere Bedürfnisse! Dieser Gedanke tröstete dieHeiligen Gottes in allen Verhältnissen ihres Lebens.
Beispiel und Anwendung. Der heilige Franzis-kus wurde von seinem Vater enterbt, weil er wider dessenWillen in den geistlichen Stand trat und all sein Vermögenan die Armen verschenkte. Durch diese Schmach wurde aberder Heilige durchaus nicht niedergebeugt; vielmehr sprach ergetrosten Muthes: „Recht so! da ich nun keinen irdischen
Vater mehr habe, so kann ich um so füglicherbeten: „Vaterunser, der du bist in dem Himmel!" — So können undsollen auch wir sprechen, wenn uns die ganze Welt im Sticheläßt; Gott allein verläßt uns nicht; denn er ist unser Vater.
Fr. Warum heißt Gott „der allmächtige Schöpfer-Himmels und der Erde?"
Antw. Weil er die ganze Welt, Himmel und Erdeund Alles, was darin ist, erschaffen d. h. aus Nichts— durch das bloße Wort seiner Allmacht her-vorgebracht hat.
Belehrung. Gott hat die ganze Welt aus Nichtserschaffen; denn hätte er einen Stoff dazu gebraucht, so wäreer nicht der Schöpfer, sondern nur der Bildner oderBaumeister der Welt. Auch hatte er kein Werkzeugund keine Bauleute; er hat dieWelt erschaffen — durchseinen allmächtigen Willen, wie es in der Offenba-rung (4, 11.) heißt: „Du hast alle Dinge erschaffen, unddurch deinen Willen wurden sie." Und diese ganzeSchöpfung wurde in sechs Tagen vollendet; am siebenten aberruhte Gott, nicht, als ob er ermüdet gewesen wäre, sondernum uns dadurch zu lehren, daß auch wir sechs Tage arbeiten,am siebenten aber ruhen und dem Herrn dienen sollen.
Fr. Begnügte sich Gott damit, die Welt nur er-schaffen zu haben?
Antw. O nein; er erhält und regiert sie auch,auf daß sie nicht wieder zu Grunde gehe.
Belehrung. Gott hat die Welt nicht bloß erschaffen;er erhält sie auch, d. h. er bewirkt durchseine Allmacht,daß sie auch fortbestche, wie und so lange es ihm gefällt;er regiert dieselbe, d. h. er sorgt für Alles und ordnet undleitet Alles mit Weisheit und Güte auf das Beste. Diesesnennen wir die göttliche Vorsehung. Ja, es ist einmächtiger Arm über uns, der Alles regiert, ein Auge, dasüber uns wacht, eine Hand, welche wunderbar die Schicksaleeinzelner Menschen sowohl, als auch ganzer Völker leitet undsogar nicht selten scheinbare Uebel zum Besten der Menschheitzu lenken weiß. Wunderbar sind oft die Wege der gött-