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Christkatholisches Haus- u. Familienbuch in Wort u. Bild
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Erstes Hauptstück. Von Einem Gott in drei Personen.

nen, nicht aber drei Götter; denn die drei göttlichen Per-sonen machen nur Einen Gott aus, weil sie alle dreinur eine und dieselbe göttliche Natur haben.Drei sind, die Zeugniß geben im Himmel, der Vater, derSohn und der heilige Geist, und diese drei sind Eins," alsoschreibt der heilige Johannes (5, 7.). Wir können dieß mitunserm schwachen Verstände nicht begreifen, weil es ein Ge-hcimniß ist, d. i. eine Wahrheit, die uns Gott geoffen-baret hat, und die wir auf sein göttliches Wort glauben müs-sen, obschon wir sie nicht begreifen können. Geheimnisse gibtes in der ganzen Natur, gibt es in uns selbst, gibt es injeder Wissenschaft, warum sollte also nicht die Religion, dieWissenschaft Gottes, Geheimnisse in sich fassen? Betrachteeinmal das winzigste Thierlein, das Insekt! Kannst du dessenMöglichkeit und Ursache erklären? Das kannst du nicht, unddennoch wolltest du Den erfassen, welcher in einem unzu-gänglichen Lichte wohnt! Daher sagt der heilige BischofMartinns:Das Geheimniß der Dreieinigkeit kann dermenschliche Verstand nicht begreifen; keine noch so beredteZunge kann daoon erschöpfend reden; und wenn man ganzeBücher darüber schriebe, und die ganze Welt damit anfüllte,so könnte die unaussprechliche Weisheit Gottes nicht ausge-sprochen werden. Gott, der unbeschreiblich ist, läßt sich aufkeine Weise beschreiben. Wenn der menschliche Geist von derMajestät Gottes zu reden aufhört, dann ist es so viel, alsob er erst ansinge."

Beispiel und Anwendung. Der große Lehrer Augu-stin wollte das Geheimniß der allerheiligsten Dreifaltigkeiterforschen; ganze Tage und Nächte brachte er wohl oft deß-halb mit Sinnen und Grübeln zu. Als er nun einmal amUfer des Meeres spazieren ging, erblickte er plötzlich einKnäblein wunderschön; er sah, wie es mit einem silbernenLöffel Wasser aus dem Meere in ein Grübchen schöpfte, dascs am Ufer gegraben. Da Augustin den Knaben fragte,was er denn da thuc, antwortete dieser: er wolle das ganzeMeer in dieses Grübchen schöpfen.Knabe! das ist unmög-lich," sagte der Heilige. Da cntgegnete ihm der Knabe:Ich werde doch leichter das Meer in diese Grube schöpfen,als du das unermeßliche und unerklärbare Geheimniß derheiligsten Dreifaltigkeit ergründen." Wenn nun ein so gro-ßer Lehrer dieses Geheimniß nicht ergründen konnte, was wirstdann du ausrichten können, o Christ? Darum grüble nicht;hier gilt das Wort des heiligen Ambrosius:Wenn vondiesem Geheimniß die Rede ist, so verstummt jede Stimme,nicht nur die meinigc, sondern auch die Stimme der Engel."

Fr. Ist aber die Lehre, daß Gott dreifach und docheinfach sei nicht vernunftwidrig, nicht voll Widerspruch?

Antw. Durchaus nicht; cs ist dieß zwar überunsere Vernunft, aber keineswegs gegen unsere Ver-

nunft; auch ist darin gar kein Widerspruch, da ja nichtgelehret wird, daß es Einen Gott und drei Göttergebe, sondern nur, daß Gott, obwohl einfach in derNatur, dreifach in den Personen sei.

Belehrung. Die Lehrer der Kirche zeigen es in schö-nen Gleichnissen, daß das Geheimniß der heiligen Dreifaltig-keit weder vernunftwidrig, noch auch voll Widerspruch sei.Zur Versinnlichung, zugleich aber auch zur Belebung undStärkung deines Glaubens an dieses hochwichtige Geheimnißwill ich dir, o Christ! einige dieser Gleichnisse hier beispiels-weise anführen.

Beispiele und Anwendung.Denke dir einen Spie-gel," sagt Andreas von Kreta,bei einer Wasserflächegegen die Sonne gehalten, so daß die Sonne in dem Spiegelerscheint und zugleich aus dem Spiegel ihren Schein auf dieWasserfläche wirft. Auf diese Weise wirst du drei Sonnenzugleich sehen: eine am Himmel, eine in dem Spiegel, einein dem Wasser. Die erste hat das Licht von sich, die zweitein dem Spiegel hat das Licht von der ersten, die dritte indem Wasser hat das Licht von der ersten und zweiten, unddoch sind alle drei nur Eine Sonne. So sind auch in derallerheiligsten Dreifaltigkeit drei: der Vater, der Sohn undder heilige Geist. Der Vater ist von sich selber, der Sohnvon dem Vater, der heilige Geist von dem Vater und Sohne,und dennoch sind alle drei nur Eins in der Klarheit, Herr-lichkeit und Gottheit." Siehe, da hast du ein Bild vonder heiligsten Dreifaltigkeit außer dir. Du trägst aber auchin dir selbst ein Abbild des dreieinigen Gottes, und dießist deine unsterbliche Seele. Denn wie Gott nur Einer insich ist, so ist auch die Seele in dem Menschen nur Eine;wie aber in den Personen Gott dreifach ist, so ist auch dieSeele dreifach in ihren Kräften, die da sind das Gedächtniß,der Verstand und der Wille. Durch das Gedächtniß," sagtder heilige Bernhard,sind wir dem himmlischen Vaterähnlich, durch den Verstand dem Sohne und durch den Willendem heiligen Geiste." So auch:Wie der Vater Gott, derSohn Gott, der heilige Geist Gott ist, und dennoch in dendrei Personen nicht drei Götter sind, sondern Ein Gott ist,so ist der Verstand die Seele, das Gedächtniß die Seele undder Wille die Seele, und dennoch sind nicht drei Seelen inden drei verschiedenen Kräften, sondern nur Eine Seele istin denselben." Da hast du das sprechendste Bild der aller-heiligsten Dreieinigkeit, das ein Jeder von uns in sich selbstträgt. Beschaue dich aber auch jetzt in diesem Bilde undfrage dich, wie es stehe mit deinem Gedächtnisse, wie es stehemit deinem Verstände, wie es stehe mit deinem Willen, obdu diese Kräfte stets zur Ehre der allerheiligsten Dreifaltigkeitund zu deinem eignen Heile angewendet hast! Wo nicht, solaß uns heute feierlich geloben, dieß wenigstens fernerhinzu thun!

Fr. Da wir nun das Geheimniß der allerheiligstenDreifaltigkeit nicht begreifen können, was sollen wir thun?